Hammelburg

Narren: Ringen um die Macht im Hammelburger Rathaus

Wie gewonnen, so zerronnen: Geht es nach den Karneval-Genossen, regiert ab sofort Prinzessin Jesika.
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Ungleicher Kampf um den Rathausschlüssel. Der Bürgermeister und eine Handvoll Stadträte hatten keine Chance gegen die bunte Übermacht.
Ungleicher Kampf um den Rathausschlüssel. Der Bürgermeister und eine Handvoll Stadträte hatten keine Chance gegen die bunte Übermacht.
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Das noch im Bau befindliche Rathaus ist als Amtssitz verloren. Bürgermeister Armin Warmuth, der schon Monate in der Etage eines Geschäftshauses residierte und erst vor einigen Tagen endlich in die Treppengiebel-Baustelle einziehen konnte, musste sogleich wieder weichen. Die Narren unter Führung der Hammelburger Karnevals-Gesellschaft (Ha-Ka-Ge) vertrieben ihn und seine Gefolgschaft im Handstreich beim Rathaussturm.

In einer leidenschaftlichen Redeschlacht versuchte der Rathausobere, flankiert von einer Handvoll Stadträten, sein Hausrecht zu verteidigen - doch blieb er chancenlos gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Rebellen. Um ihre Macht zu demonstrieren, sammelten sich die bunten Truppen am Viehmarkt und zogen von dort mit Musik und Fackeln zum Kreisverkehr, den sie lahmlegten, um dann durch die Kissinger Straße auf den Marktplatz zu marschieren.

Abriss soll sofort starten

"Bürgermeister, du hast ab heute frei, für die Regierung haben wir unsere Prinzessin Jesika vom schwarzen Gold dabei", hieß die Kampf-Ansage von Ha-Ka-Ge-Präsident Sebastian Kröckel, der spottend hinzufügte, dass das Projekt "Bürgerhaus" wohl schiefgelaufen sei. Seinen Vorschlag, das vorgesehene Objekt den Narren zu überschreiben, unterstrich er mit drei Kinder-Radladern, die den Abriss gleich vornehmen sollten.

"Ja wenn das so einfach wär, gäbe ich gern das Kaufhaus her. Das Bürgerhaus liegt mir schon sehr am Herzen, wie es weitergeht bereitet mir allerdings Kopfschmerzen", gestand Bürgermeister Warmuth. "Doch bei euren Forderungen wird mir auch recht übel, ich schütte auf euch einen Wasserkübel." Und ein Bonbonregen prasselt auf die Angriffslustigen nieder. Deren Kommandeur konterte: "Halte dich damit lieber zurück, sonst bin ich mit den Meinen gleich eingerückt."

Um seine Überlegenheit zu unterstreichen, stellte der Rädelsführer seine Allianz vor. Der Ha-Ka-Ge standen demnach Blau-Weiß Elfershausen, die Gauaschacher Carnevals-Abteilung (GCA), die Untererthaler Karnevals-Gesellschaft (UKG), der Faschings-Club Selbsthilfe Ebenhausen, die Obererthaler Dorfmusik und die Feuerwehr Hammelburg zur Seite. "Macht euch bereit mit viel Geschrei und holt auch gleich das Dynamit herbei", befahl Kröckel seinen Scharen. Dem Bürgermeister auf der Rathaus-Altane riet er: "Stell ein paar Kisten Hammelburger Wein kalt, den werden wir trinken und zwar schon bald."

Wer bekommt hier kalte Füße?

Beim Klang des Frankenlieds hatten die Karnevalisten leichtes Spiel - zumindest mit den Verteidigern. Das regnerische Wetter mit kaltem Wind sorgte hingegen für blaue Lippen und kalte Füße. Es war ein ungleicher Kampf um den Rathausschlüssel - wie erwartet, behielten die "Fosenöchter" locker die Oberhand. Zuvor hatte Vize-Präsident Sebastian Kleinhenz das alte Kaufhaus besetzt, was den Bürgermeister nicht einschüchterte. Er verwies auf die bisher erreichten Erfolge, das neue Museums-Konzept, den fast geschafften Rathausumbau, die geplante Neugestaltung der Saaleinsel und den Ausbau der Friedhofstraße. Kleinhenz empfahl ihm die Umgestaltung der Bahnhofstraße und die Rückführung des Vereinslokal, das Gasthaus "Zum Hirschen", in ein solches. Eine Debatte um die Stadtkasse ergab sich von selbst - sie war verschwunden. In der Markthalle hinterm Rathaus gestand Warmuth seine Niederlage ein, die durch zu wenige Stadtrats-Verteidiger bedingt sei. Er wies auch darauf hin, dass noch immer die Handwerker tägliche Gäste im Amtssitz sind. "Drum krempelt die Ärmel hoch und spuckt in die Hände. Bringt erst mal die Baustelle hier zu Ende", meinte er. "Fakt ist auch, hier ist nichts mehr zu holen, denn das Bauen verschlang komplett unsere Kohlen", hängte er an. Versöhnliche Töne zum Abschluss: "Die Ha-Ka-Ge ist im ganzen Jahr, ein echter Aktivposten - das ist wahr."

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