Oberthulba
Forst

Käfer machen Förstern Sorgen

Die Folgen der Dürre im vergangenen Jahr werden sich in den kommenden Jahren zeigen, auch der Befall mit Schädlingen nimmt zu, erfuhr der Gemeinderat.
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Waldschäden durch Borkenkäfer und Eichenschwammspinner nehmen zu. Symbolbild: Uwe Zucchi/dpa
Waldschäden durch Borkenkäfer und Eichenschwammspinner nehmen zu. Symbolbild: Uwe Zucchi/dpa

"Das vergangene Jahr war für die Forstwirtschaft sehr turbulent, und weitere turbulente Jahre werden folgen." So fasste Diplom-Forstwirt Rupert Wolf als Betriebsleiter der Forstgemeinschaft Rhön-Saale bei der Vorstellung des Forstwirtschaftsplans 2019 am Dienstag vor den Mitgliedern des Gemeinderats Oberthulba die aktuelle Situation zusammen. Ursachen seien einerseits die Dürreperiode, deren Spätfolgen sich noch in kommenden Jahren zeigen können, sowie Schädigungen durch Käferplagen. Andererseits war 2018 ein Preisverfall bei Nadelrundholz zu verzeichnen, während für Eichen- und Buchenholz die Nachfrage gestiegen ist.

Aufforstungen geplant

Da im vergangenen Jahr ohnehin 1000 Festmeter Holz durch Sturm oder Käferplage zerstört wurden, blickte Revierleiter Christoph Uffelmann kurz auf 2018 zurück, wurden nur noch 6800 Festmeter Holz geschlagen, um den vorgegebenen Hiebsatz von 8000 Festmetern nicht zu überschreiten. Das Betriebsergebnis von 110 000 Euro war fast doppelt so hoch wie geplant. 2019 ist ein Einschlag von knapp 7100 Festmetern angesetzt. Davon verteilen sich 3600 Festmeter auf Bäume im Endnutzungsbestand sowie 1600 Festmeter im Altbestand. "Trotz der Trockenheit haben wir investiert, um in Zukunft gut aufgestellt zu sein", informierte Uffelmann. So wurde nicht nur ein neuer Forstschlepper mit Schutzwagen angeschafft, sondern Waldbestände werden aufgeforstet. In den Waldgebieten Weißerweg und Kleinbauholz sollen jeweils 400 Douglasien gepflanzt und in der Abteilung Birkenschlag sogar 2000 größere Edellaubhölzer mit Hilfe eines Baggers eingesetzt werden. Uffelmann: "Die Baggermethode eignet sich auf stark verunkrauteten Flächen. Größere Bäume können nach ihrer Anpflanzung schneller aus den Brombeeren herauswachsen."

Für Pflanzenkauf und Kulturpflege sind im Haushalt 7000 Euro angesetzt. Investiert wird auch in den Wegebau im Distrikt Geißberg. Hier soll in einem 50 Hektar großen Erschließungsgebiet für 65 000 Euro, davon zu 43 Prozent gefördert, etwa 1500 Meter Weglänge gebaut oder instand gesetzt werden.

Insgesamt rechnete Revierleiter Uffelmann dem Gemeinderat für 2019 ein kalkulatorisches Betriebsergebnis von 43 000 Euro vor, das sich aus Ausgaben in Höhe von 368 000 Euro und Einnahmen von 411 000 Euro ergibt. Doch warnte er abschließend vorsorglich: "Wenn wir heuer wieder einen so trockenen Sommer bekommen, kriegen wir echte Probleme."

Betriebsleiter Rupert Wolf wies ergänzend auf Waldschäden durch Borkenkäfer und Eichenschwammspinner, durch das Eschentriebsterben und mögliche Komplexerkrankungen hin: "Die Käfer-Populationen schaukeln sich seit Jahren langsam hoch." Auswirkungen aktueller Schädigungen können sich auch erst in den Folgejahren zeigen, gab Wolf zu bedenken. Dies werde sich auch finanziell auswirken, machte der Betriebsleiter am Langzeitvergleich von Ausgaben und Einnahmen deutlich: In den vergangenen Jahren sanken die Einnahmen fast auf das Niveau steigender Ausgaben. Allerdings seien die Betriebsergebnisse früherer Jahre in Oberthulba recht hoch gewesen, worauf manche andere Kommunen hätten neidisch sein können, tröstete er Bürgermeister Gotthard Schlereth (CSU/ FWG). Dieser nutzte den Moment, um sich gegen vereinzelte Kritik aus der Bevölkerung zu wehren und widersprach ausdrücklich: "Wir machen nachhaltige Forstwirtschaft und holzen nicht ab, nur um Geld zu machen."

Betriebsleiter Rupert Wolf unterstützte ihn, er brauche kein schlechtes Gewissen zu haben. Mit Blick auf aktuell sinkende Betriebsergebnisse ergänzte Wolf: "Es kommen auch wieder bessere Jahre."

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