Hammelburg
Sehenswürdigkeit

Großer Rummel um Amalberga

Das unerwartete Auftauchen der Frauenfigur auf dem Fels am Hammelberg sorgt für viel Aufsehen. Nicht nur die Hammelburger sind dem Mysterium auf der Spur.
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Amalberga blickt mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand wieder ins Saaletal. Foto: Arkadius Guzy
Amalberga blickt mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand wieder ins Saaletal. Foto: Arkadius Guzy
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Die Neugier hat seit Sonntag schon einige Wanderer auf den Hammelberg geführt. Viele wollen die neue Amalberga sehen und das Geheimnis ihres Auftauchens selbst ergründen.

Natürlich gehe sie hinauf auf den Hammelberg, jetzt da Amalberga unerwartet wieder da ist, sagt die Touristin. Die ehemalige Hammelburgerin, die die Region mal wieder besucht, packt in der Tourist-Information den Flyer über die "Geheimnisvollen Figuren" ein.

Die Rückkehr von Amalberga habe das Interesse an den Figuren auf einen Schlag geweckt, sagt Daniela Schorn, Leiterin der Tourist-Information. Es gebe vermehrt Nachfragen. Und das nicht nur von Touristen: Unter anderem den Bayerischen Rundfunk - Radio und Fernsehen - hat das Geheimnis um Amalberga nach Hammelburg gelockt.

Denn der Künstler bleibt weiterhin unbekannt. "Wir haben nur Hinweise darauf, wer es alles nicht war", erklärt Schorn. Ein spannendes Rätsel bleibt auch die Frage, wie die Statue auf dem Felsvorsprung aufgestellt wurde - eine sicher organisatorisch aufwendige und nicht ganz ungefährliche Arbeit, schließlich muss sie einige Zentner auf die Waage bringen.

Das erste Mal entdeckten Spaziergänger um Ostern 2000 herum eine Figur am Hammelberg. Sie wurde bald Amalberga genannt. In den Jahren darauf besetzten "Der Philosoph", "Die Tänzerin" und "Das Kind" Vorsprünge am Hammelberg. Immer wieder wird kolportiert, dass der damalige Bürgermeister Arnold Zeller wusste, wer Urheber der Kunstaktion war. Er bewahrte das Geheimnis aber bis zu seinem Tod.

Im September 2013 war Amalberga dann plötzlich weg. Wie und wieso, blieb der Spekulation überlassen. Die plausibelste Vermutung besagte, dass das Verschwinden mit dem schlechten Zustand der Figur zusammenhing. Die Witterung hatte dem Material zugesetzt.

So überraschend Amalberga damals verschwand, so unerwartet ist sie am vergangenen Sonntag an ihrem Platz wieder entdeckt worden. Allerdings handelt es sich offenbar um eine Neuanfertigung. Amalberga sieht anders aus als früher. Die Unterschiede, zum Beispiel bei der Frisur oder beim Kleid, fallen deutlich auf.

"Der Künstler wollte uns wohl ärgern", sagt Schorn nicht ganz ernst gemeint. Denn die Tourist-Information hat erst vor wenigen Wochen einen neuen Flyer zu den "Geheimnisvollen Figuren" herausgebracht. Darin ist noch die alte Amalberga als verschwunden aufgeführt. Die Broschüre wird jetzt wohl durch ein Blatt ergänzt werden. Außerdem musste ein touristisches Fotoshooting, das erst vor wenigen Tagen stattfand, in dieser Woche wiederholt werden, weil dabei noch der leere Felsen und die Tafel mit dem Suchaufruf nach Amalberga abgebildet worden waren.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) und Stadtbaumeister Detlef Mohr kennen die Details der Amalberga-Aktion ebenfalls nicht. Er sei vorab nicht informiert worden, erklärt Mohr, der von sich sagt, dass er ansonsten recht gut vernetzt sei. So bleibt nicht nur Amalbergas Auftauchen ein Rätsel. Wie man es in einer Stadt, in der sogleich über alles getratscht wird und in der alles sogleich zerredet wird, schaffen kann, etwas strikt geheim zu halten - das ist das eigentliche Mysterium.

Wer war Amalberga? Das Leben von Amalberga führt ins frühe Mittelalter, ins 6. Jahrhundert. In der Zeit rangen verschiedene Stämme um Einfluss. Amalberga entstammte einem ostgotischen Geschlecht und war die Tochter des ostgotischen Herrschers Theoderich. Sie wurde mit dem Thüringerkönig Herminafried verheiratet. Der Sage nach soll sie auf dem Hammelberg eine Burg gehabt haben und dort vom Felsen ihre Liebhaber in den Tod gestürzt haben.


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