Hammelburg
Hobby-Schäferei

Osterlämmer beleben das Fest

Von der Arbeit mit Zahlen erholt sich Steuerberaterin Sigrid Beyrichen auf der Koppel. Mit einem durch verbissene Tierschützer verbreiteten Vorurteil will die Naturliebhaberin aufräumen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Lotte mit ihren Drillingen Liv, Luzifer und Leyla sehen zum Knuddeln aus. Foto: Wolfgang Dünnebier
Lotte mit ihren Drillingen Liv, Luzifer und Leyla sehen zum Knuddeln aus. Foto: Wolfgang Dünnebier
+1 Bild

Was für ein Osterfest: 15 Lämmer mit ihren zehn Muttertieren springen lebhaft im Pferch auf der Koppel nahe eines Hammelburger Stadtteils. Sigrid Beyrichen kann das Glück auf der weiten Wiese zwischen sanften Hängen kaum fassen. "Damit war nicht zu rechnen", sagt sie zu dem Schwung an jungen Osterlämmern, die Tag für Tag sicherer auf den Beinen stehen.

Das älteste Schaf unter dem aktuellen Nachwuchs heißt Uli. Es ist drei Wochen alt und so gut genährt, dass die Hobby-Schäferin es für ein Foto kaum noch auf den Arm nehmen kann. Das Besondere an der Freiland-Aufzucht: Es handelt sich um Walliser Schafe. Sie gefallen durch ihre gewundenen Hörner und kratzige Wolle.

Mit drei weiblichen Tieren (Auen) und einem Bock hatte Sigrid Beyrichen 2014 angefangen. Inzwischen ist der Bestand auf 14 Auen und sechs Böcke angewachsen. Mit ihrer Leidenschaft liegt sie im Trend.

"Der Bestand an Hobby-Schafhaltungen im Landkreis nimmt zu", bestätigt Lena Pfister am Landratsamt. Waren im Jahr 2010 noch 288 Schafhaltungen gemeldet, so stieg die Zahl 2018 auf 340. 28 Betriebe davon umfassen mehr als 50 Schafe. Allerdings gibt es zur Interpretation der Zahlen eine leichte Einschränkung. Nicht allen sei die Meldepflicht bewusst, und nicht immer werde die altersbedingte Aufgabe einer Haltung mitgeteilt.

Unter den Schafarten erfreuen sich die Walliser in der Region steigender Beliebtheit, weiß Sigrid Beyrichen. "Die kommen fast alleine zurecht", freut sie sich über die Pflegeleichtigkeit ihrer Tiere, um die sie sich zusammen mit ihrem Lebensgefährten kümmert. Das ganze Jahr über leben die Schafe mit Schweizer Abstammung im Freien. Auch bei strengem Frost liegen sie gerne im Gras, geschützt von einem dicken Fell. Es steht bei den Alttieren demnächst wieder die Schur an. Den Unterstand nutzen die Tiere eher im Sommer, wenn die Sonne runterknallt. Da wird es den Wallisern schnell heiß. Ihre Lämmer bringen die Walliser ganz alleine zur Welt.

Lebende Rasenmäher sind gefragt

Der Trend zur Schafhaltung hat mehrere Gründe. Die Tiere halten die Wiesen kurz und taugen auch zur Landschaftspflege. "Es kommen immer mal wieder Anfragen", sagt Sigrid Beyrichen. Einen lebenden Rasenmäher verleiht sie schon mal, bei der Landschaftspflege in größerem Stil will sie dagegen nicht in die Konkurrenz zu professionellen Schäfern treten.

Und dann gibt es da noch einen Aspekt: "Walliser sollen ganz gut schmecken", weiß Beyrichen. Aber ihr Lebensgefährte und sie hätten noch keines der Schafe verzehrt. Bisher kam der Nachwuchs meist bei anderen Hobbyschäfern unter, einer der älteren Vierbeiner ist jetzt in einem Streichelzoo. Die Schäferin bedauert es, dass sie keine Zeit hat, mehr aus der Wolle zu machen. Die überlässt sie dem Schäfer, der zur Schur kommt.

Neben den Schafen kümmert sie sich auch um vier Pferde und die gleiche Zahl an Alpakas im nahe gelegenen Außenstall. Im Winter vergeht morgens samt Fütterung eine Stunde, bis alle versorgt sind.

Auch wenn sie ihren Schafen Namen gibt, vertritt sie eine klare Meinung: "Nutztiere sollen Nutztiere bleiben." Da gehöre in letzter Konsequenz auch der Verzehr dazu.

Besonders liegt es ihr am Herzen, mit einem Vorurteil aufzuräumen, das gerade wieder in den sozialen Netzwerken transportiert wird. "Lasst uns leben", heißt es dort mit herzzerreißenden Aufnahmen von Osterlämmer. Dabei vergreife sich niemand an den Tier-Babys. Zum Verzehr stehen um Ostern geborene Lämmer frühestens nach sechs Monaten an. Aber bis auf Weiteres nicht für Beyrichen. Sie schätzt das Gewusel auf der Koppel aus anderem Grund: "Da schalte ich ab, da tanke ich auf." Die Lage der Koppel will sie indes nicht preisgeben. Zwar hat sie nichts gegen tierliebe Spaziergänger, aber Scharen davon will sie nicht anlocken. Zumal unsachgemäßes Füttern vom Zaun aus die Tiere krank machen kann. Wolfgang Dünnebier

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren