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Sulzthal
Fasching

Schlaue Schlümpfe und mehr

Sparsame Senioren, singende Schweden: Beim traditionellen Vierteltrinken der Frauen in Sulzthal ging es wieder hoch her. In diesem Jahr hatten die Schlangen-Frauen das Sagen.
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Auftritt der Frauen vom Schlangen-Viertel als Schlümpfe.  Foto: Lisa Keller
Auftritt der Frauen vom Schlangen-Viertel als Schlümpfe. Foto: Lisa Keller
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SulzthalZum Vierteltrinken nach Sulzthal eingeladen zu werden, ist ein bisschen so, als würde man in einen geheimen Club aufgenommen. Denn in die heiligen (Mehrzweck-) Hallen der Sulzthalerinnen wird nur verheirateten Frauen Einlass gewährt. Den Kopf unter der Haube und "Sulzl" im Blut (oder, im Falle der Zugezogenen und Angeheirateten, "im Herzen"), das sind die zwei Bedingungen, die man für eine persönliche Einladung erfüllen muss. Schon am Mittag vor dem Fest geht es hoch her. Gemäß alter Tradition ziehen die Frauen durch die Straßen und rufen ihre Mitbürgerinnen zum Feiern auf. Die Sulzthaler Männer müssen hingegen zuhause bleiben. Nur ausgewählte Ehegatten werden - als Helfer in femininer Kostümierung - auf dem Event geduldet.

Beim Vierteltrinken geht es allerdings nicht (nur) darum, ein paar "Viertel" Wein zu trinken. Namensgebend für die Veranstaltung sind die Dorfviertel, die hier gemeinsam anstoßen. Bug, Hohe Straße, Obertor und Schlange - das sind die Bezirke, in die sich der kleine Ort Sulzthal aufteilt. Jeden zweiten Rosenmontag übernimmt einer der inoffiziellen Ortsteile die Rolle des Gastgebers. In diesem Jahr fiel die Aufgabe den Schlange-Frauen zu. Deren Obrigkeit, angeführt von "Bürgermeisterin" Alexandra Sachs, ihrer Stellvertreterin Petra Heuler und der getreuen Polizeidienerin Martina Keller, eröffneten das Fest mit einer flotten Sohle und Dankesworten an Helfer und Gäste.

170 Frauen feierten mit

Doch nicht nur die Tatsache, dass etwa 170 Frauen den Weg in die Halle gefunden hatten, war ein Grund zum Feiern. Auch das 60-jährige Jubiläum des Schlangenviertels bot Anlass für einen Trinkspruch. 1960 ersetzte es das damalige Viertel "Untertor". Eine Neugestaltung der Dorfviertel wäre auch jetzt wieder angebracht, bemerkte die 1. Bürgermeisterin des Bug-Viertels, Sandra Tremer, in ihrer Bütt. "Ihr könnt ja aus den Vollen schöpf, ihr habt ja genug Köpf", sagte sie in Hinblick auf die Neuwahlen der Viertelobrigkeiten. Während die Hohe Straße durch das Sulzthaler Neubaugebiet jede Menge Nachwuchs hinzugewinnt, sähe es in ihrem eigenen Viertel im alten Ortskern eher mager aus. Nichtsdestotrotz boten die Bug-Frauen mit ihrem Sketch über ein Altersheim in der früheren Kinderbewahrungsanstalt, die heute ein beliebter Treffpunkt für Stammtischgespräche ist, eine super Show. Getreu dem Leitspruch "Was nützt das Geld im Altersheim bei Apfelsaft und Haferschleim?" wurde gezeigt, wie die "Bug-Anstalts-WG" ihr Pflege-Budget in Bier investiert. Auch wenn das bedeutet, dass sich die Senioren einen einzigen Waschlappen oder eine Zahnbürste teilen müssen. Das Publikum brüllte vor Lachen.

Schlaghosen und ABBA-Musik

Die Obrigkeit der Hohen Straße nahm in ihrer Bütt Bezug auf die "Fridays for Future"-Demonstrationen. Die jungen Menschen würden damit wirklich etwas bewegen, lobte die 1. Bürgermeisterin Ruth Geißler, und forderte ihrerseits einen "Dunnerschdich für Damen". Die Frauen könnten sich zu einem "Chill-Tag" oder zum Kaffeetrinken in der örtlichen Bäckerei verabreden, während die Männer zuhause kochen und die Kinder sich um die Wäsche kümmern. Der Vorschlag stieß auf allgemeine Zustimmung. Für noch mehr gute Laune sorgte dann die Showeinlage der Hohen Straße: Wirbelnde Schlaghosen und zum Leben erwachte Discokugeln begleiteten täuschend echte Doubles durch die größten ABBA-Hits.

Sichtlich pikiert war dann allerdings Pippi Langstrumpf, dargestellt von Ines Neder, die den Auftritt des Obertor-Viertels anführte. Als sie die schwedische Hit-Musik vernommen hatte, habe sie bei ihrem Heißluftballon über Sulzthal "die Bröms neighabe". Sie hatte doch extra die Original-Band aus ihrer Heimat mitgebracht, wie konnte man ihr da solche "billigen ABBA-Doubles" vorsetzen? Die Akteurinnen aus dem Obertor brachten daraufhin ihrerseits das Publikum mit ABBA-Impressionen zum Klatschen. Dass zwei Viertel dasselbe Thema in ihren Showeinlagen behandelten, war bei der traditionsreichen Veranstaltung noch nie zuvor vorgekommen, das schworen selbst die ältesten und erfahrensten Vierttrinkerinnen.

Die strenge Geheimhaltung bei den Vorbereitungen, sorgte an diesem Abend für die ungeplante Dopplung. Die Aktiven und die Zuschauerinnen nahmen es allerdings mit Humor, was wohl nicht zuletzt am Ganzkörpereinsatz von Marga Tremer (als Benny Andersson) am Klavier gelegen haben dürfte. Zum Schluss war es an den Gastgebern aus der Schlange sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Als blaue Schlümpfe betraten sie gemeinsam mit Vater Abraham die Bühne und tanzten eine Choreographie, die gekonnt Gardetanz und Akrobatik kombinierte. Während die Schlangen-Frauen ihr Publikum in Staunen versetzten, wurden vorsorglich die Türen zum Saal verriegelt, um Fluchtversuche vor der anschließend Neuwahl der Schlangen-Obrigkeit zu vereiteln. Nach alter Manier krönten die amtierenden Bürgermeisterinnen sowie die Polizeidienerin ihre Nachfolgerinnen mit reichverzierten Hüten.

Die nächsten acht Jahre führen Christina Eichmann (1. Bürgermeisterin), Astrid Tremer (2. Bürgermeisterin) und Alexandra Büttner-Fritz (Polizeidienerin) das Schlangen-Viertel an.

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