Obereschenbach
Geschichte

Einblick in den Mühlenalltag

Der Wandel der Zeit ist an der Dürrmühle ablesbar. Seit 1990 ist sie nicht mehr in Betrieb, aber alle Gerätschaften funktionieren noch einwandfrei. Das erlebten die Besucher bei einer Führung durch die Mühle.
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Die Mühlenführung übernahm Benno Zellhan.  Fotos: Gerd Schaar
Die Mühlenführung übernahm Benno Zellhan. Fotos: Gerd Schaar
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Den Tag der offenen Dürrmühle gibt es alle zwei Jahre jeweils am Feiertag Mariä Himmelfahrt seit 2001. Auch heuer war reger Publikumszulauf, trotz des regnerischen Wetters. Mühlenbraten, Elsässer Flammkuchen und weitere Leckereien aus den Händen des ansässigen Feuerwehrvereins lockten die Besucher am Donnerstag in den Hof der Dürrmühle. Die Mühlenführung übernahm Benno Zellhan.

Auf fünf Generationen mit Mühlenbesitz blickt Seniorchef Waldemar Zellhan zurück. Längst hat der 85-Jährige die Dürrmühle an seinen Sohn Benno übergeben. "Aber mein Herz hängt noch an dieser Mühle", verrät er der Zeitung. Seit über 200 Jahren habe die Dürrmühle die Ortschaft Obereschenbach und die umliegenden Dörfer mit Getreidemehl versorgt. "Damals war der Müller noch fest in die handwerklichen Zünfte des Dorfes eingebunden", sagt Waldemar Zellhan. Recht stolz seien früher die Müller gewesen, waren sie doch die Einzigen, die den Landwirten das Getreide abnahmen und verarbeiteten.

Erneut aufgeblüht sei der Mühlenbetrieb noch in der Nachkriegszeit, als alles zerbombt war und Hungersnot herrschte. Doch nach und nach kam der Wiederaufbau, und so bekamen die Großbetriebe die Oberhand über die kleinen Mühlen. "In den Kriegsjahren gab es noch etwa 85 000 Mühlen in Deutschland", sagt Waldemar Zellhan. Neben einer bestehenden Dürrmühle wurde die neue Mühle 1950 errichtet. "Die lief täglich 24 Stunden und hatte 2,5 Tonnen Tagesleistung", bestätigt er. Die Bevölkerung in Obereschenbach nahm damals durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene stetig zu. Da wurde Mehl für das tägliche Brot dringend gebraucht.

Was zunächst nach einem gesicherten Generationenwechsel aussah, fing in den späten 1960er Jahren an zu wackeln. "1977 erreichte das Mühlensterben der Kleinbetriebe allgemein seinen Höhepunkt", erinnert sich Benno Zellhan. Der Preiskampf der Großbetriebe siegte bei den damals noch vorhandenen Landbäckern. Trotzdem führte Waldemar Zellhan die Dürrmühle noch bis 1990 als Nebenerwerb weiter. Dann war auch das Ende dieser Mühle besiegelt. Dass die Mechanik darin heute noch bestens funktioniert, davon konnten sich jetzt die Besucher überzeugen. Waldemar Zellhan hatte im Vorfeld viel Zeit aufgewendet, alles zu überprüfen und zu reinigen.

Man bewunderte die Mühlsteine und die Gusswalzenwerke in der Dürrmühle. Hauptsächlich Roggen wurde dort gemahlen. "Die Kunst des Müllers ist es, aus dem angelieferten Getreide ein Maximum an Menge und Qualität herauszuholen", sei für Waldemar Zellhan ein stetes Ziel gewesen. Alle zwei Stunden gab es auch heuer wieder diese Mühlenführung. Waldemar und Benno Zellhan erinnern sich gerne an den Besuch von Michael Glos, den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister. Das war zum Mühlenfest am 15. August 2011. Glos legte zusammen mit Waldemar Zellhan 1967 die Meisterprüfung für Müller ab. Da wurden gemeinsame Erinnerungen wach.

Auf die Geschichte der heimatlichen Mühlen wird die neue Ortschronik von Obereschenbach eingehen, mit deren Fertigstellung heuer gerechnet wird. Ab dem 14. Jahrhundert sei der Mühlenbetrieb am Eschenbach nachweisbar. So zum Beispiel eine ehemalige Mühle des Albrecht II. von Thüngen zwischen Unter- und Obereschenbach. Ein stetes Problem war die nicht immer zuverlässige Wasserzufuhr für die Mühlen. Deshalb kamen ab 1927 in der Dürrmühle eine sogenannte Ossberger-Turbine, ein Dieselmotor und später noch ein Elektromotor als Antrieb des Mühlrades zum wechselweisen Einsatz.

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