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Hammelburg
Portrait

Praktiker greift nach Chef-Sessel

SPD-Kandidat Norbert Schaub (47) fordert den Amtsinhaber heraus. Der Fraktionssprecher im Stadtrat sieht die Stadt auf einem guten Weg, fordert aber mehr Bürgernähe und wirbt um mehr Begeisterung für Kommunalpolitik.
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Das Bürgerspital hat sich Norbert Schaub als Motiv ausgesucht: Der SPDler kämpft dafür, dass das Seniorenheim erhalten bleibt. Foto: Ralf Ruppert
Das Bürgerspital hat sich Norbert Schaub als Motiv ausgesucht: Der SPDler kämpft dafür, dass das Seniorenheim erhalten bleibt. Foto: Ralf Ruppert

Norbert Schaub sieht es sportlich: "Es gibt keinen Wahlkampf, ich mache nur ein Angebot", kommentiert der 47-jährige seine Kandidatur ums Amt des Hammelburger Bürgermeisters. 2018 kandidierte der Westheimer bereits für den Landtag, als SPD-Kreisvorsitzender hätte er auch Landrat Thomas Bold herausfordern können. Im vergangenen Sommer habe er sich dann aber entschieden, gegen den Hammelburger CSU-Bürgermeister Armin Warmuth anzutreten: "Ich finde es wichtig, dass es in der Stadt Hammelburg eine echte Auswahl gibt", begründet der SPDler seine Entscheidung.

"Es geht mir darum, Bürger für Politik zu begeistern", nennt Norbert Schaub als sein Hauptanliegen. Als Sprecher der SPD-Fraktion im Hammelburger Stadtrat sei er oft enttäuscht vom Interesse der Bürger: "Wir haben 2019 einen Haushalt mit 25 Millionen Euro beraten, und der Zuschauerraum war leer", nennt er als Beispiel. Deshalb schlägt er Bürger-Haushalte für alle Stadtteile vor, für die Kernstadt sogar für drei Teilbereiche jeweils einzeln. "Dann könnten die Menschen selbst entscheiden, was bei ihnen vor Ort investiert werden soll", fasst Schaub die Idee zusammen. Zwischen 30 000 und 50 000 Euro könnten so verplant werden, das sei nur ein kleiner Teil des Gesamt-Haushalts, würde aber nach Schaubs Überzeugung "die Bürger mitnehmen". Ob das Geld dann in ein städtisches Gebäude oder den Spielplatz des Stadtteils fließe, würde der Stadtrat nur noch formal bestätigen.

Mehr Bürgernähe wünscht sich Schaub auch bei allen anderen Investitionen: "Mir fehlt eine Projektliste mit allen beschlossenen Themen", bemängelt der SPD-Fraktionssprecher. Der Finanzplan im Haushalt reiche nicht: Die Bürger sollten genau wissen, wann das Bürgerhaus gebaut wird, wann welche Ortsstraßen saniert oder Spielplätze auf Vordermann gebracht werden. Apropos Bürgerhaus: Obwohl er mehrfach gegen das Bürgerhaus in der jetzigen Form gestimmt habe, würde er das Konzept im Falle seiner Wahl so umsetzen: "Ich habe mich demokratischen Beschlüssen zu stellen", sagt Schaub. Trotzdem erachtet er es bis heute als Fehler, dass die Bürger zu wenig in die Planungen einbezogen wurden oder die Stadt sich für den Bauantrag zum Bürgerhaus selbst eine Befreiung von der eigenen Sanierungssatzung erteilte.

Bis heute "überrumpelt" fühlt er sich von der vorschnellen Ankündigung 2015, dass das Bürgerspital geschlossen werden muss. Es sei ihm bis heute eine "Herzensangelegenheit", dass das Bürgerspital als Pflegeeinrichtung möglichst lange erhalten bleibt. Bei Terminen dort, wie dem Verteilen von Blumen am Valentinstag, höre er auch immer wieder von Bewohnern, wie zufrieden sie mit ihrem Bürgerspital sind. Deshalb fordert er eine Verlängerung der Betriebserlaubnis bis mindestens 2036 oder sogar die Total-Befreiung von gesetzlichen Einschränkungen.

