Aura an der Saale
Weiberfasching

Männer nur in untergeordneter Rolle

Bei der Nacht der Damen wird nicht einfach nur gefeiert. In Aura wird die Veranstaltung in das Gewand einer Prunksitzung gekleidet.
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Das Massageteam (von links Heidi Hammerl und Julia Sauer) bei der Arbeit - interne Probleme eingeschlossen.  Winfried Ehling
Das Massageteam (von links Heidi Hammerl und Julia Sauer) bei der Arbeit - interne Probleme eingeschlossen. Winfried Ehling
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Ein besonderer Stellenwert kommt dem Weiberfasching in Aura zu denn die "Nacht der Damen" ist nicht nur irgendeine Fastnachts-Veranstaltung sondern in das Gewand einer Prunksitzung gekleidet, die maskierte Frauen aus der ganzen näheren Umgebung anlockt. Männer haben hier nichts verloren, es sei denn in "dienender" oder präsentierender Funktion. Verwunderung gab es deshalb über die Eröffnung der Sitzungspräsidenten der Auraer Faschingsfreunde, dem Brüderpaar Philipp und Marcel Kaiser, die jedoch nur kurz auf der Bühne verweilten. Sie erspürten eine "negative Aura" im Saal.
Richtig erahnt. Denn im Handumdrehen enterte der Weiber-Elferrat, angeführt von den Sitzungspräsidentinnen Karin Kaiser, Sonja Seufert und Katja Graser einschließlich Prinzessin Natascha, der Prinzengarde und den Gäste-Abordnungen aus Wiesentheid und Arnstein das Terrain nach dem Motto "Heut sind die Frauen an der Macht".
Tanzmariechen Carolin Mock leitete die Show mit einem exakten und elegant-schwungvollen Solotanz ein, dem der erste rauschende Beifall gebührte. Das Männerballett aus Burkardroth, treue Gefolgsleute im Auraer Fasching, sorgte als Schulklasse im Baseball- und Cheerleader-Outfit zu den Songs der 70er Jahre für steigende Stimmung, die nach dem Auftritt zur Spannung anwuchs.
Denn vor der Tür stand mit UKG-Büttenredner Marc Scheller ein "Dschungel-Camper", der besonders den Diebacher Promi-Vertreter, Matthias, auf die Schippe nahm. Mit teils gepfefferten Gags verstand es der Bütten-Redner, der erwartet demnächst auch ins Camp berufen zu werden, das feminine Publikum auf seine Seite zu ziehen. Ein Beispiel. Auf dem Flug nach Australien wechselte Matthias von der 2. in die 1. Klasse mit dem Anspruch er sei prominent. Alle Versuche ihn in die untere Klasse zurückzubringen scheitern, bis der Pilot selbst erschien, dem es in kurzer Zeit gelang den Widerspenstigen zu überreden. Wie gelang dies? Ganz einfach. Der Flugzeugführer erklärte dem Diebacher dass die 1. Klasse nicht nach Australien fliege.
Einen Gutteil der Sitzung übernahmen die drei Showtanz-Garden der Auraer Faschingsfreunde. Die "Dance-Generation" mimte zum Beatles-Song "Mr. Postmann" den ortseigenen Paketdienst und forcierten mit ihrer agilen Präsentation die Lust aufs Pakete schnüren. Glückbringende Kaminkehrer stilisierten die "Wild Cats" mit einem temperamentvollen Formationstanz. Karneval rund um die Welt, in Brasilien, Venedig und Aura legte die "Wilde 14" in unterschiedlichen Kostümen und einem rasanten Bühnenspektakel auf. Dazwischen gab es eine Verlosung mit Preisen aus der regionalen Wirtschaft und Gastronomie.
Als "fahrendes Büttenvolk" und streitbares Ehepaar entpuppte sich das Duo Mathilde und Hermann alias Birgit Schreiber und Klaus Bollwein. Sie reisen offensichtlich von einer Sitzung zur nächsten und geben - theatralisch - ihre Meinung und ihren Lebensstil wider nach dem Motto: "Du bist eben doch mein Schicksal". Karin und Rainer Kaiser spiegelten zwei ihrer Bütten der letzten beiden Jahre, den einsamen Mann, der eine Frau sucht doch an jeder etwas auszusetzen hat - bis er seine Gattin findet.
Zur Lachsalvennummer ersten Ranges geriet die Bütt "Massageteam". Die beiden Masseurinnen Babsi und Kati (Heidi Hammerl und Julia Sauer) gehen auf ihre Probleme ein. Dabei beklagt Katie ihr Mann gehe fremd mit einem "billigen Flittchen namens Jackeline-Schandall", die dazu noch aus Wittershausen kommt - den "ziemlich besten Freunden" der Auraer. Vielleicht liegt es ja am Speck den sie angesetzt hat, meint die Freundin und erhält zur Antwort: "Das ist kein Speck sondern erotische Nutzfläche". Den Rat, es mit Verführung auf dem Küchentisch zu versuchen schlug sie aus mit der Bemerkung: "Ich mach auch keinen Rollbraten im Bett".
Wichtiger Bestandteil im Weiberfasching sind Männerballetts. Dazu gehörten die Auraer Jungs, die so gerne munter im Geld schwimmen möchten, die "Gentlemen-Zombies" aus Büchold, die dem Weibsvolk ein gruseliges Gänsehaut-Feeling vermittelten und das Männerballett aus Wiesentheid, das - schon fast choreografisch-künstlerisch - einen irren Professor wiedergab, der mittels eines Zaubertranks Mini-Menschen schaffen will. Erst als Bier hinzukam gelang dies in Form einer schweißtreibenden Präsentation.

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