Oberthulba
Exkursion

So kommt die Milch in die Tüte

Milchbetrieb Wagenbrenner öffnete seine Stalltüre für angehende Fachlehrerinnen.
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Erlebnisbäuerin Anja Wagenbrenner stellt spielerisch den Kontakt zwischen Besucherinnen und Jungvieh her. Fotos: Gerd Schaar
Erlebnisbäuerin Anja Wagenbrenner stellt spielerisch den Kontakt zwischen Besucherinnen und Jungvieh her. Fotos: Gerd Schaar
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Vor Ort auf dem Erlebnis-Bauernhof Wagenbrenner gingen fränkische Fachlehrer-Anwärterinnen der Frage nach: "Wo kommt mein Essen her?". Begleitend war das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zur Stelle. Konkreter Anlass waren die fünften Bayerischen Ernährungstage, den heuer 47 AELF-Ämter bayernweit zurzeit veranstalten.
"Unser Betrieb hat Milchkühe und Kälberaufzucht", erklärte Anja Wagenbrenner, die ihre Befähigung als Erlebnisbäuerin in der Tasche hat. Der informative Rundgang startete auf der Futterwiese. Dann ging es in den Stall zu den Milchkühen inklusive automatischer Melkanlage. Das ist ein moderner High-Tech-Roboter, der alle Daten der Kühe registriert. Magnetischer Anziehungspunkt waren freilich das Jungvieh und die Kälber, die neugierig auf den Besuch waren und gerne gestreichelt werden wollten.
Bei einer anschließenden Verkostung konnten die Besucherinnen den geschmacklichen Unterschied zwischen der originalen Kuhmilch und verschieden erhitzten Milchsorten bis hin zur industriellen H-Milch testen. "Ich finde es beeindruckend, und ich habe ein Gefühl für meine bewusste Ernährung bekommen", sagte Besucherin Maria Klippert nach der Tour. Nach ihren Ausbildungen werden diese Fachlehrer-Anwärterinnen zumeist als Hauswirtschafts-Lehrerinnen an den Berufsschulen tätig sein und ihr Wissen als Multiplikatoren weitergeben.
Reichlich viele Hintergrundinformationen gab es von Christina Weber-Hoch, die über die Vermarktung von Milch und Milchprodukten berichtete, sowie von Fachberater Peter Will, beide vom AELF. So erfuhren die Besucherinnen, warum gerade im Landkreis Bad Kissingen die Milchviehhaltung für den Erhalt der Kulturlandschaft notwendig ist. Will bestätigt: "Der Dialog zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher ist wichtig". Vielen Verbrauchern sei nämlich nicht bekannt, woher die Lebensmittel kommen.
Während zurzeit ein Liter Marken-Mineralwasser etwa 50 Cent koste, so müsse der aktuelle Milchpreis laut Will deutlich höher angesetzt werden. Mit viel Glück bekomme der Landwirt derzeit knapp 40 Cent für den Liter Milch. Bei zudem hohen Investitionskosten für einen Milchbetrieb entstehe ein ungeheurer wirtschaftlicher Druck. Ein Problem sei deshalb der landwirtschaftliche Strukturwandel: "Die Betriebe werden allmählich immer weniger", so Will. Hat eventuell eine Edelmilch aus kleinen Chargen, ähnlich wie handgefertigtes Craftbier in einer Marktnische eine Chance? Die Besucherinnen jedenfalls hatten jetzt die Gelegenheit, mit ihrer Verkostung zu Milch-Sommeliers zu werden.
"Von der Kälbergeburt bis zum Schlachthof ist jedes Tier durch seine Ohrmarken nachverfolgbar", erklärt Will. Auf die Meldepflicht von neuen Kälbern weist Wagenbrenner hin. "Ist dieses Kalb ein Mädle oder ein Bub?" fragt sie in die Runde. Klar, es ist ein Mädchen, das im Milchviehbetrieb zukünftige Verwendung findet.
Besucherin Edith Frank aus Maßbach ist Seminarleiterin für die Ausbildung der Fachlehrer im Landkreis Bad Kissingen und für den Bezirk Unterfranken zuständig: "Solche Veranstaltungen bringen Offenheit und Kenntnisreichtum, was die Anwärterinnen später als Lehrerinnen an die Schüler weiterreichen werden." Die Botschaft gehe in die Richtung gesunde Ernährung, Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Ein niedriger Preis für Produkte aus dem Discounterladen sei schließlich nicht alles für die Kaufentscheidung.

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