Hammelburg
Fasching

Närrische Punktlandung

Exakt um 11.11 Uhr am 11.11. eröffnete die Hammelburger Karnevalsgesellschaft die neue Faschingssession mit einem Rathaussturm und vielen närrischen Gästen.
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Die Rathausverteidiger sind in Stricke gelegt, Hammelburgs Bürgermeister Armin Warmuth und der Stadtrat wurden von der Narrenschar entmachtet.     Winfried Ehling
Die Rathausverteidiger sind in Stricke gelegt, Hammelburgs Bürgermeister Armin Warmuth und der Stadtrat wurden von der Narrenschar entmachtet. Winfried Ehling
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Mit dem Rathaussturm eröffnete die Hammelburger Karnevals-Gesellschaft (HA-KA-GE) die aktuelle Faschingssession. Zwar im Regen dennoch eine "Punktlandung" am 11.11. um 11.11 Uhr, die selbst langjährige Fastnachtstrategen noch nicht erlebten.
Unterstützt von den Narren der Untererthaler Karnevalsgesellschaft, den Gauaschacher Fosenöchtern, der Carnevals-Gesellschaft aus Thüngen und dem "Blau Weiß" Elfershausen schien es ein leichtes Spiel zu sein, den ohnehin durch Umbau schon "sturmreifen" Amtssitz zu erringen. Doch die Verteidiger, Bürgermeister Armin Warmuth und einige Stadträte, wehrten sich vehement gegen den Machtverlust. Auf dem Marktplatz fand sich zudem ein Grüppchen unterm grüngelben Banner. Doch dies waren keine Narren, sondern die Bündnisgrünen mit einem Informationsstand, die die "Jamaika"-Flagge übrigens zu Hause ließen.

Die Jecken, zahlenmäßig weit überlegen, führte Ha-Ka-Ge-Sitzungspräsident Sebastian Kröckel in die heiße Redeschlacht. Er unkte über das Versteck der Mandatsträger: War nun das Verwaltungsgebäude, das Kellereischloss, das ehemalige Kaufhaus oder die ehemalige Frauenarzt-Praxis der aktuelle Amtssitz? "Keiner kennt sich mehr aus, es wäre an der Zeit, dass sich Stadt entscheidet", meinte der Fastnachtsobere.

Warmuth sah vor seiner Tür schon wieder das "lästige Ha-Ka-Ge-Pack", das "ans Moos" wolle. Dabei hätten "die Umbauten erst begonnen und die Stadt nicht im Lotto gewonnen". Der erboste Narren-Chef drohte mit Hieben, wenn die Stadt "die Moneten nicht herausrückt". Der Bauzaun sei keine Hindernis, "wir gehen euch über den Gerüst-Treppenturm an den Kragen", warnte er die Verteidiger.

Angesichts der Schwachstelle in seiner Burg wurde der Bürgermeister kleinlaut und bat den "wilden Sebastian" um Geduld. "Ich will sehen, was ich für euch tun kann, aber es brennt im Moment an allen Ecken", räumte er ein. Allein mit dem Bonbonregen an die jüngsten Narren konnte er den Herausforderer nicht befriedigen.

Auch die erledigten Maßnahmen - der sanierte Viehmarkt, die neue Saalebrücke und das am Vortag eröffnete, umgebaute Museum - waren dem Rädelsführer kein Trost. Denn die Karnevalisten hausen mit ihrem Lager immer noch im alten Kaufhaus und wollen endlich ein eigenes Domizil.

Weil er die Hilfe der Narrenschar schätzt und braucht, ließ Warmuth sich auf die Vorschläge des Ha-Ka-Ge-Wortführers ein, der mehr Geschäfte und Gasthäuser in der Stadt verlangte, um sie touristisch in Schwung zu bringen. Auch will er Hammelburgs dunkle Ecken erhellen, wo sich mancher Bösewicht verstecken könnte. Das ließ den Ober-Narren aber kalt, der an die nächsten Wahlen erinnerte, bei denen "die Karten neu gemischt werden". "Lasst die Geldtruhe herunter, dann geben wir Ruhe" fügte er besänftigend hinzu.

Dem folgte das Häuflein auf der Rathausbalustrade. Ha-Ka-Ge-Vorsitzende Julia Keidel und Hannes Deinlein nahmen die Schatzkiste entgegen. Beim Öffnen erstrahlten viele, goldene Taler - allerdings mit Schokoladenfüllung - über die sich die Kinder freuten. Jetzt reichte es dem Sitzungspräsidenten. Er befahl den Narrentruppen, Bürgermeister und Stadträte beim einzigen Weg über die Turmtreppe des Rathauses abzufangen und festzusetzen.

In der Markthalle reichten sich die Kontrahenten beim Silvaner wieder die Hand, wobei Warmuth etwas murmelte, das wie "ich komme am Aschermittwoch wieder" klang. Hier überbrachten auch die Delegierten der befreundeten Gesellschaften ihre Grüße. Marc Scheller freute sich darauf, die Hammelburger bei der UKG-Prunksitzung begrüßen zu können. Eine Gegeneinladung habe die UKG jedoch noch nicht erhalten. Präsidentin Susanne Weber überbrachte das "Helau" der Gauaschacher Karnevals-Gesellschaft, Björn Rasch die Grüße von "Blau-Weiß" Elfershausen. Wie er erlebte auch Präsident Christofer Heafey, der namens der Thüngener Narren eine gute Session wünschte, erstmalig die Punktlandung zum Fastnachts-Start.
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