Westheim bei Bad Kissingen
Inklusion

Kindergarten Westheim setzt ein Beispiel für Inklusion

Nicole Schärpf hat es von der Hammelburger Lebenshilfe-Werkstatt in eine reguläre Beschäftigung im Kindergarten Westheim geschafft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nicole Schärpf räumt die Spülmaschine in der Küche des Kindergartens Westheim aus. Foto: Arkadius Guzy
Nicole Schärpf räumt die Spülmaschine in der Küche des Kindergartens Westheim aus. Foto: Arkadius Guzy
+1 Bild

Sie stellt sauberes Geschirr für die Kinder bereit, trägt das schmutzige in die Küche und räumt die Spülmaschine ein und aus, beschreibt Nicole Schärpf ihre Aufgabe im Kindergarten St. Peter und Paul in Westheim. "Ich habe ein Praktikum gemacht und fand es schön", sagt sie. Für Thomas Porkristl, Leiter der Hammelburger Lebenshilfe-Werkstatt, ist der Weg der 26-Jährigen ein Beispiel dafür, was Inklusion bedeutet.

Der Weg von der Werkstatt in einen regulären sozialversicherungspflichtigen Job hat eine längere Vorgeschichte. Der Kindergarten hat schon lange Kontakt zur Lebenshilfe, wie Eva Wüscher erklärt. Unter den pädagogischen Mitarbeitern seien einige, die früher für die Lebenshilfe gearbeitet haben, sagt die Kindergartenleiterin. Als die Einrichtung Unterstützung für den hauswirtschaftlichen Bereich brauchte, fragte sie bei der Lebenshilfe nach.

So entstand eine Kooperation, wie Carmen-Maria Weisenborn von der Lebenshilfe erklärt. Über die kam Heidi Krämer später zusätzlich auch Nicole Schärpf in den Kindergarten, jeweils für zwei Tage in der Woche. Im Kindergarten in Fuchsstadt und im Bauhof in Wartmannsroth arbeitet ebenfalls jeweils ein Angehöriger der Werkstatt drei beziehungsweise zwei Tage die Woche. Sie alle aber sind nach wie vor in die Lebenshilfe und ihre Betreuung eingebunden.

Da Krämer sich in die Werkstatt zurückorientierte und der Kindergarten die hauswirtschaftlichen Stellen zusammenfassen wollte, entstand die Idee, Schärpf regulär einzustellen. "Unser Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen", sagt Porkristl. Das sei eine schwierige Aufgabe. Laut Porkristl haben es bisher vier Angehörige der Hammelburger Werkstatt geschafft.

Dass es bei Schärpf geklappt hat, liegt auch an der Förderung durch den Kindergarten, sagt Porkristl. Über ein Praktikum und dann die Kooperation ist die junge Frau auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Ziel war es, dass Schärpf eine Stelle bekommt, bei der sie nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen ist. Dass der Kindergarten das finanziell stemmt, sieht Porkristl als vorbildlich an. Schärpf bekommt einen tariflichen Lohn, erklärt Michael Vierheilig, Vorsitzender des Trägervereins des Kindergartens. Für den Mehraufwand für die Betreuung gebe es einen Zuschuss vom Bezirk Unterfranken.

Schärpf ist damit aus der Hammelburger Lebenshilfe-Werkstatt und ihrem Betreuungsnetz heraus. Sie könnte aber zurückkehren. Im Kindergarten steht ihr Ute Koch vom pädagogischen Personal als Ansprechpartnerin zur Seite. Die Kollegin hat sich sehr für das Projekt eingesetzt, sagt Wüscher.

Ansonsten gehört Schärpf wie selbstverständlich zum Team dazu, ist auch bei allen Festen dabei. Inklusion ist, wenn ein Mensch mit Behinderung einfach dabei ist, beschreibt Porkristl, was hinter dem Begriff Inklusion richtig verstanden steht. Für Wüscher passt das auch zur Philosophie des Kindergartens in Westheim. Denn als Besonderheit in der Region arbeitet er nach den Grundsätzen der Reggio-Pädagogik. Wüscher führt aus: "Die Reggio-Pädagogik ist eine Pädagogik der Vielfalt: Jeder darf so sein, wie er ist."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren