Im Halb-Stunden-Takt kamen am Samstag die Pilgergruppen an der Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" in Retzbach an. Darunter sind auch die "Wall-Leut" aus Fuchsstadt, Thulba und Sulzthal. Hunderte Fuß-Wallfahrer ziehen nach zum Teil mehr als 40 Kilometern Fußweg in die Kirche ein und beten im Anschluss einen Kreuzweg am Berg hinter der Kirche. Darunter ist seit 36 Jahren auch jedes Jahr Erhard Tremer: Der 55-Jährige gibt den Takt der Sulzthaler Pilger vor.

92 Wallfahrer machten sich am Samstagmorgen um 5.30 Uhr auf den Weg nach Retzbach: knapp 38 Kilometer hin, am Sonntag wieder zurück. Unterwegs schlossen sich noch weitere Gläubige dem Zug an. Allen voran marschiert bereits seit 36 Jahren Erhard Tremer: "Das ist für mich der Höhepunkt des Jahres", erzählt der gebürtige Sulzthaler.

"Da wird alles andere zurückgestellt, da gibt es einfach nichts anderes", sagt Erhard Tremer über die Wallfahrt nach Retzbach. Immer am ersten September-Wochenende ist er zur Stelle: In der Sulzthaler Kirche nimmt er das Marienbild aus dem Ständer und gibt es bis Retzbach nicht wieder aus der Hand. Nur im ersten Jahr teilte er sich den Dienst noch mit Josef Diez. Bereits ab dem zweiten Jahr war er jedoch ganz alleine für das rund vier Kilogramm schwere Holzrelief mit einer Marienfigur auf der einen und einer Kreuzigungsszene auf der anderen Seite zuständig.

Niemand darf überholen

Der 55-Jährige muss nicht nur den Weg durch Wasserlosen, Wülfershausen, Burghausen, Altbessingen, Heugrumbach und den Gramschatzer Wald genau kennen, er gibt auch das Tempo vor: Als Taktgeber sorgt er dafür, dass die Sulzthaler pünktlich ankommen, denn kurz nach ihnen wollen bereits die Pilger aus Thulba in die Kirche einziehen. Macht er einmal langsam, damit Nachzügler aufholen, darf ihn niemand überholen: Falls jemand ohne driftigen Grund vor dem Marienbild marschiert, muss er am Abend drei Flaschen Wein ausgeben, so die alte Tradition.

"Ich bin froh, dass nie etwas dazwischen gekommen ist", freut sich Erhard Tremer, dass er seit 1979 jedes Jahr dabei ist. Einmal habe er sich kurz nach der Wallfahrt den Arm gebrochen: "Zum Glück erst Ende September", scherzt er, dass der Armbruch vor der Wallfahrt ein größerer Beinbruch gewesen wäre. Und auch die kommenden Jahre möchte er das Marienbild voran tragen: "Ich will die 50 voll machen", lautet seine Ansage.

Speziell einlaufen muss sich der Taktgeber vor den zwei Mal 38 Kilometern nicht: "Ich bin in meinem Beruf ja den ganzen Tag auf den Beinen", sagt der gelernte Maurer. Und auch die vier Kilogramm Marienbild sind weniger als er sonst oft hebt. "Ich hatte noch nie Probleme", fällt ihm das Laufen leicht. Spezielle Tipps für neue Wallfahrer hat er deshalb auch kaum, nur: "Dicke Socken sind wichtig." Und ein gutes Frühstück: Vor der Wallfahrt steht Erhard Tremer mit seiner Frau Birgit immer schon um 4 Uhr auf, um nach einem Frühstück und gut vorbereitet pünktlich um 5.30 Uhr in der Kirche zum Anfangssegen zu sein.


Die Retzbacher Wallfahrten:

Motto Die Wallfahrten zur Kirche "Maria im Grünen Tal" in Retzbach stehen heuer unter dem Motto "Gemeinschaft im Glauben". Höhepunkt des Wallfahrtsjahres sind die ersten drei September-Wochenenden.

Mariä Geburt Zum Fest "Mariä Geburt" kommen am ersten September-Wochenende Pilgergruppen aus Kaisten, Thulba, Wülfershausen, Sulzthal, Fuchsstadt, Umpfenbach, Bad Königshofen und Umgebung, Mackenzell, Versbach und Duttenbrunn. Höhepunkt ist am Samstag immer eine Lichterprozession.

Mariä Namen Zum Fest Mariä Namen am zweiten September-Woochende kommen Gruppen aus Wüstenzell, Wasserlosen, Schwemmelsbach, Kürnach, Schwanfeld, Stammheim, Neubrunn, Bergtheim, Heßlar, Hettstadt, Binsfeld, Halsheim, Marbach, Müdesheim und Reuchelheim.

Mariä Schmerz Das Thema zum Fest Mariä Schmerz am dritten September-Wochenende lautet "Die Weltkirche als Glaubensgemeinschaft". Erwartet werden die Pilger aus Schwebenried, Oerlenbach und Umgebung, Rieneck, Greußenheim, Güntersleben und Thüngersheim.

Weitere Termine Weitere Wallfahrtstage sind am Samstag, 27. September, um 15 Uhr mit der ökumenischen Wallfahrt der Diözesen Fulda und Würzburg, am Dienstag, 7. Oktober, der Wallfahrtstag für kranke und ältere Menschen. Sowie der "Tag der Wallfahrtsorte" am Sonntag, 12. Oktober. Infos unter www.retzbach.bistum-wuerzburg.de