Dittlofsroda
Umweltschutz

Führung auf den Versuchsfeldern in Wartmannsroth

Auf Versuchsparzellen hat Werner Vogt-Kaute Hirsesorten und ausdauerndem Weizen angepflanzt. Das soll klimaresistente Sorten hervorbringen. Dafür hat sich jetzt der Bund Naturschutz interessiert.
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Projektleiter Werner Vogt-Kaute   (rechts) erklärt die Besonderheiten des ausdauernden Weizens. Elisabeth Assmann
Projektleiter Werner Vogt-Kaute (rechts) erklärt die Besonderheiten des ausdauernden Weizens. Elisabeth Assmann
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Es ist trocken auf Frankens Äckern, und es wird langfristig noch wärmer und trockener, wenn nicht radikal Politik, Landwirtschaft und jeder einzelne Verbraucher entgegenwirkt. Daher hatte der Bund Naturschutz im Rahmen des vom bayerischen Umweltministerium geförderten BN-Umweltbildungsprojektes "Unser Essen - unser Klima" eine Führung mit dem Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute aus Wartmannsroth auf seinen Versuchsfeldern organisiert. Dort ging es um Pflanzversuche mit 40 Hirsesorten und mit ausdauerndem Weizen.

War bis zum 20. Jahrhundert die Pflanzenzüchtung in den Händen von Landwirten, wird das Saatgut heute nur noch von wenigen Monopolisten erzeugt und die Ergebnisse sind nicht auf die Anforderungen des Ökolandbaus ausgelegt. Projektleiter Vogt-Kaute erklärte zu Beginn der Führung das Prinzip der Populationszüchtung im Unterschied zur Hybridzüchtung, bei der jede Pflanze gleich ist. Bei der Populationszüchtung können Individuen auftauchen, die für den Klimawandel wichtige, neue oder wiederentdeckte Eigenschaften haben, wie zum Beispiel eine erhöhte Toleranz für Trockenheit.

Die Hirse ist eine alte Kulturpflanze und war bis ins 17. Jahrhundert eine der drei wichtigsten Getreidesorten in Europa - bis die Kartoffel ihren Siegeszug antrag. Weltweit, vor allem in Afrika, gehören verschiedene Arten von Rispenhirse wie Sorghumhirse, Kolbenhirse, Perlhirse und Teff immer noch zu den zehn wichtigsten Getreidesorten. Sie vertragen die Trockenheit gut. Der Anteil an Aminosäuren und Methionin in der Hirse ist hoch, das ist wichtig für die Ernährung von Öko-Geflügel und Schweinefütterung.

Die Versuchsparzellen Vogt-Kautes in Wartmannsroth stehen im zweiten Jahr und noch an zwei weiteren Standorten in Deutschland. Der Großteil der Hirsesorten stammt aus Russland, es werden aber auch alte einheimische Sorten geprüft.

Im Gegensatz zur Hirse ist das Projekt mit ausdauerndem Weizen eine komplett neue Züchtung im Ökolandbau. Bei dem für drei Jahre bis 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt geht es um mit dem ausdauernden Weizen um eine neue Kulturpflanze aus der Kreuzung eines ausdauernden Grases aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) mit dem Kulturweizen Triticum aestivum. Wegen seines ausgeprägten Wurzelsystems kommt die Neuzüchtung besser mit Trockenzeiten und einem geringeren Nährstoffangebot zurecht. Im Vordergrund des Projektes steht dabei nicht die Ertragsmaximierung, sondern die Minimierung des Aufwandes für Anbau und Ernte sowie ökologische Aspekte wie etwa eine Reduzierung der Bodenerosion und CO 2 -Bindung.

Der Anbau ist an drei Standorten vorgesehen, die sich hinsichtlich der Höhenlage, der Niederschläge und der Bodenpunkte unterscheiden. Es werden fünf selektierte Linien und verschiedene Anbausysteme mit und ohne Untersaat geprüft. Durch den mehrjährigen Anbau und der damit reduzierten Bodenbearbeitung lässt sich der CO2-Bilanz wesentlich verbessern. "Das ist eine Riesen-CO2-Senke," pflichtete Franz Zang, der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe bei.

Während dies in Deutschland noch kaum ein Thema ist, erkennen Russland und Nordamerika die Bedeutung dieser landwirtschaftlichen Anbaumethode. Auch bei den Untersaaten gibt es verschiedene Varianten wie etwa Weißklee oder Erdklee. Faktoren die hier bewertet werden, sind unter anderem der Wiederaustrieb, Ertrag, Robustheit gegen Pilzkrankheiten.

Vogt-Kaute zeigte in seinem Garten auch Wintererbsensorten, die bis 1900 stark in Deutschland verbreitet waren sowie Ackerbohnen und Lupinen, die bei uns jetzt wieder als Kultur eingeführt werden. Am Dienstag, 30. Juli, findet in Dittlofsroda ab 11 Uhr ein Hirsefeldtag mit internationalen Referenten statt. Anmeldungen sind möglich unter Tel.: 08137/63 72 900 oder Info@naturland-beratung.de. Veranstalter sind der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (Vern), Naturland und die Hochschule von Eberswalde.

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