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Hammelburg
Schule

Für ein gutes Miteinander

Respekt, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz: Romina Drignat ist "Wertebotschafterin" am Hammelburger Frobenius-Gymnasium. Die Werte sollen durch verschiedene Projekte etabliert werden.
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Ganz wichtig: Mit Schülern über Werte sprechen (von links) Lea Ulsamer, Leni Wahler, Lara Ulsamer, Romina Drignat, Moritz Steinel.  Foto: Doris Bauer
Ganz wichtig: Mit Schülern über Werte sprechen (von links) Lea Ulsamer, Leni Wahler, Lara Ulsamer, Romina Drignat, Moritz Steinel. Foto: Doris Bauer

Wie können Werte Schülern vermittelt werden? Welche Werte gibt es? Welche davon sind wichtig? Was sind überhaupt Werte? Diesen Fragen hat sich die 14-jährige Schülerin Romina Drignat des Frobnius-Gymnasiums gestellt. Sie wurde zur "Wertebotschafterin" ausgebildet und möchte, dass alle Mitschüler von einem guten, von Werten geprägten Miteinander profitieren.

Oberstudienrätin Eva-Maria Conrad ist Projektbetreuerin, unterstützt Romina in organisatorischen Dingen und spricht sich mit ihr ab, was wie am besten möglich ist und erklärt: "Die Initiative zum Wertebotschafter geht vom Kultusministerium aus. Anlass dafür waren unter anderem Zeitungsmeldungen, darunter die Frage des WDR nach mehr Zivilcourage als Reaktion auf den Anschlag in Halle, eine Mobbingtat mit Todesanzeige an einer Schule in Nördlingen und die Ergebnisse der Shell-Jugendstudie 2019, die zeigt, dass Toleranz, Pragmatismus, Leistungsbereitschaft und Werteorientierung im Allgemeinen den Menschen zwischen 12 bis 25 Jahren sehr wichtig sind."

Genügend Ansatzpunkte

Was erhofft sich die Schule vom Einsatz einer Wertebotschafterin? "An unserer Schule scheint die Welt in Ordnung zu sein, dennoch gibt es genügend Ansatzpunkte, die ein gutes Miteinander weiter stärken und fördern können. So wird Romina hospitieren, wenn Klassen ihren Anti-Mobbing-Tag haben und dabei auch über Werte sprechen, damit sich daraus vielleicht eine Aufgabe entwickeln kann, die mit dem Werteteam dann genauer erarbeitet werden wird. Außerdem sind Achtsamkeit und Respekt untereinander immer ausbaufähig. Gerade in der Mittelstufe wünsche ich mir als Lehrer manchmal, dass die Schüler das Privileg 'lernen zu dürfen' und sich Bildung zu erwerben, bewusster wahrnehmen und auf alle Fächer ausdehnen würden", bemerkt Eva-Maria Conrad, "und die Initiative der Schüler, ihre Ideen und ihr Potenzial zu nutzen erscheint mir sehr sinnvoll, denn zum einen sind sie viel näher an ihren Altersgenossen dran und wissen, was ankommt. Die Inhalte werden ähnlich sein, aber die Art sie rüberzubringen und die Mitschüler zum Mitmachen zu motivieren, kann Gleichaltrigen viel besser gelingen als uns Lehrern. Wenn die Initiative aus der Schülerschaft kommt, wird Selbstständigkeit, selbstgesteuertes Lernen und Eigeninitiative gestärkt. Für vieles braucht es vielleicht den Rat oder die Rückenstärkung durch uns Lehrer, aber unsere Schüler haben schon mehrfach bewiesen, dass sie sehr gut in der Lage sind, selbst etwas auf die Beine zu stellen."

Am Frobenius-Gymnasium gibt es mittlerweile ein Zwölfköpfiges Team um die Wertebotschafterin. "Werte sind wichtig für ein gutes Miteinander, weshalb das Lernen von Werten ebenfalls sehr wichtig ist", ist sich Romina Drignat sicher. Die Werte sollen durch verschiedene Projekte etabliert werden. So soll es einen "Semesterwert" geben, mit dem sich jede Klasse ein halbes Jahr auseinandersetzt. Welche Werte das sein sollen, können die Schüler selbst bestimmen. Dabei sieht sich Romina nicht nur als Lehrende, sondern lebt auch die Werte selbst: "Am wichtigsten für den Schulalltag sind Respekt, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz und Aufmerksamkeit."

Die 14-Jährige sieht sich als Wertebotschafterin in der Schule akzeptiert: "Die meisten wissen anfangs nicht, was man darunter verstehen soll, aber nach einer kurzen Erklärung sind sie dann meist positiv überrascht, dass man sich als Schüler schon für Werte einsetzt. Außerdem arbeite ich daran, jedem ein klares Bild über meine Aufgaben zu verschaffen. Viele unterstützen mich und wollen im Team mithelfen."

So wurde ihr Amt beispielsweise bereits von den Klassensprechern kommuniziert, und die ZFU-Stunden (Zeit für uns) nutzte sie für eine Vorstellung. Romina sieht sich selbst als "offen und selbstbewusst" und hat keine Probleme, auch älteren Schüler gegenüber ihre Werte zu vertreten - im Gegenteil: "Die sind offen für neue Projekte."

Romina ist stolz auf ihr Amt und würde sich freuen, dieses lange zu begleiten: "Aber natürlich kann es sein, dass ich mich in der Oberstufe mehr auf die Schule und das Lernen konzentrieren muss und deswegen keine Zeit mehr habe."

Auch Thema im Unterricht

Wie wurden Werte bisher vermittelt? "Natürlich spielt auch im Unterricht die Werteerziehung immer eine Rolle", berichtet Eva-Maria Conrad, "Das beginnt schon mit den Verhaltensregeln. In Fächern wie Sozialkunde, Geschichte, Ethik, Religion aber auch Latein, Deutsch, Geographie und Wirtschaft, sind sie auch Teil des Lehrplans. In unserer Fair-Trade-Schule ist es schon selbstverständlich, dass es auch einen gewissen Einsatz dafür braucht, Werte bewusst zu machen, einzufordern, zu fördern und sich auch im Alltag außerhalb der Schule dafür einzusetzen. Von daher ist Werteerziehung nichts Neues. Dass die Initiative aber von den Schülern ausgeht und sie ihre Prioritäten selbst setzen und eigene Forderungen aufstellen können, das ist neu!" Die Lehrerin hat die Erfahrung gemacht, dass es nicht für jede Schule selbstverständlich ist, eine Wertebotschafterin zu haben und auch die dazu notwendige Plattform als Arbeitsbasis zu schaffen. Für Oberstudiendirektor Matthias Ludolph hingegen steht fest, dass dies eine "sehr wertvolle Initiative ist, schon allein um bestimmte Aspekte zu reflektieren und Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, zu vertiefen - genauso wie ein gutes soziales Miteinander."

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