Aura an der Saale
Treffen

Experten tauschen sich aus

Um Gewässerunterhaltung und Artenschutz ging es bei einem Nachbarschaftstag in Aura. Exkursionen gab es zur Hangsicherung an der Staatsstraße zwischen Euerdorf und entlang der Fränkischen Saale.
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Reinhold Kiesel erklärt den Teilnehmern die Beschaffenheit der Raumgitterwand.  Foto: Hilmar Ruppert
Reinhold Kiesel erklärt den Teilnehmern die Beschaffenheit der Raumgitterwand. Foto: Hilmar Ruppert
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Wie mit naturnaher Gewässerentwicklung ein Stück wertvolle und attraktive Natur in die Gemeinden geholt werden kann - darüber diskutierten die Teilnehmer des Gewässer-Nachbarschaftstags, der in diesem Jahr in Aura stattfand. Gemeindevertreter, Ingenieurbüros, Fischereifachberatung, Amt für Ernährung, Amt für ländliche Entwicklung sowie Vertreter des Landkreises tauschten sich untereinander aus.

Nachbarschaftsberater Martin Rottenberger vom Wasserwirtschaftsamt referierte zum Thema Gewässerunterhaltung und Naturschutz. Aus seinen Ausführungen ging hervor, dass Gewässerunterhaltung und Artenschutz nicht immer einen Widerspruch bedeuteten. Vielmehr hänge die Artenvielfalt an unseren Gewässern in hohem Maß von der Gewässerunterhaltung ab. Allein in Bayern gebe es rund 1500 Tierarten, die an den Gewässern beheimatet sind, viele davon seien auf der Roten Liste geführt.

So seien gesetzlich geschützte Biotope nicht an Abgrenzungen gebunden. Vielmehr seien Flächen, sobald eine bestimmte Artenzusammensetzung erreicht wird, durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Zu ihnen gehörten natürliche und naturnahe Fließgewässer, Hochstaudenfluren, Auwälder und viele andere. Rottenberger sprach auch die Maßnahmen zur Vermeidung von artenschutzrechtlichen Verbotsbeständen im amphibischen und terrestrischen Bereich an.

Gewässer-Nachbarschaftstage dienen dazu, Mitarbeiter im Bereich Gewässerunterhaltung zu qualifizieren, wichtige Ansprechpartner kennenzulernen, Kontakte zu pflegen, Erfahrungen auszutauschen und Tipps zu sammeln. Dadurch wird eine zielgerichtete, gewässerverträgliche und nicht zuletzt wirtschaftliche Unterhaltung möglich. Das spart Zeit und Geld und hilft den Gewässern, der Umwelt und allen Beteiligten.

Nach der Mittagspause fanden Exkursionen zur Hangsicherung an der Staatsstraße zwischen Euerdorf und Aura entlang der Fränkischen Saale, sowie zur nahegelegen Ausgleichsmaßnahme für dieses Projekt, statt. Außerdem stellte Bürgermeisterin Patricia Schießer die geplante Ufergestaltung zur Lenkung Freizeit und Erholung vor. Reinhold Kiesel vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt erinnerte daran, dass man 2015 erste Risse in der Straße festgestellt hat und ein Abrutschen des Hanges befürchtete. Sowohl der Einsatz von Gabionen, der einer Stützmauer als auch die Verbreiterung der Straße nach oben in den Wald hinein mussten verworfen werden. Letztendlich sei er der erste in unserer Region gewesen, der eine Raumgitterwand einsetzte. Die Teile hierfür kamen aus Österreich. Die 335 Meter lange Wand weist 1800 Quadratmeter auf, wurde mit 536 Ankern an der Spritzbetonwand befestigt und verschlang 2,5 Millionen Euro. Insgesamt beliefen sich die Kosten mit Straßenbau auf 4,5 Millionen Euro.

Grundwasser begünstigt

Unweit der Baustelle wird derzeit eine naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahme durchgeführt. Hierfür wurde extra eine Überführung geschaffen. Nach den Worten von Miriam Glanz vom Planungsbüro werde durch die Maßnahme die Grundwasseranreicherung begünstigt, wieder neue Strukturen geschaffen und auf Details wie Hell/Dunkel-Zonen geachtet. Auch gebe es Änderungen bei der Fließgeschwindigkeit, die sich positiv auf den Hochwasserschutz auswirkten. Bereits vor etwa 15 Jahren hätte es saaleaufwärts ein ähnliches Projekt gegeben, ein beachtlicher Erlen-Auwald sei dort das Ergebnis.

"Der Markt Euerdorf bekommt zukünftig auch seinen Strandbereich", freute sich Bürgermeisterin Patricia Schießer. Es werde zwar kein Sandstrand, aber Grillplatz, Kneipp-Becken und ein neu angelegter Bereich für die Kanufahrer würden nicht fehlen. Abschließend legte Rottenberger den Fokus noch einmal auf die Gewässerentwicklung. Man müsse die Bevölkerung auf das Schutzgut Gewässer hinweisen. Er bedankte sich bei allen Anwesenden und freue sich schon jetzt auf die Projekte und deren Umsetzung.

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