Elfershausen
Natur

Klettereinsatz für Insekten

Landesweites Projekt der Zoologischen Staatssammlung München - Mitarbeiter der Bayerischen Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservats Rhön kontrollieren Fallen für ein Insekten-Monitoring am Schwedenberg.
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Alana Steinbauer weist Tobias Gerlach ein. Er springt bei der Kontrolle der Fallen für Maik Prozeller ein.  Fotos: Anna-Lena Bieneck
Alana Steinbauer weist Tobias Gerlach ein. Er springt bei der Kontrolle der Fallen für Maik Prozeller ein. Fotos: Anna-Lena Bieneck
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Am südöstlichen Hang des Schwedenbergs bei Elfershausen lässt sich ein Kletterer vorsichtig hinab. "Mehr Seil", gibt er seiner Kollegin, die ihn einige Meter weiter oben professionell gesichert hat, zu verstehen. Die beiden verständigen sich über ein Walkie-Talkie, da der Lärm des Verkehrs, der am Fuße des Schwedenbergs auf der A 7 tost, ihre Rufe verschlucken würde.

Angekommen auf einem schmalen Vorsprung, tastet sich der Kletterer langsam vor zu seinem Ziel: ein kleines Zelt, befestigt an der Felswand. Es ist die erste von fünf Insektenfallen, die Maik Prozeller an diesem Morgen kontrollieren wird. Denn mit Freizeitsport hat sein Klettereinsatz in der Kernzone Schwedenberg nichts zu tun.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Alana Steinbauer und Dr. Tobias Gerlach von der Bayerischen Verwaltungsstelle des Unesco-Biosphärenreservats Rhön betreut Ranger Maik Prozeller die sogenannten Malaise-Fallen. Diese sind Teil eines landesweiten Insekten-Monitorings.

Alle zwei Wochen wird geleert

Ziel des "Barcoding Fauna Bavaria"-Projekts an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) ist es, alle Tierarten in Bayern zu erfassen und von jeder eine Gensequenz zu erhalten. Der DNA-Barcode ermöglicht sowohl die Identifizierung bekannter als auch die Entdeckung neuer Arten. Beim Sammeln und Erfassen der Tiere erhält die ZSM Unterstützung von Naturschützern aus ganz Bayern - unter anderem von der Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservat Rhön. 14 der insgesamt mehr als 100 Malaise-Fallen sind in der bayerischen Rhön verteilt und werden zwischen April und Oktober alle zwei Wochen geleert. Am Steilhang des Schwedenbergs befinden sich fünf Fallen, drei davon können nur durch Klettern erreicht werden - hierfür braucht es Kollegen mit langjähriger Erfahrung und Kletterausbildung wie Maik Prozeller und Alana Steinbauer.

Doch nicht nur der außergewöhnliche Zugang macht die Fallen in Elfershausen zu etwas

Besonderem: "An dem südlichen Steilhang ist die Sonneneinstrahlung groß, insgesamt

herrscht an diesem Standort ein nahezu mediterranes Klima. Hier leben Arten, die man in der Rhön nur hier findet", erklärt Tobias Gerlach, der die ökologische Forschung im bayerischen Teil des Unesco-Biosphärenreservates Rhön betreut. Er archiviert die Proben und gibt die Ergebnisse an das ZSM weiter. "Die Rhön mit ihrer Fülle an Lebensräumen bietet Platz für zahleiche Arten." Die Herausforderung bestehe nicht darin, diese zu finden, sondern sie zu bestimmen. "Für Fliegen, Schwebfliegen oder Wanzen zum Beispiel gibt es wenige Spezialisten - ganz anders als bei Tagfaltern."

An diesem Morgen finden die Kollegen am Fuße des Steilhangs unter anderem eine Ameisenjungfer. "Nur die Malaise-Fallen ermöglichen seltene Funde wie diesen", sagt Gerlach. Die Fallen aus Moskitonetz-Gewebe mit einer zentralen Mittelwand und einem schrägen Dach sind wie ein Zelt aufgebaut. Die Insekten fliegen gegen die Mittelwand und bewegen sich senkrecht nach oben, dem Licht entgegen. Durch eine Öffnung an der Spitze der Falle gelangen sie dann in eine Flasche, die mit einem flüssigen Konservierungsmittel gefüllt ist. Wegen ihrer hohen Effizienz werden die Malaise-Fallen nicht nur in Bayern,

sondern weltweit zur Erfassung von Insekten eingesetzt.

In der Kernzone Schwedenberg sind jedoch nicht nur Malaise-Fallen zu finden. Auch Käfer werden derzeit von der Bayerischen Verwaltung erfasst. Hierzu sind im Raum Bad Kissingen 28 Fallen an Bäumen aufgehängt worden - hauptsächlich an Totholz. Im vergangenen Jahr

waren Fallen im Bereich Rhön-Grabfeld ausgebracht worden. Ziel ist, anhand einer Käfer-"Inventur" langfristig verlässliche Aussagen über die Entwicklung in den Kernzonen treffen zu

können. "Bereits heute lässt sich beobachten, dass die Rhön durch ihre Vielzahl an Lebensräumen eine beeindruckende Artenfülle an Insekten aufweist", sagt Tobias Gerlach. red

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