Langendorf
Geschichte

Pfarrhof in Langendorf ist jetzt Denkmal

Früher war Langendorf das kirchliche Zentrum für Elfershausen und weitere Orte. Davon erzählt der historische Pfarrhof.
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Gemeindereferentin Monika Hufnagel, Volker Partsch und Kreisheimatpfleger Roland Heinlein blicken auf das Pfarrhaus.Foto: Arkadius Guzy
Gemeindereferentin Monika Hufnagel, Volker Partsch und Kreisheimatpfleger Roland Heinlein blicken auf das Pfarrhaus.Foto: Arkadius Guzy
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Früher lebte ein Pfarrer von den Pfründen, die mit dem kirchlichen Amt verbunden waren - also dem Ertrag aus der Bewirtschaftung der zugehörigen Flächen, der Haltung von Kühen und Schweinen. Das prägte auch die Gestalt des Pfarrsitzes. Der Pfarrhof in Langendorf erzählt davon, wie das Glaubensleben auf dem Dorf in früheren Jahrhunderten strukturiert war.

"Es ist ein klassischer Pfarrhof", sagt Roland Heinlein. Der Kreisheimatpfleger bescheinigt dem baulichen Ensemble in Langendorf einen Seltenheitswert. Der Pfarrhof besteht aus dem Pfarrhaus, einem Stall mit Originalsteinboden und einem alten Futtertrog, einer Scheune, einer großzügigen Gartenfläche sowie einer Mauer mit Portal, die alles umgibt.

Das Ensemble ist seit Kurzem in die Denkmalliste eingetragen. Die Sache in Gang gebracht hatte Volker Partsch. Er informierte den Kreisheimatpfleger, dass ein Stück der Mauer einsturzgefährdet sei. Denn es ist deutlich zu sehen, dass sie sich durchbiegt. Die Kirchengemeinde will die Mauer im unteren Teil neu gründen und den sichtbaren Teil neu aufrichten. Auch das Torportal zeigt Behandlungsbedarf.

Damit stellte sich die Frage nach Fördermöglichkeiten und dem Denkmalcharakter. Der Pfarrhof stand bis dahin aber nicht in der Denkmalliste. Heinlein stellte Materialien zur Geschichte zusammen und schrieb das Landesamt für Denkmalpflege an. Da noch die alte Hofstruktur mit Pfarrhaus und Nebengebäuden erhalten ist, wurde die Aufnahme des ganzen Pfarrhofs überprüft. Nach einem Ortstermin folgte schließlich die Eintragung.

Partsch räumt ein, dass es Diskussionen gab, ob das für den gesamten Pfarrhof sinnvoll sei. Doch wie er erklärt, konnte das Landesamt die Bedenken zerstreuen.

Langendorf war eine Urpfarrei, sagt Heinlein. Die Kirchengeschichte reicht 1000 Jahre zurück. Der Pfarrhof stammt laut Heinlein aus der Zeit Ende des 17. Jahrhunderts. Heute Teil der Pfarreiengemeinschaft Saalekreuz mit dem Pfarrsitz in Elfershausen, war Langendorf einst nicht nur für Elfershausen das Zentrum des dörflichen Glaubenslebens: Heinlein zählt auch Fuchsstadt, Machtilshausen, Westheim und Feuerthal als zugehörige Gemeinden auf.

Das Rundbogenportal mit Pforte ist etwas jünger. Der Schlussstein trägt die Jahreszahl 1769. Das heutige Pfarrhaus wurde laut Denkmalliste um 1914 gebaut - Heinlein spricht von 1912 - und weist nicht nur außen, zum Beispiel um die Fenster, einige besondere Gestaltungselemente auf. Im Inneren fallen die Decke mit kassettenartigen Vertiefungen im Eingangsbereich und die Treppe auf.

Vor ungefähr 20 Jahren, damals war Partsch Kirchenpfleger, musste die Pfarrgemeinde überlegen, was nach dem Wegfall der Pfarrstelle mit dem Pfarrhaus passiert. Es entstand ein mehrteiliges Nutzungskonzept: Die Diözese und die Kirchengemeinde investierten in einen Umbau. Außerdem gab es Förderung für die umwelttechnische Modernisierung.

Im Erdgeschoss entstand ein Raum für die katholische Bücherei. Es gibt ein Pfarrbüro, in dem Gemeindereferentin Monika Hufnagel sitzt, eine Küche und einen Besprechungsraum für etwa 30 Personen. Im Obergeschoss entstanden zwei Wohnungen, die seitdem durchgängig vermietet sind, wie Partsch erklärt.

Es gibt eine Pelletheizung im alten Keller, Regenwassernutzung sowie Fotovoltaik- und Solartechnik. Für den Nachhaltigkeitsgedanken ist das Gebäude von kirchlicher Seite ausgezeichnet worden.

Die große Gartenfläche wird von Nachbarskindern zum Spielen genutzt. Dafür wird sie von den Nachbarn gemäht. Außerdem finden auf dem Gelände die Pfarrfeste oder das Ferienprogramm statt. Der Bauerngarten - früher wohl eine eher barock anmutende Gestaltung - liefert unter anderem den Blumenschmuck für die Kirche.

Im Garten sind auch Teile eines alten Bildstocks, der vor Jahren für den Straßenneubau weichen musste, aufgestellt worden. Mit Holz aus dem Wald, der wie einige Feldflächen immer noch zu den kirchlichen Pfründen beziehungsweise der kirchlichen Pfründestiftung gehört, wurde vor einigen Jahren das Dach der Scheune neu gelattet. Ebenfalls mit ehrenamtlichem Einsatz wurde einmal das Tor hergerichtet. Partsch sagt: "Wenn es um die Kirche geht, hält man im Ort zusammen." Für die nun anstehende Restaurierung des etwa zwölf Meter langen Stücks der Pfarrhof-Mauer laufen derzeit die Überlegungen an.

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