Trimberg
Auftritt

Poesie auf der Trimburg

Die "Nacht der Poesie" nimmt eine Sonderstellung unter den Veranstaltungen auf der Trimburg ein. Hier verbindet sich Lyrik mit abendlichem Zauber.
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Christine Hadulla und Peter Hub gelingt eine eindrückliche Inszenierung der "Nacht der Poesie".Foto: Winfried Ehling
Christine Hadulla und Peter Hub gelingt eine eindrückliche Inszenierung der "Nacht der Poesie".Foto: Winfried Ehling
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Vor einem Dutzend Jahren mit dem Schauspieler und Rezitator Rudolf Herget begründet, erfreut sich die "Nacht der Poesie" immer noch großen Zuspruchs bei Liebhabern von Poesie, Prosa und Philosophie. Das Erbe des verstorbenen "Erzählers der Nacht" übernehmen seit fünf Jahren die Schauspieler der Disharmonie Schweinfurt, Christine Hadulla und Peter Hub.

Was ist das für ein seltsames Völkchen, das bei Sonnenuntergang mit Gartenklappstühlen, Decken, Schlafsäcken und sogar einem Teppich dem Burggraben der Trimburg zustrebt? Sie sitzen und liegen im Gras, ein Glas Wein oder ein Bier mit einer Brezen neben sich. "Ich mag die Gedichte, die Zitate, das Lyrische und Besinnliche in dieser Atmosphäre", erklärt eine Zuhörerin aus dem Landkreis. Das trifft die Meinung der meisten Zuhörer. Dazu spendet die Abendsonne ihre letzten Strahlen.

Hadulla und Hub drücken der Augustnacht ihren eigenen Stempel auf. Im Gegensatz zu Herget, der sich an klassische Literatur hielt, lockern die beiden Schweinfurter das Repertoire mit humorigen und lustigen Versen auf, zum Beispiel von Wilhelm Busch oder Joachim Ringelnatz, mit Fabeln und mit Geschichten über Liebe und Beziehungen und natürlich über die Sterne am Firmament. Wer Glück hat, erblickt dabei sogar eine verspätete Sternschnuppe aus den Perseiden.

Der stellvertretende Vorsitzende der "Freunde der Trimburg", Matthias Schiebl, begrüßt die rund 250 Besucher. Sein Dank gilt den Helfern im Vorfeld und besonders den Rezitatoren, die die Tradition der "Nacht der Poesie" am Leben halten.

Schiebl rät zum Genießen und Lauschen - auch in sich selbst hinein. Vor einem Jahrtausend, als die Trimburg erbaut war, mögen es wohl Minnesänger oder Botschafter gewesen sein, die hier ihre Zuhöre fanden, vermutet er.

In den gefühlvollen Liebesgedichten der Vortragenden schimmert gelegentlich der Spott aus Lebensweisheiten und Erfahrungen durch. Ein Beispiel ist das Gedicht "Komm, wir gehen Sterne pflücken" von Miriam Frances, das die gleichzeitige Liebesbeziehung zu mehreren Partnern herausstellt - mit Wissen und Akzeptanz aller. "Komm, wir gehen Sterne pflücken, schnell, bevor der Tag erwacht, balancieren auf dem Rücken dreier Worte durch die Nacht."

Zwei Singulare sind eben noch kein Plural, wie sich Hadulla sicher ist. Alle Frauen auf den Mond zu schießen und alle Männer auf den Mars und jedem ein Fernglas in die Hand zu drücken, sagt Hadulla, dürfte allerdings auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Bemerkenswert ist die Aufnahme indianischer Philosophie in die "Nacht der Poesie". Neben verschiedenen Weisheiten, Normen und Gesetzen der Ureinwohner Amerikas zitiert das Duo den Versuch des damaligen US-Präsidenten, im Jahr 1855 den Indianern Land abzukaufen. Die denkwürdige Antwort von Häuptling Seattle hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren und wird sie wohl bis ans Ende der Zeiten haben. Sie lautete sinngemäß: Wie können wir Land verkaufen, das uns nicht gehört. Weder das Wasser noch das Gras noch der Wald ist unser Besitz. Wenn wir euch Land verkaufen, müsst ihr es heilig halten, die Flüsse, die Tiere, die Luft, die Erde, alles ist miteinander verbunden. Die Erde gehört nicht dem Menschen, sondern der Mensch gehört der Erde. Die Erde zu verletzen, heißt den Schöpfer zu verachten und unser Gott ist derselbe.

Der literarische Abend mündet in Applaus und der Fast-Vollmond verlockt zum Verweilen in den historischen Mauern - zum In-sich-Hineinhören und zum Nachdenken über die verklungenen Worte.

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