Oberthulba
Jagd

Konflikt um Verpachtung des Jagdreviers in Oberthulba

Oberthulba hat im Wald seit Jahren starke Schäden durch Verbiss an Jungbäumen. Nun will die Gemeinde dem Rotwild durch Änderungen bei der Jagd Herr werden.
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Jäger blasen ins Horn. Foto: Archiv/Arkadius Guzy
Jäger blasen ins Horn. Foto: Archiv/Arkadius Guzy

Besonders die durch Rotwild verursachten Schäden seinen teilweise erheblich und besonders im Distrikt östlich der Autobahn nicht mehr tragbar. "Ein Umdenken bei der Rotwildbewirtschaftung wird dringend empfohlen." Zu diesen Feststellungen kam bereits Anfang 2016 die Zwischenrevision des Forstwirtschaftsplans.

Nun sieht die Gemeinde eine Gelegenheit, das Problem zu lösen. Im Gemeinderat stellte Bürgermeister Gotthard Schlereth (CSU/FWG) seine Überlegungen vor, die den Jagdgenossen nicht gefallen.

Die Ausgangssituation: Der Jagdbogen Oberthulba Nord besteht aus einem Eigenjagdrevier und einem Gemeinschaftsjagdrevier. Das Eigenjagdrevier umfasst den Gemeindewald im Nordosten von Oberthulba. Das Gemeinschaftsjagdrevier setzt sich aus den Flächen, insbesondere Äckern, von 220 Eigentümern zusammen, die sich an den Wald anschließen.

Beide Reviere sind bisher gemeinsam verpachtet worden. Der Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Der jetzige Jagdpächter will nicht verlängern - wohl auch aufgrund der Kostenbelastung durch Wildschäden. Es gab eine Bewerbung eines Interessenten, der sie aber wieder zurückgezogen hat.

Das Problem: "Die Wildschäden sind nicht zurückgegangen, obwohl die Abschusszahl von zwölf auf 36 erhöht wurde", erklärte Schlereth. Der Verbiss erschwert vor allem die angestrebte Verjüngung des Waldes. Für die Gemeinde ist damit die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung gefährdet. "Der Wald ist ein großes Kapital der Gemeinde", sagte der Bürgermeister.

Die Rotwildschäden führen laut dem Sachverständigen Rupert Wolf, der die Gemeinde als Leiter des Forstbetriebs berät, dazu, dass die Diversität im Wald zurückgeht. Die Verjüngung sei mit hohen Kosten verbunden. Ohne Schutzmaßnahmen für Jungpflanzen seien die forstwirtschaftlichen Ziele nicht umzusetzen, erklärte der Revierleiter der Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale, Christoph Uffelmann.

Für die Ackerflächen vor allem am Waldsaum ist eine Zunahme von Schadensmeldungen festzustellen. Geschäftsleiterin Nicole Wehner sprach von einem hohen Verwaltungsaufwand für die Gemeindeverwaltung, da häufig auch Bagatellen gemeldet würden. Wie sie andeutete, geht es dabei zuweilen emotional zu.

Schlereth nahm den bisherigen Jagdpächter ausdrücklich aus der Verantwortung. Er habe die Abschusszahlen erfüllt. Der Bürgermeister nannte verschiedene Faktoren für das Rotwild-Problem: die Lage am Südhang, die das Gebiet für die Tiere attraktiv macht, und den Jagddruck in den umgebenden Pirschbezirken.

Die Idee der Gemeinde: Nun will die Gemeinde ihr Eigenjagdrevier nicht mehr gemeinsam mit dem Gemeinschaftsjagdrevier der Jagdgenossenschaft verpachten. Sie will die Jagd in Eigenregie organisieren. Davon verspricht sich die Gemeinde eine bessere Kontrolle und eine kürzere Reaktionszeit gegenüber einer Neuverpachtung, denn diese hätte eine Laufzeit von zwölf Jahren.

