Elfershausen
Konflikt

Bundesverband der Unfallopfer: Mitstreiter dringend gesucht

Anton Fleischer strebt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Unfallopfer an. Dessen Präsidentin stand schon zwei Mal wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von Vereinsgeldern vor dem Kadi. Doch das wissen viele Mitglieder nicht.
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Anton Fleischer zeigt den Artikel aus dem "Hamburger Abendblatt": Der 61-Jährige strebt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Unfallopfer an, weil die Verbandspräsidentin wegen Veruntreuung von Vereinsgeldern angeklagt ist. Foto: Markus Reeh
Anton Fleischer zeigt den Artikel aus dem "Hamburger Abendblatt": Der 61-Jährige strebt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Unfallopfer an, weil die Verbandspräsidentin wegen Veruntreuung von Vereinsgeldern angeklagt ist. Foto: Markus Reeh
Es geschah vor rund 15 Jahren. Anton Fleischer hatte einen Autounfall, bei dem er verletzt wurde. Bei den behandelnden Ärzten in Bad Kissingen stieß er auf ein Faltblatt einer Hilfsorganisation, die ein Symposium in Bad Kissingen veranstaltete. Er ging zu der Veranstaltung und war angetan von dem, was er hörte. Der Verein unterstützt Unfallopfer unter anderem bei Gerichtsverhandlungen, schlägt Anwälte und medizinische Gutachter vor und bietet Fortbildungen an.

"Damals hieß er noch Zeller Kreis. 2001 wurde er dann in Bundesverband der Unfallopfer umbenannt", erläutert er. Anton Fleischer wurde Mitglied und zahlte seitdem 80 Euro im Jahr. Gut investiertes Geld, dachte er - bis zum Frühjahr 2013.

Seinerzeit musste sich die Präsidentin des Vereins erstmals vor Gericht verantworten. Der Vorwurf lautete: gewerbsmäßige Untreue. Das Ahrensburger Schöffengericht verhängte gegen die Frau aus Lütjensee in Schleswig-Holstein zwei Freiheitsstrafen: zwei Jahre und drei Monate sowie acht Monate.

Verhandlung am Landgericht

Weil eine Aussetzung zur Bewährung nur bei einer Strafe bis maximal zwei Jahre möglich ist, hätte sie ins Gefängnis gemusst. Doch ihr Anwalt legte Rechtsmittel ein. Daher kam es heuer am 5. Februar zu einer Verhandlung in zweiter Instanz am Landgericht in Lübeck.

Hier wurde sie erneut für schuldig befunden. Allerdings fielen die Strafen diesmal milder aus: ein Jahr und sechs Monate sowie acht Monate - beide zur Bewährung ausgesetzt. So blieb der heute 59-Jährigen das Gefängnis erspart. Anton Fleischer war am 5. Februar in Lübeck als Zuhörer im Gerichtssaal.

Der 61-Jährige ist empört: "Sicherlich war sie viele Jahre sehr rührig für den Verein im Einsatz. Aber das rechtfertigt einen solchen Betrug nicht." 2007 und 2008 soll sich die Verbandspräsidentin - laut Vereinssatzung eine ehrenamtliche Mitarbeiterin - von den Konten des Vereins zu privaten Zwecken bedient haben. Es ging um insgesamt rund 50.000 Euro. Monatliche Rechnungen von 2000 Euro für angebliche Hilfstätigkeiten ihres Mannes sollen vom Vereinskonto beglichen und das Geld ihr zugeflossen sein.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtete am 6. Februar über den Prozess. Die Zeitung zitierte den Vorsitzenden Richter Claas Leplow, der der Angeklagten vorhielt: "Nicht Sie waren für den Verein da. Ganz im Gegenteil: Das Vereinsvermögen war für Sie da."

Revision angekündigt

Anton Fleischer erzählt, der Verein habe seit 2007 keine Mitgliederversammlung mehr durchgeführt. Vor drei Wochen sei dann eine in Hamburg anberaumt worden. "Und sie ist auch wiedergewählt worden", bestätigt er. Offenbar seien viele Mitglieder nicht über die Strafverfahren informiert gewesen.

Die Präsidentin des Verbands der Unfallopfer erklärt auf Anfrage, dass ihr Anwalt in Revision gehen werde. Daher lege sie auch Wert auf die Feststellung, dass sie nicht rechtskräftig verurteilt sei. Zudem verweist sie auf die Hauptversammlung des Vereins in Hamburg. Hier sei sie entlastet und wiedergewählt worden, und die Mitglieder hätten ihr das Vertrauen ausgesprochen. Zu den beim Gerichtsverfahren gegen sie erhobenen Vorwürfen will sie sich aber nicht äußern.

Ihr Anwalt Ernst Medecke sagt, seine Mandantin sei der Ansicht, ihr stehe das Geld zu. Ihre Tätigkeit sei über Rechnungen auf Namen ihres Mannes vergütet worden. Unterm Strich sei dem Verein kein materieller Schaden entstanden. "Das Problem ist nur, dass eine Aufwandsentschädigung in der Satzung nicht drin stand", so der Jurist.

Anton Fleischer sucht jetzt nach anderen Betroffenen, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins einzuberufen. Weil er keine Namens- und Adressenliste hat, hofft er, über Veröffentlichungen in den Medien Mitstreiter zu finden. Aufgrund des Artikels im "Hamburger Abendblatt" haben sich auch schon einige Personen aus dem norddeutschen Raum bei ihm gemeldet. "Ehemalige Vorstandsmitglieder haben sich von ihr schon distanziert und Strafanzeige erstattet", hat er erfahren.

Suche nach Mitgliedern

Der 61-Jährige glaubt, dass es auch im Landkreis Bad Kissingen noch einige treue Beitragszahler gibt, die von den Vorwürfen gegen die Präsidentin nichts wissen. "Wer Mitglied in dem Verein ist, kann mich gern anrufen", betont der im Elfershausener Ortsteil Langendorf wohnende Fleischer.
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