Hammelburg
Naturschutz

Landkreisweiter Schutz der Artenvielfalt

Nach den ersten Anläufen im vergangenen Jahr geht es für das Naturprojekt "Grüngitter" nun richtig los. Es geht nicht nur um den Schutz von Insekten.
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Eine Biene sammelt Nektar von einer Kornblume. Das Projekt "Grüngitter" will dafür sorgen, dass sich Insekten tummeln können. Foto: Archiv/Guzy
Eine Biene sammelt Nektar von einer Kornblume. Das Projekt "Grüngitter" will dafür sorgen, dass sich Insekten tummeln können. Foto: Archiv/Guzy

Holger Becker geht selber mit gutem Beispiel voran. Er lässt ein Stück seines Gartens ungenutzt, um Lebensraum für Insekten zu schaffen. Als Allianzmanager der kommunalen Allianz "Fränkisches Saaletal" gehört es nun zu Beckers Aufgaben für das Naturschutzprojekt "Grüngitter" zu werben. Ein Netz an Wildlebensräumen soll entstehen, um die Artenvielfalt zu erhalten.

Der Kernbaustein des Projekts ist eigentlich ganz simpel: Ausgewiesene Gemeindeflächen sollen möglichst wenig und wenn, dann möglichst schonend gemäht werden. Doch damit begibt man sich in ein Spannungsfeld, wie Bürgermeister und Allianzvorsitzender Armin Warmuth (CSU) erklärt. Denn Flächen ungemäht zu lassen, das entspreche nicht immer dem ästhetischen Empfinden der Bürger. Ein Bewusstseinswandel muss her.

Die ersten, die in die Schusslinie der Kritik geraten, wenn das Grün einmal nicht vermeintlich ordentlich kurz gehalten wird, sind Bauhofmitarbeiter. Um sie auf das Projekt vorzubereiten und eine Linie zu finden, haben sich vor Kurzem die Bauhofleiter der 18 teilnehmenden Gemeinden getroffen.

Für zwölf Gemeinden, für die Mitgliedskommunen der Allianzen "Fränkisches Saaletal" und "Kissinger Bogen", war das Treffen nichts Neues. In den Allianzen kooperieren die Bauhofleiter schon länger, wenn es zum Beispiel um fachliche Fragen wie den Umgang mit technischen Regelungen geht.

Darauf baut das Projekt "Grüngitter" auf - schließlich war die Idee in den Allianzen entstanden. Sie zog dann immer größere Kreise, so dass der Landkreis Bad Kissingen die Federführung übernahm. Die Allianzen spielen beim "Grüngitter"-Projekt dennoch nach wie vor eine große Rolle, zum Beispiel bei der Öffentlichkeitsarbeit. "Sie sind näher dran", sagt Roland Lenhart von der Naturschutzbehörde am Landratsamt.

Für das "Grüngitter"-Projekt, das durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird, wird eine extra Stelle für das landkreisweite Projektmanagement eingerichtet. Die Ausschreibung lief bereits, die Vorstellungsgespräche fanden vor Weihnachten statt. Die Stelle wird aber wohl nicht vor Februar besetzt werden.

Die Hauptaufgabe des Projektmanagements wird es sein, für kommunale Flächen einen Mahdplan zu erstellen. Der soll detailliert aufschlüsseln, wo was und in welchem Rhythmus gemacht werden soll. Die Verkehrssicherheit habe, wo notwendig, dabei natürlich Vorrang, erklärt Lenhart.

Eine betriebswirtschaftliche Untersuchung soll das ganze flankieren. Zwar ist Mulchen "das Schlimmste, was Insekten passieren kann", wie Lenhart sagt. Doch spare es gegenüber dem reinen Mähen Arbeitsgänge ein. Ein sporadischerer Mäh-Einsatz könnte das aber letztlich ausgleichen, so die Erwartung. Die Untersuchung soll zeigen, ob sich reduziertes Mähen auch betriebswirtschaftliche für die Kommunen rechnet.

Eine schonende, alte Technik ist das Mähen mit der Sense. Laut Becker wird es vermutlich im Herbstsemester bei der Volkshochschule einen Sensenkurs für Privatleute geben, die sie auf ihren Grundstücken anwenden wollen.

Außerdem sind Untersuchungen geplant, die für einzelne Flächen belegen, wie sich eine insektenfreundliche Verfahrensweise auswirkt, welche Effekt auf die Artenvielfalt zu beobachten sind. Den Part sollen Studenten der Universität Würzburg übernehmen. Erste Kontakte zum Lehrstuhl Zoologie III sind bereits geknüpft.

Es geht allerdings nicht allein um Insekten, erklärt Lenhart. Die seien nur der Auslöser. Lenhart stellt das Projekt "Grüngitter" in einen größeren ökologischen Zusammenhang: Der fängt für ihn beim Boden an, der möglichst wenig gedüngt werden sollte. Als "mittleres Bindeglied" folgen dann die Insekten. Sie wiederum sind Lebensgrundlage für andere Lebewesen wie zum Beispiel Vögel. Und letztlich ist es für Lenhart auch ein Schutz der menschlichen Lebensgrundlage.

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