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Wirmsthal
Gemeinde

Sorgenvoller Blick auf den Wirmsthaler Wald

Der Gemeinderat und interessierte Bürger informierten sich über den Zustand des Waldes.
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Die Teilnehmer des Waldbegangs sahen sich in Wirmsthal und Euerdorf um. Foto: Hilmar Ruppert
Die Teilnehmer des Waldbegangs sahen sich in Wirmsthal und Euerdorf um. Foto: Hilmar Ruppert
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Um sich einen Eindruck zu machen, was die Bekämpfung des Schwammspinners mittels Helikopter gebracht hat und wie es allgemein um den Wald steht, führte der Markt Euerdorf eine Begehung durch. Bürgermeisterin Patricia Schießer (CSU) begrüßte hierzu Bernhard Zürner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt, Revierleiter Wolfgang Kuhlmann, 2. Bürgermeister Klaus Kaufmann vom AELF Schweinfurt und eine stattliche Anzahl an interessierten Bürgern.

Die Teilnehmer starteten in einer Waldfläche in Wirmsthal, in der eine Buchenverjüngung in Augenschein genommen wurde. Kuhlmann schätzte die Zahl der jungen Bäumchen auf 6500 bis 7000 pro Hektar und lobte gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft. Alles was derzeit im Wald angegangen werde, geschehe nicht aus dem hohlen Bauch heraus. Mit der gezielten Entnahme von Bäumen sorge man für Licht und auch die Baumarten würden gezielt ausgesucht.

Zürner wartete mit einer statistischen Zeitreise von 1936 bis 2017 auf. Die Daten der Klimastation aus Würzburg kämen demzufolge unserer Region am nächsten. So weise die Temperatur zwar nicht unerhebliche Schwankungen über die Jahre auf, doch die Trendlinie zeige einen Temperaturanstieg von rund zwei Grad Celsius. Gerade umgekehrt verhalte es sich mit den Niederschlägen. Auch hier gebe es starke Schwankungen, aber letztendlich würden uns seit Beginn der Messungen rund 50 Liter pro Quadratmeter Jahresniederschlag fehlen, was den Landkreis als sowieso schon niederschlagsarme Region besonders treffe.

Zürner prognostizierte, dass die zwei Grad Erwärmung noch nicht das Ende der Fahnenstange sei. "Wir können dann zwar andere Früchte wie zum Beispiel Feigen anpflanzen, aber drei Tage Frost würden das ganze wieder zu Nichte machen", beteuerte er.

Für das Jahr 2100 gibt er der Fichte kaum noch eine Chance. Hier sei die Buche gefragt und die Eiche noch besser geeignet. Die Eiche brauche aber wesentlich mehr Licht und würde durch Verbiss mehr in Mitleidenschaft gezogen. Allerlei Edellaubhölzer kämen zum Einsatz. Entgegen der Landwirtschaft, wo man Jahr für Jahr reagieren könne, handle es sich bei der Forstwirtschaft um Generationenprojekte.

Neben Hitze und Trockenheit spiele der Schädlingsbefall, den man sehr ernst nehme, noch eine große Rolle. Die Bekämpfung des Schwammspinners mittels Helikopter habe angeschlagen, aber nicht alle Kommunen hätten mitgezogen. Im Kreis Bad Kissingen haben die Experten im vergangenen Jahr auf 150 Hektar einen Befall entdeckt, davon seien 70 Hektar behandelt worden. Aktuell sprechen die Behörden von 500 Hektar Befall. Nun müssen gut abwogen werden, wo bekämpft wird.

Ein weiterer Stop war das "Unterholz" in Euerdorf in der Nähe der Alten Kissinger Straße. Hier befindet sich auch der Kindergarten-Wald, in dem jedes Kindergartenkind zum Abschied einen Baum mit Holztafel gekennzeichnet bekommt. Vor Ort wies Kuhlmann auf eine Naturschutzmaßnahme hin, wonach für Bäume mit Höhlen oder Rissen Verträge abgeschlossen werden können. Ein solcher Baum wird mit GPS eingemessen, der Vertrag läuft zwölf Jahre und der Baumbesitzer bekommt eine Entschädigung. In dieser Zeit darf der Baum nicht angetastet werden, fällt er um, muss er liegenbleiben.

"Der Wald ist unsere Lunge und gleichzeitig ein sehr komplexes Thema", sagte Schießer abschließend. Sie bedankte sich für das rege Interesse und weiß den Wald bei den Verantwortlichen in guten Händen. Den Teilnehmern wurde bewusst, dass die Experten im Wald auf eine große Vielfalt setzen.