Euerdorf
Gratulation

Ein Optimist und Tierzüchter wird 90

Er hat sich nie unterkriegen lassen, immer nach vorne geschaut. Am Samstag, 30. März feiert Willi Ortmann seinen 90. Geburtstag.
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Willi Ortmann erinnert sich gerne - hier bei seinen Urkunden. Am Samstag, 30. März feiert der Euerdorfer seinen 90. Geburtstag.Doris Bauer
Willi Ortmann erinnert sich gerne - hier bei seinen Urkunden. Am Samstag, 30. März feiert der Euerdorfer seinen 90. Geburtstag.Doris Bauer
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Am Samstag, 30. März feiert Willi Ortmann seinen 90. Geburtstag. Und er freut sich sehr darauf - trotz seines bewegten Lebens: "Egal, was war. Ich habe immer nach vorne geschaut", bemerkt der geistig rege Jubilar.

1929 wurde Willi Ortmann als Ältester von drei Geschwistern in Kasimir, Oberschlesien, geboren. Die Eltern, Anna und Paul Ortmann, waren dort in der Landwirtschaft tätig. Und auch die Kinder halfen mit. Bis 1945. "Wir wurden von dort vertrieben. Vier Monate waren wir unterwegs mit Pferd und Wagen, bis wir in Bonnland angekommen sind", erinnert sich der Jubilar und auch, dass er noch kurz vor Kriegsende fünf Wochen lang als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Groß Strehlitz eingesetzt wurde. "Das war eine ganz schlechte Zeit. Das kann sich keiner vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat. Die Flucht aus Oberschlesien war schwierig, weil wir keine Bremsen am Wagen hatten. Und wir mussten über das Altvatergebirge. Mit Stöcken haben wir gebremst, wenn es die Pferde alleine nicht geschafft haben."

Vom Schmied-Azubi zum Landwirt

Dann war die Familie in Bonnland. "Mein Vater konnte dort weiter Landwirtschaft betreiben. In Bonnland sind wir sehr gut aufgenommen worden. Keiner hatte damals etwas. Jeder war auf den anderen angewiesen. Der Zusammenhalt dort war einzigartig. In Bonnland gab es eine bespannte Einheit. Das heißt, dort waren Kompanien mit Pferden. Dort wurden auch verletzte Pferde behandelt", weiß der Jubilar. Seine Ausbildung zum Schmied hatte er wegen des Krieges nicht beendet. Aber auch so waren Tiere immer eng mit seinem Leben verknüpft. Willi Ortmann half zunächst bei den Eltern in der Landwirtschaft mit und übernahm 1960 die Gastwirtschaft "Zum Greif".

Bis 1965 - dann wurde die Gemeinde abgesiedelt. "Ich war der letzte, der in Bonnland ausgezogen ist. Ich hatte mir in Euerdorf ein Grundstück gekauft und dort neben einem Wohnhaus auch eine Gastwirtschaft gebaut", erzählt der Jubilar. Neben seinem Beruf als Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr im Lager Hammelburg führte er die Gastwirtschaft zehn Jahre lang. "Als meine älteste Tochter, die viel in der Gastwirtschaft half, heiratete und fortzog, gab ich diese auf."

Mitglied in jedem Verein

Willi Ortmann hat neun Kinder - bis auf eines wurden alle in Bonnland geboren. In der Marktgemeinde war Willi Ortmann sehr rege. Lange Zeit war er Mitglied in jedem Verein. "Ich bin Gründungsmitglied des Schützenvereins und habe mitgeholfen, das Schützenheim zu bauen." Jetzt ist er dort Ehrenmitglied. "Auch für den Verein der Kleintierzüchter in Nüdlingen war ich beim Hallenbau aktiv", berichtet er. Willi Ortmann war und ist leidenschaftlicher Kleintierzüchter, hauptsächlich Tauben und Hühner. Sogar einen Esel und Pferde besaß er. In den Kindergärten in Euerdorf, Nüdlingen und Hammelburg war er ein überaus beliebter Gast, wenn er mit seinem Brutkasten kam. Dann durften die Kinder beobachten, wie Küken schlüpfen. Gemeinsam mit seiner Frau Lissi unternahm er auch Krankentransporte für das Rote Kreuz oder brachte Hilfsgüter nach Rumänien. Er engagierte sich gerne für andere Menschen.

Chronik von Bonnland

Ein Tiefpunkt war der Tod seiner Frau in 2006. Doch auch diesen Schicksalsschlag musste Willi Ortmann überwinden. Er kümmerte sich weiter liebevoll um seine vielen Tiere. Bonnland ließ ihn ebenfalls nicht los. Bereits 1995 verfasste er eine Chronik. 2012 erschien eine zweite Broschüre mit vielen Bildern und Artikeln: "Bonnland - Ein kleines Dorf mit großer Geschichte". Der Rentner verfügt über ein umfangreiches Archiv zu diesem Dorf. Aber noch anschaulicher sind seine Erzählungen zu den zahlreichen Bildern.

Dreimal die Heimat verloren

Dann kam der Umzug in das Seniorenstift "Thulbatal" nach Oberthulba. "Ich habe drei Mal meine Heimat verloren", meint dazu der Senior nachdenklich, weiß aber auch, dass er hier gut aufgehoben ist. "Ich fühle mich hier wohl. Ich musste umziehen. Die Kraft hat nachgelassen." Aber auch im Seniorenheim ist der 90-Jährige immer noch aktiv. "Ich engagiere mich hier als Patientensprecher." Und auch die zwei Hasen samt Stallung sind auf seine Initiative hin im Seniorenheim eingezogen. Willi Ortmann hat sich nie unterkriegen lassen, immer voraus geschaut und das Gute gesehen. Auf seine Kinder ist er stolz: "Alle haben einen Beruf erlernt und sind gut untergekommen." So darf er sich heute ganz getrost groß feiern lassen.

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