Hammelburg
Kunst

Bocksbeutel-Post zum Hammelburger Jubiläum

Künstler aus der ganzen Welt waren anlässlich der Hammelburger 1300-Jahrfeier aufgerufen, sich auf Karten mit der fränkischen Weinflasche zu befassen. Manche Einsendung sprengt dabei den Rahmen.
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Roland Halbritter zeigt eine Auswahl an zugeschickten Postkarten.Foto: Arkadius Guzy
Roland Halbritter zeigt eine Auswahl an zugeschickten Postkarten.Foto: Arkadius Guzy
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Zum Thema Bocksbeutel fällt ihm nichts ein. Das schreibt der bekannte Grafiker und Plakatkünstler, ehemalige Präsident und heutige Ehrenpräsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck. Ein anderer Künstler fragt auf einer Postkarte mit einem aufgeklebten Ziegenbock: "Was soll eigentlich das ganze Gewese um den Bocksbeutel." Andere sprechen von "Bocksbeutelei". All die Einsendungen sind nun Teil einer außergewöhnlichen Kunstaktion.

Mail-Art nennt sich das. Das Prinzip ist einfach: Roland Halbritter hatte Künstler aufgerufen und angeschrieben, ihm Postkarten zum Thema Bocksbeutel zu schicken. Aus den Einsendungen kuratiert er jetzt eine Ausstellung. Sie findet vom 4. Juni bis 17. Juli in der ehemaligen Schreinerei Heinickel statt als Beitrag des Vereins Kulturbunt zu den Hammelburger Jubiläumsfeierlichkeiten.

Über die Resonanz und die Qualität der Einsendungen habe er sich gefreut, sagt Halbritter. Seinen Angaben nach beteiligten sich 250 Künstler und andere Personen aus 30 Ländern an der Bocksbeutel Mail-Art mit Kollagen, Zeichnungen und Basteleien. Viele sind gleich mit mehreren Arbeiten vertreten, sodass sich die Ausstellungsstücke auf ein Vielfaches summieren.


Der größte Beitrag ist eine Plane

Es sind nicht nur verfremdete Postkarten, sondern auch Päckchen mit umgestalteten Flaschen. Zu den wenigen Objekten, die ganz aus dem Rahmen fallen, gehört eine mehrere Meter große Plane - in Form eines Bocksbeutels geschnitten. Zu einem Päckchen zusammengewickelt kam sie bei Halbritter an.

Es waren jeden Tag etwa 33 Zusendungen, sagt er. Jede davon dokumentiert er mit Foto im Internet-Blog unter bocksbeutel-mail-art.blogspot.de. "Damit allein war ich schon jeden Tag etwa zwei Stunden beschäftigt." Nun wartet noch einmal Arbeit auf Halbritter: Er muss die Post-Kunst ordnen und für die Ausstellung in ein thematisches Konzept fassen. Wie dieses aussehen könnte, wisse er noch nicht. Auf alle Fälle gilt: Es wird alles ausgestellt. Zu einem der ungeschriebenen Gesetze der Mail-Art gehört, dass es keine Auswahl durch eine Jury gibt, erklärt Halbritter.

Er habe schon als Kind Briefumschläge und Briefmarken gestaltet. "Ich habe schon damals Mail-Art gemacht, ohne zu wissen, was das ist." Bis heute stellt er die Post auf die Probe und experimentiert damit, was sie für den Versand durchlässt. Stempel und Vermerke, die die Post auf den Künstlerkarten hinterlassen hat, gehören für Halbritter essenziell zur Mail-Art dazu. Er spricht von "Postspuren". So fügt sich auch eine nicht zugestellte Aufrufkarte zur Hammelburger Aktion mit dem Aufkleber "return to sender" wie selbstverständlich in die Ausstellungsobjekte. Sie alle, so Halbritters Wunsch, sollen über die Präsentation im Sommer hinaus erhalten bleiben.






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