Hammelburg

Brandserie Hammelburg: Kriminalpolizei wartet auf Beweis

Im August brannten in der Altstadt zwölf Autos und eine Mülltonne, im Oktober gab es eine Hausdurchsuchung bei einem Verdächtigen. Das Gutachten des Landeskriminalamtes steht noch aus, die meisten Schäden sind behoben.
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Fünf Kleintransporter wurden im August alleine auf dem Gelände der Hammelburger Post beschädigt, drei wurden ausgemustert, zwei repariert. Noch ist die Brandserie nicht aufgeklärt.  Foto: Archiv Wolfgang Dünnebier
Fünf Kleintransporter wurden im August alleine auf dem Gelände der Hammelburger Post beschädigt, drei wurden ausgemustert, zwei repariert. Noch ist die Brandserie nicht aufgeklärt. Foto: Archiv Wolfgang Dünnebier

Der Schreck war groß: "Die ersten drei Wochen danach konnte ich gar nicht schlafen", erinnert sich Renate Kussius an die Brandserie in der Nacht auf den 24. August in der Hammelburger Altstadt. Ein bislang Unbekannter steckte zwölf Fahrzeuge und eine Mülltonne in Brand, verursachte insgesamt rund 250 000 Euro Schaden. Bei Renate Kussius brannte ein Anhänger vor dem Haus. Noch bevor sie das selbst bemerkte, löschte die Feuerwehr den brennenden Reifen in der Wankelstraße. Die Polizei und rund 80 Feuerwehrleute hatten nach den ersten Bränden die Gassen abgesucht. "Der Anhänger war mit Holz beladen, wenn die Feuerwehr fünf Minuten später gekommen wäre, hätte vermutlich alles lichterloh gebrannt", sagt Renate Kussius.

An dem warmen Abend hatte die Hammelburgerin ihr Fenster geöffnet, Ruß und Qualm breiteten sich in der Wohnung aus. Aber nicht nur deshalb schlief sie in den Wochen nach der Brandserie so schlecht: "Ich bin bei jedem Geräusch aufgesprungen", erzählt Renate Kussius. Mittlerweile sei die Angst verflogen, aber: "Wir stellen auf jeden Fall keinen Anhänger mit Holz mehr vors Haus."

Gummi tropfte auf Pflastersteine

Die Schäden beschäftigen Renate Kussius bis heute: "Den Schaden am Haus hat die Versicherung übernommen", ist die Geschädigte erleichtert. Innen ist frisch tapeziert, aber die vom Gummi verklebten Pflastersteine müssen noch ausgetauscht und die Hauswand verputzt werden. Auf dem Schaden von rund 140 Euro für einen neuen Anhängerreifen und das Abschleppen dagegen bleibt die Familie Kussius vermutlich sitzen. Umso gespannter ist sie, ob der Täter gefasst wird.

"Es gibt einen dringend Tatverdächtigen", teilt Andy Laacke vom Polizeipräsidium Unterfranken mit. Im Oktober habe es eine Hausdurchsuchung gegeben, zum genauen Ort macht die Polizei keine Angaben. Allerdings ist mittlerweile bekannt, dass die Durchsuchung nicht weit von den Brandorten entfernt stattfand. In der Wohnung stellte die Polizei nach eigenen Angaben "Material" fest, das zur Auswertung ans Landeskriminalamt geschickt wurde. "Wir warten noch auf das Ergebnis, erst dann haben wir Gewissheit", sagt Laacke.

Keine weiteren Angaben

Ob es sich bei diesem Material um einen Brandbeschleuniger oder spezielle Chemikalien handelt, sagt der Polizeisprecher nicht. Zum einen verweist er auf "ermittlungstaktische Gründe", zum anderen "wollen wir keine Anleitung zur Nachahmung geben." Bis das Gutachten vorliegt, werde es auch keine weiteren Schritte geben, aber: "Der Verdächtige weiß ja, dass er im Fokus der Ermittlungen steht", hofft Laacke auf eine "präventive Wirkung" der Haus-Durchsuchung.

Fahrzeuge der Post beschädigt

Auch Oliver Ebert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg, hofft, dass es zu keiner Wiederholung der Brandserie kommt. Unabhängig von der konkreten Spur seien in den vergangenen Monaten immer wieder Jugendgruppen gezielt überprüft und befragt worden: "Wir halten die Augen immer offen."

Der höchste Einzel-Schaden ist im Post-Stützpunkt entstanden: "Es wurden fünf Fahrzeuge beschädigt, drei mussten ausgemustert werden und wurden von anderen Standorten ersetzt", berichtet Alexander Böhm, Pressesprecher der "Deutsche Post DHL Group". Zwei wurden repariert. Böhm ist froh, dass weder Personal noch Sendungen betroffen waren. "Über Nacht haben wir grundsätzlich auch keine Sendungen in den Stützpunkten", berichtet Böhm. Weitere Sicherheitsmaßnahmen habe die Post nach der Brandserie in Hammelburg nicht getroffen: "Wir haben schon alles gesichert, aber wenn jemand mutwillig vorgeht, kann man nichts machen." Die Post habe Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Dabei gehe es nur um die Fahrzeuge, der Schaden am Gebäude sei Sache des Vermieters.

Für Elfriede Dickert in der Bahnhofstraße ist die Brandserie nach fast fünf Monaten mittlerweile abgeschlossen: "Die Vollkasko-Versicherung hat zum Glück alles übernommen", sagt sie. Auf 12 000 Euro habe ein Gutachter den Totalschaden geschätzt, obwohl sie das Auto erst ein Jahr vorher als Jahreswagen gekauft hatte. Die Versicherung habe Kontakt mit der Polizei aufgenommen, um sich den Schaden vielleicht zurückzuholen. Elfriede Dickert ist froh, selbst nichts mehr mit dem Fall zu tun zu haben.

Fahndung zunächst erfolglos

In der Nacht auf 24. August hatte ein Passant gegen 1 Uhr den ersten Brand eines Autos in der Bahnhofstraße entdeckt. Kurz danach gingen weitere Brandmeldungen unter anderem aus der Altstadt, dem Ofenthaler Weg und der Fuldaer Straße ein. Das erste Fahrzeug löschte die Polizei noch mit einem Feuerlöscher. An allen Brandorten fiel auf, dass zunächst Reifen Feuer gefangen hatten. Schnell lag der Verdacht einer Serie nah, deshalb durchkämmten Feuerwehrleute und Polizei die Innenstadt. In der Fuldaer Straße stand sogar ein Tankwagen in Flammen, wurde aber schnell gelöscht.

Eine Großfahndung mit Hubschrauber und Wärmebildkamera blieb erfolglos. Stadt und Polizei setzten kurz nach der Serie Belohnungen aus. "Bisher ist nichts ausgezahlt", stellt Polizeisprecher Laacke klar. Üblicherweise würden Belohnungen auch erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung ausgezahlt.

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