Wichtig sei ihm auch eine bürgerfreundliche Verwaltung: "Es geht nicht um die Mitarbeiter, sondern um die Abläufe", stellt er jedoch auf Nachfrage klar: Mehr Digitalisierung und eine Servicestelle Ehrenamt würden aus Schaubs Sicht mehr Bürgernähe bringen. Für Touristen und Einwohner regt er zudem eine Hammelburg-App und eine Initiative "Hammelburger entdecken Hammelburg" an. An konkreten Projekten nennt Schaub neben Kupsch-Gebäude und Verkehrskonzept (siehe Interview unten) auch die Entwicklung des Bleichrasens samt Sanitärgebäude und Saalestrand sowie ein Klimaschutz-Konzept.

Drei Fragen an Norbert Schaub

Schul-Campus, Bauhof, Wohngebiete: Wie sehen Sie die bauliche Entwicklung der Kernstadt und der Stadtteile in den kommenden sechs Jahren?

Norbert Schaub: Die aktuell beschlossenen Maßnahmen gilt es gemeinsam anzugehen und umzusetzen. Jedoch hat die Stadt Hammelburg auch eine Verantwortung zu ihren eigenen Gebäuden. Dazu zählt die "Alte Volksschule" in Hammelburg, für die es Lösungen ohne einen Verkauf zu erarbeiten gilt. Gleichzeitig bedarf es, das im städtischen Besitz befindliche "Kupsch-Gebäude" zu entwickeln. Für unsere Ortsteile werden Lösungen für den Innenbereich, aber auch für den Außenbereich in der Bauplatzentwicklung benötigt.

Der Verkehr vor allem in der Kernstadt wird aktuell diskutiert: Wie stellen Sie sich die Mobilität der Zukunft insgesamt in der Kommune vor?

Aufgrund unserer ländlichen Region werden wir ohne den Individualverkehr nicht auskommen. Gleichberechtigung für alle Mobilitätspartner ist dabei ein wichtiges Thema. Sperrung von Straßen ist für mich keine zielführende Maßnahme, sondern eine Umsetzung von intelligenten Einbahnstraßenregelungen. Vorhandene Belastungen gerecht verteilen.

Was würden Sie im Falle einer Wahl zum Bürgermeister der Stadt Hammelburg als erstes anpacken?

Als wichtigste Maßnahme sehe ich den Erhalt des Bürgerspitals als attraktive und lebenswerte innerstädtische Pflegeeinrichtung in seiner aktuellen Form als unser "soziales Herz" von Hammelburg im weiteren Besitz der Bürgerspitalstiftung. Des weiteren die Entwicklung des "Kupsch-Gebäudes" mit einer innerstädtischen fußläufigen Einkaufsmöglichkeit über sogenannte City-Konzepte mit altersgerechten Wohn- und Lebensformen. Getreu meinem Motto möchte ich eine transparente, bürgeroffene und bürgernahe Politik betreiben, damit wir gemeinsam unsere Stadt mit seinen Ortsteilen wirtschaftlich erfolgreich, sozial gerecht und ökologisch verantwortbar weiterentwickeln.

Zur Person

Privat Norbert Schaub wurde 1972 in Bad Kissingen geboren, ist verheiratet, hat zwei Söhne und wohnt im Hammelburger Stadtteil Westheim.

Beruf Nach der Mittleren Reife hat Schaub Metallbauer, Fachrichtung Konstruktion, gelernt. Bei der Lebenshilfe Schweinfurt leitet er in der Werkstatt Sennfeld die Bereiche Lohnfertigung, Schlosserei, Lager und Logistik. Seit 2014 ist der 47-Jährige Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Interessen Schaub spielt seit zehn Jahren bei der Partyband "Frankenfieber" Schlagzeug und Bass. Er ist Mitglied in zahlreichen Vereinen, unter anderem fungiert er als stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Vereinsrings. Seit 2010 gehört er der SPD an, sieben Jahre lang war er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hammelburg, 2018 wurde er zum Kreisvorsitzenden gewählt. Bei der jüngsten Landtagswahl ging er als Di rektkandidat ins Rennen.rr

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