Machtilshausen
Natur

Restaurierung einer alten Weinbergsmauer in Machtilshausen

Alte Trockenmauern erinnern daran, wo überall im Saaletal einst Weinbau die Hänge prägte. Heute können sie Tieren Lebensraum bieten.
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Norbert Zier und Roland Lenhart (vorne) sowie Gerry Ackerl und Jasmin Fidyka (hinten) sprechen über die restaurierte Mauer.Foto: Arkadius Guzy
Norbert Zier und Roland Lenhart (vorne) sowie Gerry Ackerl und Jasmin Fidyka (hinten) sprechen über die restaurierte Mauer.Foto: Arkadius Guzy
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Ein Hausrotschwänzchen hat die Steinmauer bereits für sich entdeckt. Der ursprünglich in Steinhöhlen brütende Vogel flattert vorbei, um einen ausreichend großen Spalt zwischen den Steinquadern auszukundschaften. Auch einige Insekten schwirren umher. Die Natur nimmt sich schnell ihren neuen Lebensraum in Beschlag, wie Jasmin Fidyka andeutet.

Der neue Lebensraum ist eine etwa 40 Meter lange und etwa 1,80 Meter hohe Trockenmauer im Naturschutzgebiet "Trockengebiete bei Machtilshausen". Sie ist Teil des Grüngitter-Insektenschutzprojekts im Landkreis, für das Fidyka als Projektmanagerin verantwortlich ist.

Die Mauer führt über zwei Grundstücke mit Streuobstbäumen. Sie war teilweise verfallen. Die beiden Grundstückseigentümer, Gerry Ackerl und Norbert Zier, taten sich zusammen, um sie wieder aufzubauen. Roland Lenhart von der Naturschutzbehörde am Landratsamt organisierte das Vorhaben mit. Lenhart hat im Laufe seines Dienstlebens, das nun zu Ende geht, bei der Restaurierung von etwa 2000 Quadratmetern Trockenmauern mitgewirkt, wie er erklärt.

Die Trockenmauern haben "kulturhistorische Bedeutung", sagt er. Die Mauern waren einst Teil von Weinbergen. Sie wurden errichtet um die Anlagen zum Beispiel zu stützen. Viele der Lagen im Saaletal wurden im Laufe der Zeit aufgegeben. Die Hänge waren zu mühsam zu bewirtschaften. Die Weinberge verwandelten sich in Streuobstwiesen. Die Mauern verfielen oder wurden abgetragen, sind dennoch bis heute an vielen Stellen in der Landschaft sichtbar.

Etwa einen Monat bauten Ackerl und Zier an ihrer Mauer. Sie legten die Reste frei und richteten die Mauer neu auf. Zier, der früher auf dem Bau arbeitete, half mit seinem Radlader aus. Ackerl widmete einen Teil seiner Elternzeit. Daher war die Mauer in einem Monat relativ schnell restauriert.

Die alten Steine fügen sich zwischen die neuen ein. "Je heterogener das Gefüge ist, desto besser", sagt Fidyka. Denn so stelle die Trockenmauer mit ihren Hohlräumen Lebensraum und Unterschlupf für verschiedene Lebewesen bereit. Vorgelagert soll noch eine ungefähr zwölf Meter breite Blühwiese angelegt werden, um zusätzlichen Lebensraum für Insekten zu schaffen.

Er hoffe, dass das Vorhaben viele Nachahmer finde, erklärt Lenhart. In Machtilshausen zumindest haben Ackerl und Zier mit ihrer Arbeit viel Aufmerksamkeit erlebt - auch wenn nicht immer gleich alle davon überzeugt sind, wie beide von ihren Erfahrungen berichten. Die Mauer liegt in einem beliebten Gebiet für Wanderer und Spaziergänger und ist gut auszumachen. Reste weiterer Weinbergsmauern sind dort zu finden.

In der Nähe soll demnächst ein Kalkbrennofenweg ausgewiesen werden. Bei der Gelegenheit soll eine weitere Mauer restauriert werden. Wer ebenfalls Mauern in der Landschaft erhalten will, kann sich bei Fidyka im Landratsamt in Bad Kissingen melden. Gefragt sind aber auch Leute, die andere Landschaftselemente anlegen wollen. Fidyka nennt Einzelhecken als Beispiel. Für das Projekt Grüngitter wird außerdem ein Acker gesucht. Dann könnten auf einer größeren Einzelfläche Wildkräuter angesät werden.

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