Euerdorf
Judentum

Ein Stein erzählt jüdisch-deutsche Geschichte

Bei der Vernissage im Museum Terra Triassica steuern Bürger ihre Erinnerungen an das Zusammenleben mit jüdischen Mitbürgern auf dem Dorf bei.
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Vernissage in Terra Triassica. Mitte Dr. Martina Edelmann, Veitshöchheim und Bürgermeisterin Patricia Schießer.Werner Vogel
Vernissage in Terra Triassica. Mitte Dr. Martina Edelmann, Veitshöchheim und Bürgermeisterin Patricia Schießer.Werner Vogel
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Seit 2011 tauschen Museen in Unterfranken ein Exponat ihrer Sammlung mit einem anderen Museum aus. "Kunst geht fremd" - ist der erste, feststehende Teil der Werbebotschaft und wird in diesem Jahr durch den Zusatz "...und zeigt Kante", ergänzt. Mit dabei, das Museum Terra Triassica in Euerdorf. Da weiß man um die Bedeutung des "Schatzkästleins", wie es Patricia Schießer nennt. Die Bürgermeisterin dankt allen Verantwortlichen, die das wissenschaftlich anerkannte Museum aufgebaut haben und es lebendig erhalten.

Wie in den vergangenen Jahren haben sich auch Kindergarten und Grundschule dem Exponatentausch, diesmal aus dem jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim, gewidmet. Aus dem kleinen Gedenkstein für Kriegsgefallene - gerne als Helden bezeichnet - der in Euerdorf ausgestellt wird, haben KiGa Leiterin Renate Kröckel und Monika Vorndran von der Einhard Grundschule "Helden des Alltags" als Motiv ausgegeben. Im Kindergarten wurden Friedenssteine mit Motiven wie Taube, Herz oder Regenbogen bemalt und in der Schule unter Anleitung von Steinmetzmeister Alexander Kugler kleine Denkmale mit Initialen aus Blähtonsteinen gehämmert. Die Helden sind hier: Eltern, Feuerwehr, Polizei, Wasserwacht, Sanitäter... Bis zur Finissage sind sie im Museum ausgestellt.

Tapfere Helden

Die Millionenjahre alten Versteinerungen des "Saurierfährtenmuseum" Terra Triassica in Euerdorf haben in diesem Jahr einen ganz jungen und in vieler Hinsicht durchaus kantigen Stein zu Gast. "Aber der kann eine spannende Heimatgeschichte erzählen", wie Dr. Martina Edelmann, Leiterin des jüdischen Kulturmuseums Veitshöchheim den Besuchern in ihrem Vortrag erläuterte.

Der Muschelkalkbrocken, faustgroß, rau, gebrochen gäbe nicht viel her, wäre nicht das teilweise erhaltene Fragment eines Davidsterns erhalten. Das aber macht ihn zu einem Zeitdokument. 1986, also lange nachdem die ehemalige Synagoge Veitshöchheim zur Feuerwehrhalle geworden war, wurde er bei Renovierungen unter den Trümmern gefunden. Stumm erzählt er vom Zusammenleben mit Juden auf dem Dorf, meint Frau Edelmann, die auch das Kulturamt in Veitshöchheim leitet. Der graue Naturstein war nämlich Halterung für eine Gedenktafel in der Synagoge, die an 16 Juden aus dem Dorf erinnert, die als deutsche Soldaten am ersten Weltkrieg teilgenommen haben. Drei von ihnen sind gefallen, aber auch die Namen aller anderen stehen mit goldenen Buchstaben auf dem schwarzen Glas. "Die Inschrift nannte diese Männer tapfere Helden und symbolisiert damit deren patriotische Einstellung als Deutsche", so die Historikerin.

Auf dem Dorf waren sie gelitten

Diesen dörflich-regionalen Aspekt nehmen Besucher auf und es entspinnt sich eine bemerkenswert kenntnisreiche und einfühlsame Diskussion über dörfliche Aspekte jüdischen Zusammenlebens. So beschreibt Dr. Robert Wahler die Ausreisewellen aus den ländlichen Gebieten nach Hungersnöten in den vergangenen zwei Jahrhunderten und erinnert sich dabei an die Erzählungen seines Großvaters, der als Bauer die Viehverkäufe an die jüdischen Händler schilderte. Die Rituale beim Abschluss waren jüdisch geprägt. "Hebräische Worte und feststehende Redewendungen waren Alltagssprache auf dem Hof". Elmar Hofmann erinnert an bekannte Juden aus Franken, die in Amerika Weltgeltung erreicht haben und Dr. Maximilian Freiherr du Prel verdeutlicht den Unterschied liberalen fränkischen Judentums mit der orthodoxen Bewegung des Glaubens. Ein Stein als Gesprächsstoff für Toleranz. Terra Triassica macht's möglich.

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