Hammelburg

Hammelburg: Die Infanterie auf neuem Terrain

Bei der Operation "Frankenschild" am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg befassten sich Führungskräfte der Bundeswehr mit ihren Führungsaufgaben unter besonderen Herausforderungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der General der Infanterie, Brigadegeneral Michael Matz, versammelte sein Führerkorps zu einer Weiterbildung mit dem neuen Waffensystem "Schwerer Waffenträger Infanterie". Alena Schleicher
Der General der Infanterie, Brigadegeneral Michael Matz, versammelte sein Führerkorps zu einer Weiterbildung mit dem neuen Waffensystem "Schwerer Waffenträger Infanterie". Alena Schleicher
+4 Bilder

Am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg übte der Kommandeur und General der Infanterie, Brigadegeneral Michael Matz, mit seinem Führerkorps den Führungsprozess unter besonderen taktischen Herausforderungen: Die Infanteristen führten erstmals den neuartigen "schweren Waffenträger Infanterie" in der für sie ungewohnten Operationsart "Verzögerung".

Wenn Soldaten von der "Operationsart Verzögerung" sprechen, meinen sie damit ein Gefecht gegen einen materiell und zahlenmäßig stark überlegenen Feind. Da eine Niederlage im direkten Gefecht vorprogrammiert wäre, weichen die Soldaten dem Feind planmäßig aus und nehmen Gebietsverluste in Kauf.

Während sie ausweichen, schießen sie den Feind immer wieder an, um ihm Verluste zuzufügen und seinen Vormarsch zu verzögern. Diese Taktik kleiner Nadelstiche schwächt den Feind und gewinnt Zeit für die eigene Truppe.

Da die Verzögerung aufgrund des geplanten Gebietsverlustes eine zügige Fortbewegung voraussetzt, ist sie für die zu Fuß kämpfenden Infanteristen eher ungewöhnlich. Seitdem jedoch bekannt ist, dass ein schwerer Waffenträger mit einer 30 Millimeter Maschinenkanone in die Infanterie eingeführt werden soll, eröffnet dies durch die hohe Reichweite der Feuerkraft neue taktische Möglichkeiten für Infanteristen. Auch diese wurden bei der "Operation Frankenschild" erstmals erprobt.

"Ziel ist es, die Phasen der Planung und Befehlsgebung beim Einsatz eines verstärkten Kampftruppenverbandes sicher anzuwenden. Das muss jeder Offizier erreiche.", eröffnete General Matz die in drei Abschnitte gegliederte mehrtägige Weiterbildung.

Die Planübung begann mit der Auffrischung des Führungsprozesses Deutscher Landstreitkräfte mit dem Schwerpunkt "Entscheidungsfindung nach Erhalt eines neuen Auftrages" in Form einer Planübung. Die Weiterbildungsteilnehmer beurteilten dazu in Gruppenarbeit den Übungsraum anhand von Landkarten.

Am zweiten Tag diente die Geländebesprechung im Operationsraum der Überprüfung des vorläufigen Operationsplans auf dessen Durchführbarkeit mit dem Blick in das reale Gelände. Beantwortet werden sollten hier die Fragen: Ist das Gelände in der Realität tatsächlich so, wie wir es aus der Karte heraus beurteilt haben? Sind die im Teil 1 erarbeiteten Folgerungen und der Entschluss so realisierbar?

Die abschließende Simulation der Planübung am dritten Tag erfolgte mit Unterstützung des Simulationssystems für Rahmenübungen, kurz "SIRA". Hier wurde in Echtzeit ein möglicher Operationsverlauf simuliert und der Operationsplan in seiner Durchführbarkeit überprüft. Im Schwerpunkt galt es, auf taktische Lageentwicklungen zweckmäßig und erfolgreich zu reagieren.

Die Planübung lieferte erste Erkenntnisse zum Einsatz eines verstärkten Jägerbataillons in der Verzögerung, insbesondere mit Blick auf den neuen schweren Waffenträger Infanterie. Die Einführung des Waffenträgers ermöglicht nach Ansicht der Bundeswehr für die Infanterie weitere taktische Operationsmöglichkeiten wie die Verzögerung. Diese könne die Kampfweise der Infanterie grundsätzlich beeinflussen.

Über die Ergebnisse wird beim kommenden "Symposium Infanterie" im nächsten Jahr informiert.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren