Hammelburg
Ehrung

Ehrenbürgerwürde für Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell bekommt die höchste Würdigung, die Hammelburg zu vergeben hat. Er nimmt dabei die Stadt für ihre einstige Vorreiterrolle in die Pflicht.
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Bürgermeister Armin Warmuth überreicht Hans-Josef Fell (rechts) die Ehrenbürgerschaftsurkunde.Foto: Arkadius Guzy
Bürgermeister Armin Warmuth überreicht Hans-Josef Fell (rechts) die Ehrenbürgerschaftsurkunde.Foto: Arkadius Guzy
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Sein Fachwissen als Klima- und Energieexperte ist weltweit gefragt. Für seinen Einsatz hat er bereits viele nationale und internationale Preise bekommen - zuletzt im vergangenen Herbst den Woo-Preis in Hongkong. Doch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Hammelburg ist für Hans-Josef Fell eine besondere Würdigung. Sie ist am persönlichsten mit seinem Lebensweg verbunden - und es kann als einmalig gelten, dass eine einzige Familie gleich zwei Ehrenbürgerschaften vorweisen kann.

"Mit Stolz und Bewunderung habe ich zu meinem Vater, Karl Fell, aufgeschaut, als er für seine Verdienste als langjähriger Bürgermeister das Ehrenbürgerrecht erhalten hat", sagte Hans-Josef Fell. Der 2012 gestorbene Karl Fell war von 1966 bis 1984 Bürgermeister in Hammelburg. Im Jahr 1984 sprach ihm die Stadt das Ehrenbürgerrecht zu - und nun seinem Sohn, dem früheren Bundestagsabgeordneten der Grünen (von 1998 bis 2013) und heutigen Präsidenten der Energy Watch Group.

Die Auszeichnung führte Hans-Josef Fell, der als Streiter für den Klimaschutz und für erneuerbare Energien weltweit unterwegs ist, zurück zu den Ursprüngen dieses Engagements. "In Hammelburg habe ich begonnen, politisch zu denken", sagte Fell, der Hammelburg nach wie vor zu seinem privaten Lebensmittelpunkt zählt.

Als Stadtrat hatte Fell nach "schwerem Kampf" erreicht, dass 1993 die kostendeckende Vergütung für Solarstrom beschlossen wurde. Damit wurde der Grundstein für die Hammelburger Solarstromgesellschaft (HSG) gelegt. Die Stadtwerke Hammelburg verpflichteten sich, ihr für die Dauer von 20 Jahren zwei DM pro eingespeiste Kilowattstunde zu zahlen.

Mit dem Prinzip der kostendeckenden Einspeisevergütung nahm Hammelburg neben Freising und Aachen eine Vorreiterrolle ein. Die Idee floss später auch in das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ein, für das Fell als Bundestagsabgeordneter maßgeblich verantwortlich zeichnete. Das deutsche EEG wurde wiederum zu einem Vorbild für viele andere Länder.

Alle diese Bemühungen haben den wirtschaftlichen Einsatz erneuerbarer Energien befördert. Fell erklärte: "Wie billig die Solarenergie geworden ist, sehen wir an der Geschichte in Hammelburg: 1993 wurde im Stadtrat beschlossen, zwei DM für eine Kilowattstunde Strom zu bezahlen. Heute kann man in Hammelburg die Solarenergie für etwa zehn Cent pro Kilowattstunde und im sonnenreichen Arabien für zwei Cent ernten."

Bei der Verleihung regte Fell an, auf die Pionierleistung der HSG in der Stadt hinzuweisen, mit Schildern und bei Stadtführungen. Trotz der Entwicklungen in der Vergangenheit fiel Fells aktuelles Urteil negativ aus: "Die Weltgemeinschaft hat beim Klimaschutz versagt." Fell sprach von einer Gefährdung der Lebensgrundlagen, die schon ab 2030 droht, wenn sich nichts ändert.

Daher sei er über die Klima-Proteste der jungen Generation erfreut. Sie erinnerten ihn an seinen eigenen Elan in der 68er-Bewegung. "Ich würde mich freuen, wenn es auch an Hammelburger Schulen Streiks gäbe", sagte Fell. Und an die Stadt richtete er den Wunsch, ihre frühere Vorreiterrolle wieder zu aktivieren.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) hatte in seiner Laudatio zuvor nicht nur das klima- und friedenspolitische Engagement Fells gewürdigt. Als "Mann der ersten Stunde", als Spieler, Trainer und Betreuer habe Fell zum Erfolg des Volleyballsports beigetragen. Außerdem war er bei der Gesangs- und Instrumentalgruppe dabei.

Stellvertretender Landrat Jürgen Englert (SPD), Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann (Grüne) und Bezirksrätin Karin Renner (CSU) würdigten ebenfalls die Pionierleistung und das Engagement Fells. Er wird am Freitag in Berlin ein Gutachten der Energy Watch Group präsentieren. Die Simulationsberechnung beweist, wie Fell erklärte, dass ein weltweiter, 100-prozentiger Umstieg auf erneuerbare Energien machbar ist.

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