Hammelburg
Musik

Ein Hauch von Woodstock

Stimmungsvoller Abend: Die Retro-Band "Tamara-Project" war mit ihrer "Home-again-Tour III" auf dem Viehmakt zu hören.
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Auch Tamara Project und Co in reihten sich bei den Sommerkonzerten des Hamulissimo ein (v. l.) Michael Fahrmeier, Claudia König, Martin Seeberger und Klaus Schmier.
Auch Tamara Project und Co in reihten sich bei den Sommerkonzerten des Hamulissimo ein (v. l.) Michael Fahrmeier, Claudia König, Martin Seeberger und Klaus Schmier.
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Die Konzerte des "Hamulissimo" auf dem Viehmarkt finden zunehmend Gefallen bei den Besuchern. Musikalisch vielseitig, gut organisiert und kostenfrei locken sie Musikfreunde aus der Stadt und der Nahregion zu einem Genießer-Abend, bei dem auch Speis und Trank zur Verfügung stehen. Diesmal war die Retro-Band "Tamara-Project" mit ihrer "Home-again-Tour III" am Zuge.

Schon im vergangenen Jahr zu hören, musste die fünfköpfige Pop-, Rock- , Blues- und Folkformation, die sich 2009 wiedergründete, auf zwei Mitstreiter verzichten. Bassmann Martin Tomaschewski und Keyboarder Frank Krauss weilten im Urlaub. Kurzerhand lud sich Tamara drei Gastmusiker ein. Sängerin Claudia König, den Bassisten Reinhard Stengel sowie Keyboarder Klaus Schmier. Die Gitarristen und Sänger Michael Fahrmeier und Martin Seeberger sowie Drummer Detlef Mohr aus dem Rumpfteam vervollständigten die Gruppe.

Musikalisch ist Tamara - eine der Überlebenden aus der Blütezeit der Hammelburger Bandszene - hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt. Sie pickt Titel von Bands und Sängern dieser Ära heraus und covert sie, wobei sie bewusst auf selbstintonierte Wiedergabe Wert legt. Strenge Authentizität ist zweitrangig.

Der Sound, den das Sextett serviert, fällt in das 50. Jubiläum des legendären Woodstock-Festivals, was in mehreren Titeln seine Reflexion fand , beispielsweise durch Neil Young oder The Band. Ein Vergleich der "Ur-Rock'n'Roll"- Auflage, die 1969 fast 400 000 junge Amerikaner erlebten mit dem Auftritt in der Saalestadt in der sich rund 400 Zuhörer einfanden, ist natürlich ein Unding.

Dennoch fiel ein bisschen Flair der Legende auch auf den Viehmarkt. Die Musik und ein warmer Sommerabend sorgten für angenehme Gänsehaut, Erinnerungen und manchmal wohl auch etwas Sehnsucht. Das heimische Festival hatte den Vorteil, dass es nicht wie aus Eimern regnete und der Viehmarkt kein riesiger Matsch-Acker war.

Insider warteten gespannt darauf was die zusammengezimmerte Gruppe - die nur dreimal gemeinsam probte - auf die Beine stellt. Und das war beachtlich. Insgesamt 35 Songs, vom gefühlvollen "I can see clearly now" und George Gershwins "Summertime" über das treibende "Lies" von J.J. Cale bis hin zum rockigen "Black Magic Woman " und Steve Winwoods "Gimme some loving" reichte das Repertoire, das auch einige Überraschungen bereithielt.

Wer erinnert sich noch an die Band "Buffalo Springfield"? Kaum einer. Der Folgenamen "Crosby, Stills, Nash and Young" hat dagegen noch heute eine guten Klang. "Styx" mit ihrem "Babe" ist ebenfalls vielen Zuhörern nicht mehr geläufig und auch die "Dirt Band" ist so manchem aus dem Gedächtnis entschwunden. Martin Seeberger legte sogar einen eigenen Song hinzu und sang gemeinsam mit Sängerin Claudia "Not Nothing".

Die Band gab trotz knapper Probenzeit ein homogenes Klangbild ab - auch wenn Fahrmeier eine Gitarrensaite riss. Semi-Profis beherrschen ihr Handwerk und finden musiktechnisch schnell zueinander. Aufhorchen ließ Keyboarder Klaus Schmier mit seinem Spiel am Elektro-Piano. "Ich war einmal Kirchenmusiker", gestand der Arzt, der auch Rock und Pop nicht abgeneigt ist, denn "mit irgendwas muss man sein Geld verdienen", wie er schelmisch hinzufügt.

Ein wundervoller Abend auf dem Woodstock-Viehmarkt geht nach dreieinhalb Stunden zu Ende. Die Träume von einst verblassen, doch sie sind noch lebendig - sei es auch nur für einige Stunden.

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