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Hammelburg
Interview

Schulleiter Helmut Schreiner im Interview

Mit dem Ende des Schulhalbjahres endet für Helmut Schreiner seine Zeit als Leiter des Frobenius-Gymnasiums. Er geht in Ruhestand - Anlass für ein Gespräch.
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Helmut Schreiner verlässt in wenigen Tagen das Frobenius-Gymnasium in Hammelburg. Foto: Arkadius Guzy
Helmut Schreiner verlässt in wenigen Tagen das Frobenius-Gymnasium in Hammelburg. Foto: Arkadius Guzy

In rund drei Wochen übernimmt ein neues Team die Leitung des Frobenius-Gymnasiums. Helmut Schreiner gibt dann die Verantwortung an seinen Nachfolger Matthias Ludolph ab. Unter Schreiner hat das Frobenius-Gymnasium, das 2019 seine 350-jährige Tradition feiert, Neues ausprobiert.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an ihre Schulzeit?

Helmut Schreiner: Im Nachhinein muss ich feststellen, dass wir ganz viele junge Lehrer hatten. Viele, die ich zu meinen Lehrern zählte, gehörten 30 Jahre später zu meinen Kollegen. Die Zeit, 1973, war von Erneuerungsgeist und Freiheit geprägt. Das Münnerstädter Modell wurde Vorbild für die Kollegstufe.

Wollten Sie von Anfang an Lehrer werden?

Direkt nach dem Abitur wollte ich Informatik studieren. Damals sagte man uns aber, das sei eine Modeerscheinung, so viele Informatiker würden gar nicht gebraucht, die würden später auf der Straße stehen. So habe ich fürs Lehramt studiert. Dann kam es ganz anders, dann wurden keine Lehrer eingestellt. Dank meiner Erfahrung in der Jugendarbeit, wurde ich Jugendbildungsreferent im Bischöflichen Jugendamt in Würzburg.

Was macht der pädagogische Beruf für Sie aus?

Es bedeutet, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen Kompetenzen und Wissen zu geben und dafür den Rahmen zu gestalten.

Mit welchen Erinnerungen gehen Sie in den Ruhestand?

Ich gehe mit dem Gefühl, viele Dinge initiiert haben zu können. Als ich nach Dienstantritt feststellte, dass mehrere Grundschulen im Einzugsbereich des Frobenius-Gymnasiums Ganztagsangebote hatten, habe ich das mir bekannte Modell des gebundenen Ganztagszugs fürs Gymnasium favorisiert und gemeinsam mit dem Kollegium eingeführt. Es war gut, dass wir uns für die Mittelstufe plus beworben haben, auch wenn es viel organisatorische Arbeit bereitet hat. Ohne die Mittelstufe-plus-Pilotschulen hätte es meiner Meinung nach die Entscheidung für das neue, neunjährige Gymnasium nicht gegeben. Die Mittelstufe plus hat den Elternwillen deutlich gemacht.

Sie organisieren gerne?

Ja, aber nicht im bürokratischen, verwaltungsmäßigen Sinne, sondern als strategisches Planen. Das zukunftsweisende Arbeiten hat mich an meiner Tätigkeit gereizt.

Was hat die Arbeit am Frobenius-Gymnasium für Sie ausgemacht?

Es ist ein sehr offenes und diskussionsfreudiges Kollegium. Es herrscht große Kollegialität und eine Bereitschaft, Neues anzugehen. Als es zum Beispiel im vergangenen Schuljahr ein halbes Jahr lang keinen Stellvertreter in der Schulleitung gab, waren die Kollegen bereit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Auch durch die intensive Mitarbeit am pädagogischen Konzept für die Generalsanierung hat sich die gesamte Schulfamilie ausgezeichnet.

Werden Sie das 350-jährige Jubiläum des Frobenius-Gymnasiums mitfeiern?

Ich werde selbstverständlich die Veranstaltungen besuchen. Ich kann das Jubiläum entspannt mitfeiern, ohne es organisieren zu müssen.

Wie wird das Gymnasium sich in den kommenden Jahren entwickeln?

Die Digitalisierung wird eine große Baustelle. Wir sind dabei, ein Medienkonzept zu erstellen. Die Voraussetzungen müssen aber stimmen. Es muss genug Bandbreite geben und für die Systembetreuung brauchen Schulen Unterstützung von außen. Die Schulen müssen die digitalen Möglichkeiten für die Bildung nutzen. Bildung kann aber nicht nur digital sein: Ohne Lesen nützt ein Tablet nichts. Eine Herausforderung wird es für die Schulen sein, die Entwicklung zu begleiten. Sie müssen entscheiden, was wichtig ist.

Was nehmen Sie sich für den Ruhestand vor?

Ich bin nicht jemand, der alles verplant. Ich werde mir privat Zeit für Dinge nehmen, die zu kurz gekommen sind. Es gibt auch Nachfragen aus dem ehrenamtlichen Bereich.

Was wünschen Sie dem neuen Leitungsteam des Gymnasiums?

Zeit und gute Ideen, die Schule mit den Kollegen weiterzuentwickeln, dabei Eltern und das Kollegium immer einzubinden. Zur Person Helmut Schreiner Schreiner stammt aus Mellrichstadt. Er fuhr täglich mit dem Zug nach Münnerstadt, wo er ab 1965 das Gymnasium besuchte. Später studierte er in Würzburg Mathe und Physik fürs Lehramt.

In Würzburg absolvierte Schreiner auch sein Referendariat. Es folgte ein Zweigschuleinsatz in Oberstdorf. Von 1984 bis 1989 war Schreiner Jugendbildungsreferent am Bischöflichen Jugendamt in Würzburg und studierte daneben Sozialwesen. Danach ging er ans Gymnasium in Bad Königshofen. 2002 wechselte er nach Münnerstadt, wo er ab 2004 ständiger Stellvertreter des Schulleiters wurde. 2010 wurde Schreiner Leiter des Frobenius-Gymnasiums.

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