Reith
Pianobühne

Ein Heimspiel für Adriano Prestel und Band

Für gute Laune sorgte Adriano Prestel und Band auf der Pianobühne in Reith.
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Adriano und Band in Aktion: Der Münchner ist gern gehörter Akteur in der Piano-Bühne.  Foto: Winfried Ehling
Adriano und Band in Aktion: Der Münchner ist gern gehörter Akteur in der Piano-Bühne. Foto: Winfried Ehling
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Adriano Prestel gab ein weiteres Mal seine Visitenkarte in der Piano-Bühne ab, die fast schon ein Heimspiel für den Münchner und seine Band ist. Die Mission hieß gute Laune verbreiten - und zwar mit funky music, meist aus den 70er Jahren. Damit fordert Prestel die heutigen "Silver Surfers" der Ära heraus, deren Haare seinerzeit noch üppiger, die Klamotten noch etwas farbiger waren.

In der Tat, das kann der Mann, der mit dem in den Nacken geschobenen Hut ein bisschen wie ein Almbauernbub wirkt. Das Publikum begeistern, ja sogar von den Stühlen reißen, mit Cover-Versionen ausgesuchter Altvorderer ist ein Talent, das ihm wohl mit dem Gesang in die Wiege gegeben wurde. Selbstredend findet sich in seiner Band ein Tross bewährter Instrumentalspezialisten, denen er blind vertrauen kann.

"Let's To Do" und "Pull It Off" eigneten sich als vielversprechende Drive-Openers. Deshalb leichtes Erstaunen, dass bereits der dritte Song, "Let's Get It On" in die Schmuse-Sparte fiel, in der Adriano zunächst verweilte mit Titeln von Al Green oder beispielsweise Billy Whithers. Nun gut, solches kam damals bei Hippies und Rockern gleichermaßen gut an - sehr gut sogar. Förderte es doch die physische Kontaktaufnahme.

Wer einen cool-versierten Drummer in seinem Ensemble weiß, der kann sich auch auf die "Öl-Tonnen-Musik" einlassen, wie der Reggae damals hieß. Chris Stöger verzichtete zugunsten eines soliden Handmade-Schlagzeugs aus Obereschenbach auf verrostete, karibische Ölfässer bei Jimmy Cliffs "The Harder They Come". Mit "Higher Ground" von Stevie Wonder, das den ersten Teil abschloss, ergab sich Gelegenheit für instrumentale Soli, zum Beispiel von dem exzellenten, blondlockigen Keyboarder Matthias Bublath und vom souveränen Bassisten Patrick Scales.

Überraschung nach der Pause. Die Band stimmte gerade "Mac, the knife" an als Pianobühnen-Besitzer Peter Kleinhenz die Bühne enterte und zur Melodie seinen selbstgetexteten "gestressten Autofahrer-Song" trällerte. "Hast du einen alten Diesel und darfst in der Großstadt nicht mehr fahrn, zieh aufs Land über die A 7 da gibt's noch keine Abgasnorm".

Im zweiten Teil ging es in die Sphären, in denen gute Soul-Musik noch eine Nobelmarke waren. Der erwähnte Stevie Wonder scheint Adriano ein Vorbild zu sein, "Superstition" und "Signed, Sealed, Delivered, I'm Yours", zwei der erfolgreichsten Songs des blinden, farbigen Sängers aus Michigan, landeten im Publikum als Stimmungs-Volltreffer. Mit den genannten und ähnlichen Welterfolgen stilisierte sich Stevie Wonder zum "Erneuerer" der Soul-Musik. Marvin Gaye, ebenfalls ein wichtiger Vertreter des Genres, kannten vielleicht nicht alle Anwesenden beim Namen, jedoch sicher sein verträumt-mystisches "I Heard It Trough The Grapevine". Viel zu schnell flog auf einmal den begeisterten Zuhörern die Zeit davon. Deshalb packte Prestel und seine Jungs noch einige Zugaben drauf. Darunter James Browns "Sexmachine" - immer gut zum Mit-Klatschen und zum Singen (weil einfach) - und "You Know You Make Me Shout", das in den 60ern die Beatles in den Charts platzierten. Dabei tobten sich Akteure der Band noch einmal aus zum groovigen Gitarrensound von Lukas Häfner oder den röhrenden Saxophon-Tönen eines Thomas Roth.

Das anschließende "cool-down" an der Bar flankierten Eduard Mendelsohn, Boogie-Woogie-Lutz und Peter Kleinhenz am Piano.

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