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Hammelburg
Gärtnern

Mist für die Rose, Weizen gegen Drahtwürmer

Gartenbautechnikerin Brigitte Goss erklärte bei einem VHS-Vortrag wie Hobbygärtner ohne chemische Zusätze den Garten pflegen können.
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Rosen mögen Mist als Dünger. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Rosen mögen Mist als Dünger. Foto: Archiv/Matthias Hoch

Über 100 Interessierte waren in der Stadtbibliothek Hammelburg, um sich Tipps für die kommende Gartensaison bei Gartenbautechnikerin Brigitte Goss zu holen. Gleich zu Anfang macht sie klar, dass Gifte, die heute noch frei verkäuflich sind, "nicht in der Hände von Hobbygärtnern gehören". Verwendet man beispielsweise Rasenunkrautvernichter (mit Wirkstoff "Dicamba") und wirft den Rasenschnitt in den Kompost, gelangt das Mittel beim Düngen auch auf Gemüseanbauflächen, die anschließend mitunter schlechte Erträge bringen. Erst nach 30 Jahren ist das Mittel wieder ganz abgebaut, macht sie klar. Solche Zusammenhänge sind den Anwendern meist nicht bewusst, weshalb sie sich für Gärtnern ohne Gift einsetze.

Rosen liebt die Naturgärtnerin wie viele der Zuhörer. Die häufigste Erkrankung der edlen Pflanzen ist Sternrußtau, die zum Erstaunen des Publikums auch durch zu wenig Dünger begünstigt werde. Falscher Standort, "toter", unbelebter Boden und auch Bodenverdichtung machen Rosen zu schaffen. Sie empfiehlt natürliche Rosendüngung mit Mist. Außerdem sei Hygiene wichtig. Das heißt für die Gartenbautechnikerin krankes Laub entfernen, kein Rindenmulch und Holzschnitzel unter die Rose streuen, denn auch dort überwintern die Sporen des Schadpilzes.

Beherzt ausreißen

Und statt sich jahrelang mit einer kranken Rose "zu beschäftigen", rät sie zu beherztem Rausreißen und sich "mal was Neues gönnen". Gesunde Rosen erkenne man am dunkelgrünen leicht glänzenden Laub wie bei den neuen Sorten Jasmina, Westart oder Flashlight sowie den historischen Rosen wie Ghislaine de Feligonde oder der Lutherrose. Ins Schwärmen gerät sie bei der duftenden Rose Mme Isaac Pereire, mit der man auch Rosenöle und Rosenwasser herstellen kann.

Im gesamten Vortrag lässt die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege vom Landratsamt in Schweinfurt eigene Erfahrungen und Beobachtungen mit viel Hintergrundwissen einfließen. Sie verdeutlicht, dass nicht jede Schnecke ohne Haus eine gefräßige Nacktschnecke sei. Schneckenkorn schädigt aber alle Schnecken, auch den im Publikum weniger bekannten Schlegel, der äußerst nützlich ist und zahlreiche Schneckeneier frisst - genauso wie die bekanntere Weinbergschnecke.

Auf Flächen, die mit Drahtwürmern verseucht sind, rät sie dazu, Weizen auszusäen. Sobald der Weizen keimt, werden so angelockte Drahtwürmer durch vorsichtiges Herausziehen der Weizenkeimlinge mit Mehlkörper einfach abgesammelt. Als selbst gemachte Gartenhelfer können Jauchen, Brühen und Kaltwasserauszüge, deren Unterschiede in der Herstellung und der Wirkung erläutert werden, helfen. Verbreitete Fangmethoden mit Leimringen an Obstbäumen sieht sie kritisch, weil nicht nur die Frostspanner-Weibchen darauf kleben, sondern auch allerhand nützliche Insekten. Als hilfreich hat sich erwiesen, Hühner unter Obstbäumen zu halten, denn sie fressen allerlei Larven. Auch Nistkästen aufhängen helfe Gartenvögeln, die dann ihrerseits die Baumstämme frei von Schadinsekten halten. Bei vielen Vögeln im Garten müsse allerdings die Ernte geschützt werden. Leider strangulieren sich Vögel in den handelsüblichen grünen Vogelschutznetzen, bedauert die Naturliebhaberin und erklärt, dass Vögel nur blaue Netze erkennen können. Zusätzlich aufgelockert wird der zweistündige unterhaltsamen Vortrag durch einen eigenen Film über die Ameisen-Fangmethoden der Ameisenlöwen, die die Expertin aus Münnerstadt-Burghausen im eigenen Garten gefilmt hat. Charmant bringt sie dem Publikum näher: "Toleranz hilft, lassen Sie auch mal was zu!" Beispielsweise im Frühjahr bei Blattlaus-Invasionen einfach geduldig warten bis sich die Gegenspieler entwickelt haben - also Marienkäfer, Schwebfliege, Schlupfwespen, Florfliege und Co.. Die Natur helfe sich mit manchen Problemen selber. So dachte man vor 30 Jahren, es überleben wegen der Kastanienminiermotte bald keine Kastanien mehr. Doch inzwischen sei bekannt: Blau- und Kohlmeisen haben gelernt, die Miniermotte zu fressen.