Außerdem will die Gemeinde Einfluss auf die Abschusszahlen heben: "Wir sind dann Revierinhaber und reden verstärkt mit", sagte Schlereth. Er kritisierte das bisherige System. So hätten die Abschusszahlen nichts mit den tatsächlichen Schäden zu tun. Die Festlegung der Abschüsse auf den Versammlungen der Hegegemeinschaften ähnelten einem Basar. Laut Bürgermeister kommt es auch nicht allein auf die Abschüsse an, sondern die "Geschlechts- und Altersspezifikation" der geschossenen Tiere. Auch da will die Gemeinde mehr Kontrolle.

Die Sicht des Gemeinderats: "Ich bin seit 16 Jahren im Gemeinderat. In der Zeit ist bisher nichts passiert", sagte Jürgen Kolb (Bürgervereinigung Thulba ) zu den Rotwildschäden im dem Waldstück. Es müsse dort eine riesige Herde geben. Andere Gemeinderäte ließen sich einzelne Aspekte des derzeitigen Jagdsystems erläutern. Zu Beginn der Sitzung hatte Wolf in einem Vortrag die geschichtliche Entwicklung des Jagdrechts skizziert. Holger Fröhlich (Freie Wählergemeinschaft) fragte nach den Auswirkungen auf das Gemeinschaftsjagdrevier. Margot Schottdorf (CSU/FWG) kritisierte die Plötzlichkeit, mit der die Gemeinde das Thema gesetzt hat: "Bis vor einem Vierteljahr war noch alles in Ordnung", sagte sie. Sie sprach sich für eine Lösung mit dem Gemeinschaftsjagdrevier aus.

Die Sicht der Jagdgenossen: Karlheinz Schmidt, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Oberthulba, äußerte sich verärgert. Die Jagdgenossenschaft sei immer eng mit der Gemeinde verbunden gewesen. "Wir haben davon profitiert, dass wir das Eigenjagdrevier immer mitverpachten konnten", sagte er. Die nun angedachte Regelung "kommt überraschend".

Dahinter steckte die Sorge, was passiert, wenn das Gemeinschaftsjagdrevier sich allein schwer verpachten lässt. Die Jagdgenossenschaft habe keine Rücklagen. Schmidt sah die Gefahr, dass diese Zahlungsunfähig werden könnte. "Wir müssen die Wildschäden bezahlen."

Die Rotwildhegegemeinschaft, die früher zurückhaltend gewesen sei, habe das Problem erkannt, sprach sich Schmidt dafür aus, den Effekt der höheren Abschüsse in den kommenden Jahren abzuwarten. Er nahm außerdem die Kritik der Gemeinde an den Schadensmeldungen auf: Die Landwirte seien verpflichtet, Wildschäden zu melden.

Er habe in einen Wildzaun investiert, erklärte Schmidt. Denn Schlereth mahnte Lösungsvorschläge seitens der Jagdgenossenschaft an: Er vermisse eine Aussage, ob diese Äsungsflächen zur Vefügung stellen wolle. Das soll verhindern, dass die Tiere im Wald Nahrung suchen und die Bäume anknabbern.

Geschichte des Jagdrechts: Die Jagd sicherte in der Frühzeit die Nahrungsversorgung. Im Mittelalter entwickelte sie sich zu einer prestigehaften Vergnügung für den Adel. Die Weimarer Republik legte die Basis für eine einheitliche Jagdgesetzgebung. 1934 folgte das Reichsjagdgesetz. Es prägt das Bundesjagdgesetz.

Das Jagdrecht ist an Grundeigentum gebunden. Eine genügend große Fläche bildet ein Eigenjagdrevier. Ansonsten werden Flächen zu einem Gemeinschaftsjagdrevier vereint. Reviere können verpachtet werden. Für die tatsächliche Jagd ist ein Jagdschein notwendig. Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Kritik am Jagdsystem: Ein Mentalitätswandel wird gefordert, um die aktuellen Konflikte zwischen Wald und Wild lösen zu können.



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