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Karlstadt
Privatisierung

Kreiskrankenhaus Karlstadt: Verkauf ist endgültig

Die Klinik Karlstadt gehört ab Januar der Gesundheitszentrum GmbH. Fragen zu Rückzahlungen bleiben offen.
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Das ehemalige Krankenhaus Karlstadt gehört nach dem 31. Dezember nicht mehr dem Landkreis. Vorne das alte Distriktkrankenhaus, daran angebaut der neue Teil des Gebäudes.  Karlheinz Haase
Das ehemalige Krankenhaus Karlstadt gehört nach dem 31. Dezember nicht mehr dem Landkreis. Vorne das alte Distriktkrankenhaus, daran angebaut der neue Teil des Gebäudes. Karlheinz Haase

von Karlheinz Haase und Wolfgang Dünnebier

Lange haben Menschen im Landkreis Bad Kissingen den inzwischen privatisierten Kreiskrankenhäusern nachgetrauert. Gerne zeigten sie auf den Landkreis Main-Spessart, wo man sich lange der Privatisierung entgegen stemmte. Doch inzwischen wird auch dort die Kliniklandschaft neu geordnet. Wenn an Neujahr um 0 Uhr die Silvesterböller krachen, gehört das ehemalige Karlstadter Krankenhaus nicht mehr dem Landkreis Main-Spessart. Für einen Verkaufspreis von rund 1,82 Millionen Euro geht die Immobilie an die Gesundheitszentrum Karlstadt GmbH, hinter der als Projektentwickler die Würzburger Beethovengruppe, vertreten durch deren Geschäftsführer Alexander Weigand, und der Zellinger Allgemeinarzt Dr. Johannes Kromczynski stehen.

Der reine Kaufpreis beläuft sich auf 1,05 Millionen Euro, also 765 000 Euro weniger als der Gesamtpreis. In diesem "Preisnachlass" steckt die weitere Nutzung des Gebäudes durch die Klinikverwaltung des Landkreises. Diese bleibt bis zum Neubau in Lohr in Karlstadt.

Als im August der Kaufvertrag geschlossen wurde, behielt sich der Landkreis ein einseitiges Widerrufsrecht vor. Denn es drohte eine mögliche Rückforderung von Zuschüssen, die der Landkreis seinerzeit für den Bau des Krankenhauses erhalten hatte. Im schlimmsten Fall sollten das bis zu 4,3 Millionen Euro sein. "Dann wäre der Verkauf für den Landkreis nicht mehr wirtschaftlich gewesen", sagte Landrat Thomas Schiebel bei einer Pressekonferenz im Landratsamt zu dem Verkauf. Dieses Rücktrittsrecht hatte sich der Kreis zunächst bis 30. November ausbedungen.

Mit bis zu 15 Praxen im Gespräch

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Da man noch auf eine Auskunft der Regierung warten wollte, wurde die Frist in beiderseitigem Einvernehmen bis 31. Dezember verlängert. Ein Stück weit gab Klinikreferent Gregor Bett schon jetzt in der Pressekonferenz Entwarnung. Die mehr als 4 Millionen Euro seien aufgrund einer Rechnung nach einem Abschreibungsmodell ermittelt worden. Die drohende Rückzahlung sei inzwischen auf den Gebäudewert gedeckelt. Und den hat ein vereidigter Sachverständiger auf 1,023 Millionen Euro festgelegt.

Der Landkreis hofft, dass am Ende überhaupt nichts zurückgezahlt werden muss. Voraussetzung dafür ist, dass das Gebäude weiterhin einer Gemeinwohl-orientierten medizinischen Nutzung zur Verfügung steht. Doch genügt der Regierung nicht die Zusage dafür, sondern sie will warten, bis diese Nutzung tatsächlich stattfindet. Erst dann werde sie verzichten, erklärte Schiebel. Daher hatte sich der Kreistag bereits am 7. Dezember zwangsläufig zu der Entscheidung durchgerungen, das Widerrufsrecht nicht noch einmal zu verlängern.

Zu rund 25 Prozent ist die weitere Nutzung laut Alexander Weigand für medizinische Zwecke schon jetzt gesichert. Die Krankenhausverwaltung werde weiterhin rund 900 Quadratmeter benötigen. Sie soll innerhalb des Gebäudes zusammengelegt werden.

Gespräche mit Uniklinik

Die Küche der Heroldstiftung wird mit rund 450 Quadratmetern dauerhaft in dem Gebäude bleiben, allerdings auf einem anderen Stockwerk neu eingerichtet. Weigand hofft, dass Gespräche mit der Uniklinik Würzburg ergeben, dass die psychiatrische Institutsambulanz (PIA) für Kinder und Jugendliche 700 oder auch 900 Quadratmeter belegen wird.

Weigand will nun im ersten Quartal die Planung vorantreiben, um im zweiten Quartal auf Mietinteressenten zuzugehen. Mit bis zu 15 Praxen sei man bereits im Gespräch gewesen. Auf Nachfrage bestätigte Schiebel, dass es bei der Diskussion im Kreistag die Befürchtung gegeben habe, dass die Karlstadter Innenstadt weiter ausblutet, sollten von dort Praxen ins ehemalige Krankenhaus umziehen.

Weigand merkt an, dass die Tendenz in der Medizin zu ärztlichen Zentren mit mehreren Praxen gehe. Es sei für die Ärzte von Vorteil, Kollegen in direkter Nachbarschaft zu haben, ebenso für Patienten. Die Herausforderung sei heute auch, dass die Praxen größer werden und mehr Behandlungszimmer haben. Ursache sei, dass immer mehr Frauen den Arztberuf ergreifen und dann oft in Teilzeit arbeiten.Im Übrigen sei er auch mit fünf neuen Facharztpraxen im Gespräch. Der Landrat dämpfte aber Hoffnungen, es werde in Karlstadt zu einer Zunahme von Praxen kommen: "Den Status Quo zu halten, ist schon gut."

Weigand rechnet mit einer Umbauzeit von neun bis 18 Monaten. Kompliziert werde vor allem der Zugang zu dem Gebäude, der im Moment nur von den Parkplätzen im Norden her möglich ist. Dort solle ein Parkdeck entstehen. Im Moment kalkuliert Weigand mit einer Investitionssumme von fünf bis acht Millionen Euro für das gesamte Projekt.

Dem Verkauf des Krankenhauses war eine längere Diskussion vorausgegangen, bei der es neben dem Konzept der Beethovengruppe auch eines des Landkreises gab.

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