Diebach
Natur

Die Welt der Fledermäuse

Sie sind wichtige Bewohner von Wäldern und Häusern, davon berichtete Dieter Fünfstück vom Bund Naturschutz bei einer Führung durch die Wehrkirche. Im Kreis Bad Kissingen sind bisher 16 Arten sicher nachgewiesen worden.
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Hier kann man spüren, wie die Fledermäuse sich festklammern.  Fotos: Elisabeth Assmann
Hier kann man spüren, wie die Fledermäuse sich festklammern. Fotos: Elisabeth Assmann
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Gut 35 Personen, davon viele Kinder, trotzten der Hitze und kamen in den Abendstunden bei der Wehrkirche in Diebach zusammen, um die Bewohner des Kirchturms kennenzulernen.

Von außen sah man elegant fliegende Turmfalken, und wer Glück hatte, konnte sogar eine schön gestreifte Feder finden. Der Bund Naturschutz hatte zu dieser Abendveranstaltung eingeladen. Dieter Fünfstück, Mitglied beim BN und Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe, ist neben BN-Ehrenvorsitzendem Ulf Zeidler wohl der Kenner der Fledermäuse im Landkreis und begeisterte bei dieser Infoveranstaltung mit den vielen Details zur Lebensweise dieser Säugetiere.

Bat-Detektor spürt sie auf

Simone Hepp von der BN-Kreisgruppe war mit von der Partie und erläuterte die Funktionsweise eines Bat-Detektors. Mit diesem Gerät kann man anhand der unterschiedlichen Ultraschall-Frequenzen einzelne Fledermausarten unterscheiden. Mit der Ultraschall-Ortung fangen die Fledermäuse zum Beispiel ihre Beute bei der Jagd in der Luft. Fledermäuse kommunizieren viel, laut und komplex. Das war auch zu hören, als es dann über die steile, schmale Treppe auf den Dachboden der Wehrkirche ging.

Während Töne mit dem Mund produziert werden, wird die Echo-Ortung über die Nase abgestrahlt. Im Sommer leben die Weibchen der meisten Arten zusammen in Gruppen, um ihre Jungen aufzuziehen. Diese sogenannten Wochenstuben können tausende von Tieren beherbergen.

Die Kolonie des Großen Mausohrs in Diebach wird seit 1973 im Sommer erfasst und umfasst momentan 600 Tiere. Zu Spitzenzeiten waren es auch schon einmal 1150. Damit die Hinterlassenschaften der Sommergäste keine Schäden am Boden verursachen, haben Freiwillige in den letzten Jahrzehnten in vielen Dachböden wie hier in Diebach leicht zu reinigende Fußböden und Planen verlegt.

Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermäuse an der Uni Erlangen und Claudia Beyer von der höheren Naturschutzbehörde in Würzburg bereisen den Landkreis zusammen mit ehrenamtlichen Naturschützern im Sommer und im Winter und erfassen die Anzahl und Art der Fledermäuse.

Einige Arten überwintern in Ritzen von ehemaligen Braukellern wie in Sulzthal oder in Einraffshof, andere ziehen sich in Baumhöhlen in den Wald zurück. Falls im zeitigen Frühjahr eine Fledermaus wegen zu warmer Temperatur aufwacht und gefunden wird, sollte man sie immer mit Handschuhen anfassen und in einer Schachtel kühl und dunkel schützen, bis man von ehrenamtlichen Fachleuten aus dem BN oder LBV oder der Unteren Naturschutzbehörde beraten worden ist.

Natürlich wollten nicht nur die Kinder wissen, wie sich die Fledermäuse am Dach kopfüber auf Dauer festhalten können. "Dank spezieller Sehnen bleiben ihre Krallen auch ohne Muskelkraft gekrümmt", erklärt Fünfstück, "so als wären sie eingerastet. Die Fledermaus muss lediglich Kraft aufwenden, um den Haltegriff wieder zu lösen, weshalb auch tote Tiere manchmal noch eine Zeitlang an der Decke hängen."

Erstaunlich fanden es die Teilnehmer auch, als Fünfstück davon berichtete, dass die Fledermäuse nicht nur fliegen, sondern auch laufen. Weltweit gibt es fast 1000 Fledermausarten. Damit sind die Fledertiere nach den Nagern die zweitgrößte Säugetierordnung. In Deutschland ist die Artenzahl viel bescheidener, denn gerade einmal 22 Arten kommen hier vor.

Im Kreis Bad Kissingen sind bisher 16 sicher nachgewiesen worden. Von der sehr seltenen Mücken- und Rauhhaut-Fledermaus, der nicht häufigen Breitflügel-Fledermaus bis zur gängigsten Art, der Zwergfledermaus, und der auffälligsten, dem Großen Mausohr.

Riesiger Nahrungsbedarf

Häufig verheddern sich Zwergfledermäuse am Haus in Vorhängen, und dann werden die ehrenamtlichen Helfer zu Rate gezogen. Wichtig ist es hier, die Tiere am Boden vor Katzen zu schützen. Fledermäuse haben einen riesigen Nahrungsbedarf. Bis zu einem Drittel ihres Körpergewichtes nehmen sie täglich auf. Die Zahlen, die dabei herauskommen, sind beachtlich: Eine einzige Zwergfledermaus kann pro Nacht 1000 bis 2000 Mücken vertilgen. Das sollte jeder Gartenbesitzer wissen, bevor er zur chemischen Keule gegen Insekten greift. Denn das nimmt den Fledermäusen und nicht nur diesen ihre Nahrungsgrundlage.

Wer Fledermäuse in seinem Haus oder in seiner Scheune leben lässt, kann eine Fledermausplakete an seinem Haus anbringen. Beantragen kann man diese beim Bayerischen Landesamt für Umwelt. Infos hierzu gibt es auch bei der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen.

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