Hammelburg
Brückenfigur

Schwanger oder Schönheitsideal?

Nach dem Neubau der Saalebrücke hat die Marienfigur samt Baldachin einen neuen Platz bekommen.
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Mit der neuen Saalebrücke im Rücken blickt deren Schutzheilige Maria auf die Kirchen der Stadt Hammelburg. Die Figur ist eine wahre Seltenheit, denn eine schwangere Madonna gibt es nicht so oft - obwohl sicher ist das Denkmalamt hinsichtlich der Schwangerschaft nicht.  Foto: Kerstin Väth
Mit der neuen Saalebrücke im Rücken blickt deren Schutzheilige Maria auf die Kirchen der Stadt Hammelburg. Die Figur ist eine wahre Seltenheit, denn eine schwangere Madonna gibt es nicht so oft - obwohl sicher ist das Denkmalamt hinsichtlich der Schwangerschaft nicht. Foto: Kerstin Väth
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HammelburgAuf der Saalebrücke wurde nach ihrem Neubau im Mai wieder das Madonnenstandbild von 1711 aufgestellt, das bereits auf der alten Saalebrücke stand. Zwar gibt es zahlreiche Marienfiguren, dass diese jedoch eine echte Rarität und damit etwas Besonderes ist, darauf machte uns ein Leser nach dem Artikel über die Segnung der Brücke vor einigen Tagen aufmerksam. Die Madonnenfigur ist nämlich eine der wenigen, die Maria schwanger darstellt - obwohl das Bayerische Amt für Denkmalpflege das nicht mit Sicherheit sagen kann.

"Die schwangere Madonna ist auf jeden Fall eine Seltenheit", bestätigt Josef Kirchner auf Nachfrage der Saale-Zeitung. Der Hammelburger beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte seiner Heimat, sammelt historische Bilder und weiß viel zu erzählen. Sie sei schon bemerkenswert. "Ich habe noch nichts Ähnliches in Bayern gefunden", sagt er.

Die alte steinerne Brücke war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kurz vor Einmarsch der Amerikaner von deutschen Soldaten gesprengt worden. Dabei gingen die Brückenfiguren verschollen, wie Josef Kirchner berichtet. Aus Erzählungen weiß er, dass einige Monate später ein siebenjähriger Junge beim Tauchen in der Saale die Marienfigur unter Wasser entdeckt hat. Der Kopf habe abgetrennt im Ufergebüsch gelegen. Der Nepomuk, der einst ebenfalls auf der Brücke stand, tauchte nicht wieder auf. Für die 1945 gesprengte Brücke wurde zunächst eine Holzbrücke errichtet, die bis 1955 stand. Danach wurde eine neue Betonbrücke gebaut - eben jene, die 2017/2018 abgerissen wurde -, auf der die gefundene Madonna wieder aufgestellt wurde. Damals allerdings auf der rechten Seite stadtauswärts und direkt auf der Brücke.

Wie sie jetzt steht, stadtauswärts links vor der Brücke und mit Blick auf die Kirchen, Schloss Saaleck und die Brücke im Rücken, hält Josef Kirchner für nicht so glücklich. "Sie hätte mehr gedreht werden müssen", findet er persönlich. Während der Bauarbeiten für die Neue Saalebrücke war die Heiligenfigur bei der Straßenmeisterei eingelagert. Den Baldachin, unter dem die Figur geschützt steht, hat einst Kreisheimatpfleger Eugen Weiß geschaffen, weiß Kirchner.

Sage von einst

Im Hammelburger Album steht über die Marienfigur zu lesen, dass "die mit gesegnetem Leib dargestellte Madonna wohl Anlass zu folgender Sage gab: Bei einem Kampf auf der Brücke wurde ein italienischer Offizier schwer verwundet. In großer Sorge um sich und seine in anderen Umständen befindliche Frau machte der Verletzte das Gelübde, im Falle seiner Genesung und der glücklichen Entbindung seiner Gattin ein Muttergottesstandbild auf der Brücke errichten zu lassen. Dieses Versprechen hat er nach seiner Genesung und dem Erhalt eines gesunden Sprösslings in die Tat umgesetzt. Bei der Sprengung der Brücke fiel das Standbild in den Fluss, wurde aber später aufgefunden und ziert heute, zusätzlich mit einem Baldachin versehen, die neue Saale-Brücke."

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege indes ist sich garnicht sicher, ob die Marienfigur überhaupt schwanger ist. Auf Nachfrage teilt Silke Laubscher, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, mit, dass die Hammelburger Statue in der Bayerischen Denkmalliste als Marienfigur erfasst ist. Die Bezeichnung Madonna sei jedoch etwas irreführend, handelt es sich bei einer Madonna doch genau genommen um eine Darstellung von Maria mit dem Christuskind. "Die Hammelburger Figur zeigt eine betende (orans) und möglicherweise als schwanger dargestellte Maria; Strahlenkranz auf Brust und Bauch scheinen tatsächlich auf eine Schwangerschaft hinzudeuten." Allerdings umfasse eine verbreitete Darstellung der schwangeren Maria das Sujet der Heimsuchung, als sich Maria und Elisabeth begegnen, oder aber auch die der Flucht nach Ägypten. "Das Thema der schwangeren Maria in der Einzeldarstellung ist soweit wir wissen allerdings nicht verbreitet", teilt Laubscher mit.

Relativierend müsse man auch festhalten, dass der betonte, füllige Frauenbauch einem Schönheitsideal entsprach, das etwa auch den sogenannten Schönen Madonnen des 15. Jahrhunderts zugrunde lag. Möglicherweise könne die Transkription der Sockelinschrift Anhaltspunkte zur Ikonographie und damit zur möglichen Schwangerschaft liefern, so Laubscher.

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