Schon seit einiger Zeit suchte die "Tafel" ein neues Domizil und fand es in der ehemaligen Bahnmeisterei. Im Eigentum von Gisela Jobst, schlossen die Tafel-Verantwortlichen mit der Besitzerin einen Pachtvertrag über zehn Jahre ab und verfügen nun über mehr Platz, einen Kühl- und Lagerkeller, Toiletten und sogar über eine überdachte Pergola für Wartezeiten oder einen persönlichen Austausch. Außerdem gibt es ausreichend Parkplätze.
"Unser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wir haben hier den Vorteil größerer Räume, eines barrierefreien Zugangs und einer problemlosen Anfahrt für unsere Fahrzeuge", freut sich Tafelvorsitzender Dieter Roth. Dies war im vorherigen Standort in der Krötengasse nicht mehr gegeben. Die dortigen, beengten Verhältnisse genügten der wachsenden Abholer-Zahl nicht mehr, die Aufgangsstufen erwiesen sich als Hindernis und die Fahrzeuglenker mussten ihr Können aufbieten, wenn sie rückwärts in die Verbindungsgasse zwischen Marktplatz und Weihertorstraße einfuhren.
Sind die Wege zum Bahnhof für die Kunden weiter geworden? "Vielleicht für einige Personen. Für Abholer aus der Asylbewerber-Unterkunft im Ofenthaler Weg ist es kaum weiter, wenn sie die Bonifatius- und die Seeshofer-Straße nutzen. Rollstuhlfahrern und Schwerbehinderten bringen wir die Lebensmittel auch zu ihrem Wohnort in die Stadt und in naheliegende Ortschaften", sagt Roth. "Beim Einkauf für Großfamilien müssen natürlich mehrere anpacken", fügte er hinzu.
Die Frage nach der gewachsenen Zahl der Bedürftigen beantwortet er mit dem nicht mehr zu übersehenden Auseinanderklaffen der sozialen Schere. "Bei der Gründung im Jahr 2004 verzeichnete die Tafel über rund 40 Abholer. Heute sind es - Familien mit eingeschlossen - etwa 380 Personen, die über 175 Berechtigungsscheine verfügen. Wir haben an Abholtagen bis zu 75 Kunden", informiert der Vorsitzende.
Ein hohes Lob spendet Roth seinen rund 45 Mitarbeitern, die sich fast ausnahmslos ehrenamtlich engagieren. "Der Umzug lief durch die hervorragende Zusammenarbeit nahezu reibungslos. In zwei Wochen schafften wir den Ab- und Aufbau und das Umladen plus anfallender Arbeiten im neuen Gebäude", erklärt er stolz.
In seiner Begrüßung der Gäste und Helfer stellte er klar: "Wir sind nicht gekündigt worden, sondern sind im guten Einvernehmen mit der Familie Claßen ausgezogen, die Verständnis für die Veränderung zeigte und uns weiterhin unterstützt, zum Beispiel mit ihrer Garage für einen Adventsmarkt", betonte er.
Bürgermeister Armin Warmuth freute sich über die "richtig junge Tafel in Hammelburg", deren Start einst auf Bretterkisten im Keller des Vinzenz-Koch-Hauses begann. "Es gibt durchaus Menschen, die diese Hilfe dringend brauchen. Wir können uns glücklich schätzen mit vorhandenen Lebensmitteln helfen zu können", betonte er. Die Anerkennung galt den Ehrenamtlichen, Unterstützern sowie den Lebensmittelläden und -märkten als Lieferanten und der Familie Jobst für die Verpachtung. Respekt für das Engagement übermittelte er auch namens seiner Bürgermeisterkollegen Karlheinz Kickuth, Manfred Öftring und Jürgen Kahle.
Tafel-Ehrenvorsitzender Winfried Benner warf einen Blick in die Vergangenheit, in der sich auch die "Rhön-Achse" bildete, die Zusammenarbeit mit den Tafeln in Bad Kissingen und Bad Brückenau, die sich noch heute im Austausch von Lebensmitteln bewährt. Sein Lob galt seinem Nachfolger Roth und dem Team.
Die Segnung der Räume und Menschen, die hier ein und ausgehen, nahm Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher auch namens seines evangelischen Amtsbruders Robert Augustin vor. "Unser Dank gilt auch den Spendern die Lebensmittel nicht wegwerfen, sondern für nicht selbst verschuldete Armut weitergeben. Die Hammelburger Tafel ist ein Segen für viele. Die Kirche steht nicht nur im Gebet, sondern auch im sozialen Handeln in der Verantwortung", unterstrich der Geistliche, der ein Lied mit der Gitarre begleitete.
Im Rahmen kleiner Führungen konnten die Besucher die Räume besichtigen und erhielten einen Eindruck vom neuen Domizil und seiner Arbeitsweise. Jetzt hofft der Vorsitzende auf weitere Freiwillige "denn unser Team wird auch älter". Insbesondere Fahrer sind gesucht, die den Lieferbetrieb aufrecht erhalten.