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Hammelburg
Kommunalwahl

Jugend drängt in den Hammelburger Stadtrat

Gleich zwei Listen werben mit besonders jungen Kandidaten. Maria Pfaff aus Obererthal wurde erst im Februar volljährig.
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Maria Pfaff ist eine der jüngsten Stadtratskandidatinnen. Foto: Ralf Ruppert
Maria Pfaff ist eine der jüngsten Stadtratskandidatinnen. Foto: Ralf Ruppert
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Noch nie waren die 24 Stadtratssitze im Sitzungssaal des Roten Schlosses so umkämpft wie in diesem Jahr: 197 Kandidaten aus neun Listen bewerben sich, darunter mindestens neun 18-Jährige. "Das ist eine gute Möglichkeit, mehr über Politik zu erfahren", begründet Maria Pfaff ihre Entscheidung, bei der ersten Wahl, bei der sie selbst wählen darf, auch gleich zu kandidieren. Bei der Nominierungsversammlung durfte sie sich nicht einmal selbst wählen, und die Unterlagen für den Wahlleiter mussten ihre Eltern unterschreiben, denn: Die Schülerin wurde erst Anfang Februar volljährig.

Von 52 auf 197 Kandidaten

Die Zahl der Stadtratskandidaten ist kontinuierlich gewachsen: 1948 traten zur ersten Wahl nach dem Krieg gerade einmal 52 Kandidaten an: CSU und Bürgerblock stellten jeweils 16, die SPD acht. Eine Liste für "Flüchtlinge" sowie eine für "Evakuierte und Ausgebombte" zählte jeweils sechs Namen auf, wie ein Original-Wahlschein zeigt, den 2. Bürgermeister Reimar Glückler (CBB) bis heute aufgehoben hat.

Bis zur Wahl 1996 wuchs die Zahl der Listen auf sechs. 2002 setzte die "Junge Liste" als siebte Liste erstmals auf Themen für die Jugend. "Es gab damals so viel Gegenwind für die Jugend, das wollten wir ändern", erinnert sich Stadtrat Christian Fenn. Bereits 1993 hatte er zusammen mit anderen den "Jugendladen" gegründet: Ab 1994 trafen sich Hammelburger Jugendliche zunächst im ehemaligen Waisenhaus, später im alten Gefängnis, dem heutigen Pfarrzentrum. Seit 1997 ist das Jugendzentrum in der Alten Volksschule untergebracht.

"Wir waren schon lange vorher politisch aktiv und regelmäßig in den Stadtratssitzungen", erzählt Fenn, und: "Wir wollten direkt Einfluss nehmen." Das sei auch gelungen: "Heute wird ganz selbstverständlich über Jugend-Themen gesprochen", sagt Fenn. Unter anderem sei sich das Gremium einig, dass erst ein neuer Platz fürs Jugendzentrum gefunden werden muss, bevor die Alte Volksschule anderweitig verplant wird.

Die Junge Liste errang 2002 einen Platz im Stadtrat, seit 2008 stellt sie zwei Räte. "Die Junge Liste bringt junge Gedanken und frische Ideen in den Stadtrat", sagt auch Maria Pfaff. Im November habe Christian Fenn sie gefragt, ob sie selbst kandidieren wolle. "Nur wenn wir aufeinander zugehen, werden wir gute Kompromisse finden können", nennt die 18-Jährige als einen Grund, weshalb sie zugesagt habe. Maria Pfaff kennt Christian Fenn aus ihrer Zeit als Ministrantin vom Zeltlager der Pfarrjugend. Mittlerweile ist sie dort selbst Gruppenleiterin. Außerdem ist sie bei der Feuerwehr Obererthal aktiv, spielt Tenor-Horn in der dortigen Musikkapelle und gehört der Volleyball-Damenmannschaft an.

Ein erster Berührungspunkt mit der Kommunalpolitik war die Teilnahme am Informationsfilm vor dem Bürgerentscheid zum geplanten Bürgerhaus. "Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen", fasst sie die Resonanz aus ihrem Umfeld zusammen. Aktuell besucht die Schülerin die Q 11 des Frobenius-Gymnasiums. Wie es danach weitergeht, sei noch unklar, aber das sei kein Ausschluss-Kriterium für den Stadtrat: "Wenn ich rein komme, würde ich das schon hinbekommen", sagt die 18-Jährige selbstbewusst - auch wenn sie sich keine allzu großen Chancen ausrechnet.

328 Unterschriften gesammelt

Maria Pfaff geht mit Paula Christof und Emma Bindrum zur Schule, die die neue Liste "Generation Z" gegründet haben. 328 Unterstützer-Unterschriften haben die beiden 18-Jährigen und ihr Team gesammelt, um zur Kommunalwahl zugelassen zu werden. Mehr als die Hälfte der 15 Kandidaten ist gerade mal 18 Jahre alt, nur zwei durften bereits bei der Kommunalwahl 2014 wählen. 20,4 Jahre sind die Bewerber der Liste Generation Z im Schnitt alt.

Auf ihrer Homepage werben sie mit "Bayerns jüngstem Stadtratskandidaten". In einer Mitteilung hieß es zunächst, dass William Schnellbach erst am Tag vor der Wahl, am 14. März, volljährig wird. Auf Nachfrage hat sich jedoch herausgestellt, dass er bereits in dieser Woche Geburtstag hatte. Ob er tatsächlich der jüngste Kandidat für eines der rund 40 000 Mandate in bayerischen Stadt- und Gemeinderäten ist, lässt sich nicht nachprüfen. Trotz mehrerer Anfragen per Telefon und über andere Kanäle war der Auszubildende zum Kfz-Mechatroniker bei der Bundeswehr selbst nicht erreichbar. Als Ziele nennt er auf der Homepage die Erhaltung kultureller Werte und die Verbesserung von Freizeitmöglichkeiten für Jüngere.

"Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen", fasst Emma Bindrum ihre bisherigen Erfahrungen zusammen. Allerdings gebe es in den sozialen Medien auch etliche "dumme Kommentare". Die Generation Z will Wähler vor allem über Instagram, Facebook und die eigene Homepage erreichen. Rund 11 600 mal wurde alleine ein Video geteilt. Darin fordern Paula Christof und Emma Bindrum unter anderem ein klares Ja für den Schul-Campus, ein Car-Sharing-Modell, kostenfreie Fahrrad-Stationen und eine Erweiterung des Bürgerbusses für junge Menschen.