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Bundeswehr testet den Hammelburger Flugplatz

Künftig will das Ausbildungszentrum Infanterie den Hammelburger Flugplatz einmal im Jahr für den Sprungdienst nutzen - mit einer speziellen Maschine.
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Die Bundeswehr nutzt für Fallschirmsprünge auch den Flugzeugtyp M28 Skytruck. Foto: Konstantin Möller
Die Bundeswehr nutzt für Fallschirmsprünge auch den Flugzeugtyp M28 Skytruck. Foto: Konstantin Möller

Für die Flugsportgruppe war es ein besonderes Erlebnis. So eine Maschine ist bisher noch nicht von ihrem Flugplatz "Hohe Lanz" gestartet. Vor wenigen Tagen hob dort ein Flugzeug des Typs M28 Skytruck ab. In mehreren Durchgängen brachte es Fallschirmspringer der Bundeswehr in die Luft. Es war ein Pilotversuch.

Die Bundeswehr wollte testen, ob sie den Flugplatz für ihren Sprungdienst nutzen kann. Das Ergebnis: es geht. Stabsfeldwebel Wolfgang Spies ist froh, dass es funktioniert hat. "Es wurde schließlich lange geplant", sagt er. Denn die Vorbereitungen waren aufwendig, wie Leutnant Steffen Schneider erklärt. Spies und Schneider organisieren zu zweit den Sprungdienst für das Ausbildungszentrum Infanterie.

Zu den Lehrgangsteilnehmern gehören auch Fallschirmjäger und weitere Soldaten, die die Qualifikation zum Fallschirmsprung haben. Sie müssen regelmäßig Sprünge absolvieren, um ihre Lizenz zu behalten. Dafür will die Bundeswehr nun mindestens einmal im Jahr zusätzlich den Hammelburger Flugplatz nutzen. "Es geht darum, die Qualifikation aufrechtzuerhalten", erklärt Spies.

Die Maschine des Typs M28 Skytruck hat eine Spannweite von rund 22 Metern und eine Länge von rund 13 Metern, wie ein Bundeswehrfilm auf Youtube das Flugzeug vorstellt. Je nach Gepäck passen etwa acht Soldaten hinein. Die Besonderheit der M28 ist die starke Motorisierung, sodass sie auch kurze Start- und Landebahnen nutzen kann.

Die Landebahn in Hammelburg sei ausreichend. Aufgrund der Neigung sei die Landung für die Piloten aber schon eine Herausforderung gewesen, berichtet Spies von den Probeflügen. Die Starts fanden unter hohen Sicherheitsbedingungen statt. Rettungsteam und Feuerwehr standen für den Fall der Fälle zur Stelle. Auch der Flugleiter wurde von der Bundeswehr gestellt.

Die Luftsportgruppe hatte für die Soldaten ihre Halle geräumt, damit die Fallschirmspringer ihre Ausrüstung nicht unter freiem Himmel packen mussten. Spies lobt die Zusammenarbeit: "Die Luftsportgruppe hat mit uns gut Hand in Hand gearbeitet." Damit die Bundeswehr den Platz nutzen kann wurde eine Vereinbarung geschlossen.

Das Absetzgebiet, also das Gebiet über dem die Soldaten abgesprungen sind und weiter abspringen werden, ist nach wie vor ein Feld bei Adelsberg. Es fanden sowohl Sprünge mit manueller Fallschirmöffnung als auch Automatiksprünge statt. Bei Letzteren öffnet sich der Fallschirm quasi automatisch. Dazu hakt sich der Springer mit einer Ausziehleine im Flugzeug ein, die den Fallschirm nach dem Absprung öffnet.

Laut Spies finden zwei bis drei Mal pro Quartal jeweils an zwei bis drei Tagen Sprungdienste statt. Die Fallschirmjäger gehen dafür bisher von Giebelstadt und jetzt hauptsächlich von Niederstetten aus in die Luft. Dann kommt vor allem die Transall zum Einsatz. Taktische Übungen sind mit der M28 nicht möglich. Denn dafür braucht es eine größere Gruppe an Soldaten, die gleichzeitig abspringen können. Die Transall bringt bei einem Durchgang so viele Soldaten in die Luft wie die M28 an einem ganzen Trainingstag.

Allerdings wird die Transall bei der Bundeswehr langsam aus der Nutzung genommen. Da zugleich das Nachfolgeflugzeug A400M noch nicht für den Fallschirmsprung im Einsatz ist, nutzt die Bundeswehr M28-Skytruck-Maschinen, um die Lücke zu schließen.

Die M28 stammt aus polnischer Herstellung. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung eines sowjetischen Antonow-Modells. Angetrieben wird die M28 von zwei Propellertriebwerken.

Die Bundeswehr mietet schon seit einiger Zeit zwei dieser Flugzeuge von einem privaten Betreiber aus Magdeburg an. Sie wurden dafür etwas umgebaut, vor allem um die Automatiksprünge zu ermöglichen. Die speziellen Eigenschaften des Flugzeugs erlauben es nun, dass es zumindest einmal im Jahr auch auf dem Hammelburger Flugplatz zum Einsatz kommt.

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