Hammelburg
Offene Tür

Hammelburger erkundeten ihr saniertes Rathaus beim Tag der offenen Tür

Beim Tag der offenen Tür konnten die Hammelburger ihr saniertes Rathaus in Augenschein nehmen. Es herrschte reger Betrieb.
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Beim Tag der offenen Tür im Hammelburger Rathaus hieß Bürgermeister Armin Warmuth ganz junge Besucher  besonders herzlich willkommen. Winfried Ehling
Beim Tag der offenen Tür im Hammelburger Rathaus hieß Bürgermeister Armin Warmuth ganz junge Besucher besonders herzlich willkommen. Winfried Ehling
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"Aus alt mach neu" passt nicht so recht für Sanierung und Umbau des Hammelburger Rathauses, das nach Fertigstellung zum Frühjahrsmarkt seine Einweihung und einen Tag der offenen Tür feierte. Richtiger ist wohl die Definition einer gelungenen Symbiose aus Historie und Moderne. Beide Aspekte spiegeln sich nach der Umstrukturierung in harmonischer Weise im Amtssitz wieder.

Julia Keidel, Verwaltungsangestellte der Stadt, vermittelte in mehreren Rundgängen die Neukonzeption, das "Was" und "Warum" ohne den Betrachter beeinflussen zu wollen. Jeder konnte sich seine Meinung bilden. Dies begann bereits im Durchgang des Erdgeschoss, wo eine Glastür den Besucher einlässt - kein Aluminium- und Eisenträgermodell, sondern eingerahmt in versöhnende Eiche.

Im Vorraum der ersten Treppe finden sich eine Post- und Informations-Stelle und ein Aufzug, der alle Etagen erschließt, auch den historischen Gewölbekeller. Die Treppe, manch einer vermisste die frühere, breite Ausführung mit den etwas ausgetretenen Granitstufen, wurde durch warme Holztritte mit einem geschlossen Metallgeländer ersetzt und windet sich, um die eigene Achse drehend, bis ins Obergeschoss. Das ist nicht jedermanns Sache, war beim Tag der offenen Tür zu hören. Ein Hammelburger, der den ersten Stock erreicht hatte, weigerte sich auch die restlichen Stufen zu nehmen. "Wenn ich weitergehe, krieg ich Höhenangst", meinte er und kehrte um. Der Aufzug war zu diesem Zeitpunkt dauerbesetzt, unter anderem mit Kinderwägen und Rollatorfahrern. Apropos Lift: Er ist ein ganz entscheidender Teil der barrierefreien Erschließung des Gebäudes. Dazu gehören auch ein ebenerdiger Eingang in der Seitengasse und die behindertengerechten Sanitäranlagen.

Im ersten Stock residiert Bürgermeister Armin Warmuth am gewohnten Ort, der jedoch aufgepeppt wurde und sich jetzt funktional, hell und zeitgemäß präsentiert, ebenso das Vorzimmer.

Eine Ausstellung im neukonzipierten Remter zeigt die einzelnen Bauphasen der Umbauzeit. Für die jüngsten Besucher gab es einen Malwettbewerb und einen Fotoautomaten, der nur zu gerne für "Selfies" genutzt wurde - nicht nur von Kindern.

Die drei Ölgemälde von Maler Fritz Ringelmann zieren auch weiterhin die Empfangshalle, eine Reminiszenz an die Geschichte. Fingerspitzengefühl zeigten die Ausstatter im so genannten Trauungszimmer, das nur teilweise - zum Beispiel bei der Bestuhlung - neu gestaltet ist. Ein Blick durch die Türe zum österlich geschmückten Balkon führt in Verbindung mit Orchideen und Kronleuchter die "Belle Epoque" vor das geistige Auge.

Mit sichtlichem Stolz zeigte Verwaltungsleiter Roland Goerke sein neugestaltetes Amtszimmer, dem mehrere Gemälden verschiedener Maler ein "sonniges" Flair verleihen. "Super", kommentiert Goerke; "hier kann ich mich auch einmal mit den Amtsleitern besprechen", erklärt er mit Blick auf eine Sitzecke. In ähnlicher Weise sind auch die Räume der Mitarbeiter gestaltet. Im zweiten Obergeschoss musste der Boden erneuert werden. "Jetzt rollt man nicht mehr dem Stuhl von einer in die andere Ecke", merkte die Führerin spöttelnd an. Denn vorher war der Boden leicht schief. Die Konzeption des Büros "Heßdörfer Seifert Architekten" band natürlich die Erneuerung der Sanitäranlagen - inklusive Leitungen - ein, deren Einbau auf die 50er Jahre zurückgeht.

Auch den Rathauskeller sparte Keidel nicht aus, auch wenn es hier noch einiges zu tun gibt. Eine Brandschutztüre - diesen Aspekt mussten die Planer im gesamten Gebäude in hohem Maße berücksichtigen - ziert jetzt den Notausgang aus dem Keller unter dem Treppenturm. Das schmiedeeiserne Gitter steht traurig daneben. Der Treppenturm ist generell Fluchtweg für das ganze Rathaus.

Mit der Realisierung des benachbarten Bürgerhauses käme eine weitere Fluchtmöglichkeit hinzu, ein Tunnel der Rat- und Bürgerhaus unterirdisch verbindet. Für den Brandfall in einem der Gebäude wäre so noch ein Rettungsweg gegeben.

Wer sich umschaute und wer es künftig nutzt, muss einräumen, die Investition von rund 1,6 Millionen Euro inklusive einer Förderung von ca. 680 000 Euro war eine lohnende, die zudem die fast 500 Jahre alte Geschichte des Rathauses immer noch am Leben erhält.

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