Dittlofsroda
Agrar

Hirse neu entdeckt

Auf den Spuren einer alten Kulturpflanze: Bei einem Feldtag gab es Informationen über den Stand der aktuellen Forschung zur Rispenhirse und die Bedeutung von Genbanken und Anbauversuchen.
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Rundgang entlang der Hirse-Versuchsparzellen: Werner Vogt-Kaute (links) und Dr. Dagmar Janowská (Zweite von links).
Rundgang entlang der Hirse-Versuchsparzellen: Werner Vogt-Kaute (links) und Dr. Dagmar Janowská (Zweite von links).
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Gerade rechtzeitig vor der Ernte hatte Ehepaar Vogt-Kaute zu einem Hirsefeldtag nach Dittlofsroda geladen. Professor Dr. Roland Hoffmann-Bahnsen von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und Dr. Dagmar Janowská vom Crop Research Institute in Prag berichteten ebenfalls von ihren Forschungen zur Rispenhirse bzw. von der Arbeit an einer Genbank.

Hirse ist eine alte Kulturpflanze und war bis ins 17. Jahrhundert eine der drei wichtigsten Getreidesorten in Europa bis zum Siegeszug der Kartoffel. Schon 2800 v. Chr. galt Hirse in China als eine der fünf heiligen Pflanzen. Weltweit, vor allem in Afrika, gehören verschiedene Arten von Rispenhirse wie Sorghumhirse, Kolbenhirse, Perlhirse und Teff immer noch zu den zehn wichtigsten Getreidesorten. Warum wird jetzt in Deutschland wieder verstärkt zur Hirse im Ökolandbau geforscht?

Tolerant bei Trockenheit

Ein Aspekt ist die Trockenheitstoleranz, die bei zunehmender Klimaerwärmung immer wichtiger für den Ackerbau wird. Weiterhin stellt Hirse geringe Ansprüche an den Boden und kann in der Fruchtfolge bei leichten sandigen Böden eine Alternative zu Roggen bieten und zur Erweiterung der Fruchtfolge dienen. Ernährungstechnisch hat Hirse einen hohen Nährwert, mit einem hohen Anteil an Lecithin und Eisen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und ist glutenfrei. Hirse kann auch zu Brot, Bier, Nudeln und Babynahrung verarbeitet werden.

Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute berichtete vor den 35 Landwirten aus ganz Franken von den Anbauversuchen zu Rispenhirse und ausdauerndem Weizen auf seinen Flächen in Dittlofsroda und stellte sein vom Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium gefördertes Projekt "Rispenhirse in der Geflügelfütterung" vor. Der Anteil an Methionin in der Hirse ist hoch. Das und der gleichzeitig niedrige Rohproteingehalt von ca. zehn Prozent sind für die Ernährung von Öko-Geflügel und Schweinefütterung von großer Bedeutung.

Professor Dr. Roland Hoffmann-Bahnsen von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde referierte über seine Versuchsergebnisse bei Hirsesorten im Anbau. Gerade in Brandenburg mit seinen leichten, sandigen Böden ist die Trockentoleranz der Hirse von Vorteil. Bei der Aussaat sind die Temperaturansprüche hoch. Man sollte möglichst erst nach der Apfelblüte bis Ende Mai aussäen. Da es in Europa nur in Österreich neue Züchtungen zu Hirse gibt, werden vor allem Sorten aus Russland, Tschechien, Kanada und USA getestet.

Dr. Dagmar Janowská vom Crop Research Institute in Prag erläuterte ihre Arbeit an einer Genbank und die Bedeutung für die Landwirtschaft, vor allem in Bezug auf die Herausforderungen des Klimawandels. Beeindruckend war auch der Hinweis, dass heute 70 Prozent der Energie zur menschlichen Ernährung von nur sechs Feldfrüchten kommen und die genetische Vielfalt, aus der wir schöpfen können, dramatisch zurückgegangen ist.

Unterschiede erkennbar

Auf den Versuchsparzellen waren die Unterschiede zwischen den rund 40 Sorten an Hirse deutlich erkennbar. Die Versuchsparzellen mit Hirse Vogt-Kautes stehen im zweiten Jahr und noch an zwei weiteren Standorten in Deutschland. Der Großteil der Hirsesorten stammt aus Russland, es werden aber auch alte einheimische Sorten geprüft.

Im Gegensatz zur Arbeit einer Genbank können durch Aussaaten und Sortenversuche auch Varianten entstehen, die an die heutigen klimatischen Bedingungen besser angepasst sind.

Familie Vogt lud nach dem Feldgang zu einem regionalen Imbiss mit leckerem Hirsesalat, Öko-Käse und -Wurst und Bauernbrot ein. Hier konnten sich die Landwirte mit den Forschern austauschen. "Wir würden ja gerne Hirse anbauen, aber wir sehen noch keine Absatzwege", erläuterte eine Naturland-Bäuerin.

"90 Prozent der in Deutschland angebotenen Hirse kommt aus China", informiert Vogt-Kaute, "da ist noch Entwicklungspotenzial für unsere Landwirte." Denn in Deutschland ist der komplette Hirseanbau von etwa 1000 Hektar ökologisch. Kurz ging Vogt-Kaute beim Feldgang auch auf das Projekt mit ausdauerndem Weizen ein. Hier handelt es sich um eine komplett neue Züchtung im Ökolandbau. Bei dem für drei Jahre bis 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt geht es mit dem ausdauernden Weizen um eine neue Kulturpflanze aus der Kreuzung einer Queckenart mit dem Kulturweizen Triticum aestivum.

Mit dem ausgeprägten Wurzelsystem kommt die Neuzüchtung besser mit Trockenzeiten und einem geringeren Nährstoffangebot zurecht. Im Vordergrund des Projektes steht dabei nicht die Ertragsmaximierung, sondern die Minimierung des Aufwandes für Anbau und Ernte sowie ökologische Aspekte. An drei Standorten werden fünf selektierte Linien und verschiedene Anbausysteme mit und ohne Untersaat geprüft. Durch den mehrjährigen Anbau und der damit reduzierten Bodenbearbeitung lässt sich die -Bilanz wesentlich verbessern. Während dies in Deutschland noch kaum ein Thema ist, erkennen Russland und Nordamerika die Bedeutung dieser landwirtschaftlichen Anbaumethode.

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