Hammelburg
Schule

Cyber-Mobbing und Vorurteile

Das "White Horse Theatre" gastierte im Frobenius-Gymnasium. Das englischsprachige Theater spricht Schüler mit aktuellen Themen an.
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Noch ist die Gemeinschaft in Ordnung, perfektes Lächeln für das Foto: Donny (Adam Beck), Kylie (Jessi-Grace Griffin), Stuart (Joseph Donnison) und Amanda (Stephanie Nell), Elisabeth Assmann
Noch ist die Gemeinschaft in Ordnung, perfektes Lächeln für das Foto: Donny (Adam Beck), Kylie (Jessi-Grace Griffin), Stuart (Joseph Donnison) und Amanda (Stephanie Nell), Elisabeth Assmann
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Vier Jugendliche kommen auf die Bühne. Jeder hat den Blick in sein Handy vertieft, keiner spricht mit dem anderen, nur für ein gemeinsames Foto kommen die vier zusammen. Eine ganz alltägliche Szene, die überall zu sehen ist. Kommunikation über das Handy, aber nicht mit dem Sitznachbarn im Bus oder in der Kneipe. Das Besondere an diesem Stück "Move to junk" von Rebecca Gadsby vom White Horse Theatre über Cyber-Mobbing: Es ist auf Englisch, die vier Schauspieler kommen aus Großbritannien.

Und es behandelt Themen, die das junge Publikum hautnah bewegen dürfte: Amanda kommt neu in die neunte Klasse. Sie hat einen anderen Akzent, spielt gerne Fußball und kommt daher bei ihren Mitschülern nicht gut an. Sie fühlt sich ausgegrenzt. Klassensprecher Jo versucht ihr zu helfen. Das macht Mitschülerin Kylie eifersüchtig. Bald erhält Amanda seltsame Anrufe, im Internet kursieren manipulierte Nacktfotos mit ihrem Gesicht. Jeder weiß Bescheid. Denn die Fotos werden in Windeseile verbreitet. Die Drohungen werden immer schlimmer. Das anonyme Netz senkt die Hemmschwelle. Amanda ist verzweifelt.

Die Klassen 8 bis 10 verfolgen die Aufführung gespannt. Anschließend dürfen sie den Schauspielern Fragen stellen, selbstverständlich auf Englisch. Schauspieler Jo ermuntert sie auf Deutsch. Erst zögerlich, dann aufgeweckter kommen die Fragen aus dem Publikum. Es ist sehr still, als Schauspieler Adam von seinen eigenen Mobbingerfahrungen in der Schule berichtet. Er fordert die Schüler auf, wachsam zu sein und sich nicht zu beteiligen an der Weitergabe von Tratsch und kompromittierenden Fotos und Filmen. "Wir sind alle schuld", kommentiert er, "auch wenn wir nur anklicken und weiterleiten." Auch der Brexit interessiert die Schüler. Die Entwicklung in England sehen die Schauspieler eher mit Bedenken. "Wir sind Teil der Europäischen Union. Das wollen wir bleiben", bekräftigt Jo.

Das Stück beruht auf einer wahren Geschichte: Die kanadische Schülerin Amanda wurde so sehr über das Internet gemobbt, dass sie sich das Leben nahm. Das Ende des Theaterstückes ist nicht ganz so dramatisch, aber alle Zuschauer wissen, wie realitätsnah das Thema gerade für Jugendliche ist.

Für die Unterstufe hatte Fachbetreuerin Eva Schweiger das Stück "The slug in the shoe" ausgewählt. Hier ging es um Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen und um die Vorurteile, dem anderen Geschlecht gegenüber. Die Aufführung gestaltete sich fröhlicher und leichter verständlich als die für die Mittelstufe.

Schweiger organisiert seit Jahren die Aufführung des "White Horse Theatres" am Frobenius-Gymnasium. Sie und ihre Kollegen nutzen das vom Theater angebotene Hintergrundwissen und die Arbeitsmaterialien für Lehrer und Schüler. "Ich schätze an diesen Aufführungen, dass zum Schauspieler ausgebildete Muttersprachler Themen behandeln, die nahe an den Schülern dran sind", so Schweiger.

Denn mit dem Motto von "White Horse Theatre" "Watch, listen, just enjoy" ("Schaut zu, hört zu und genießt"), hat das Theater und auch das Publikum schon lange gute Erfahrungen. Peter Griffith arbeitet seit 38 Jahren mit dem Konzept des pädagogischen Theaters. Das Besondere an den Stücken: Gründer des Theaters und Autor der Stücke Griffith behandelt Themen, die die Jugendlichen berühren und wählt sprachlich ein dem Wissensstand der Schüler angepasstes Niveau.

Den Lehrern werden unterrichtsbegleitende Materialien vorab zu den Theaterstücken gereicht. Sieben Schauspielgruppen touren durch Europa und bringen etwa 300 000 Schülern jährlich die englische Sprache durch Theater näher.

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