Diebach
Ökologie

Biodiversität in den Schilfen von Diebach und Helmersbach nimmt drastisch ab

Der Arbeitskreis Botanik der Bad Kissinger Kreisgruppe im Bund Naturschutz unterstützt mit seinen Kartierarbeiten auch das Landesamt für Umwelt (LFU).
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Im Diebacher Schilf. Elisabeth Assmann
Im Diebacher Schilf. Elisabeth Assmann
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Die etwa 20 aktiven Botaniker des Bund Naturschutz-Arbeitskreises treffen sich unter Leitung von Walter Hartmann mindestens einmal im Monat, meist am Freitag um 17 Uhr, um bestimmter Flächen im Landkreis zu kartieren. Im Winter werden der selteneren oder nicht eindeutig bestimmten Funde aufgearbeitet und diskutiert. Denn das eindeutige Bestimmen gerade seltener Arten ist nicht einfach und bedarf jahrelanger Übung.

Diesen Sommer hatten die ehrenamtlichen Botaniker einen besonderen Auftrag. Sie sollten durch ihre Kartierungen botanische Raritäten erfassen, wenn möglich Veränderungen im Vergleich zu früheren Kartierungen untersuchen und Pflegekonzepte erarbeiten. Sie nahmen sich zwei Biotope vor, die dem Bund Naturschutz (BN) schon lange gehören und pflegt. Das Diebacher Schilf bei Hammelburg und das Helmersbacher Schilf bei Schondra.

Bereits ab 1972 wurden diese Flächen von der BN-Kreisgruppe erworben. Seitdem fanden mehrmals floristische Kartierungen statt. Auch für Vögel und deren Beobachter ist das Schilf ein Eldorado. Nun fanden 2018 Folgekartierungen auf Teilflächen vom Arbeitskreis Botanik des Bund Naturschutz statt. Es sollten die bisher nachgewiesenen Pflanzenarten der LfU-Prioritätenliste und der Roten Liste-Arten überprüft werden. Schilfflächen sind nicht ganz einfach zu begehen. Daher gehören Gummistiefel zur Grundausrüstung.

Bei den Kartierarbeiten stellte sich bei den ehrenamtlichen Botanikern eine gewisse Ernüchterung ein. Die Pflanzenvielfalt, besonders die seltenen Arten, konnten nur teilweise in ihrer ursprünglichen Zahl nachgewiesen werden. Die Flächen haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Schilffläche breitet sich aus. Die Teiche werden dadurch zurückgedrängt. Deshalb beschlossen die Botaniker, dass Schilf und Hochstaudenflur in Diebach zu begrenzen seien. Die Streifenmahd sollte besonders in den Randbereichen ausgedehnt werden. Teiche sollten gelegentlich entlandet werden.

Auch beim zweiten Kartierungsschwerpunkt, dem Helmersbacher Schilf bei Schondra soll das Pflegekonzept verändert werden. Denn um die schützenswerte Kriechweide (Salix repens) zu erhalten, muss höher als normal gemäht werden. Auch hier ergaben sich ernüchternde Erkenntnisse: Die Pflanzenvielfalt, besonders die seltenen Arten, konnten nur teilweise in ihrer ursprünglichen Zahl oder gar nicht mehr nachgewiesen werden. So ist etwa das Sumpf-Läusekraut (Pedicularia palustris), das bisher nur noch im Helmersbacher Schilf im Landkreis Bad Kissingen vorkam, hier wohl ausgestorben.

Die Arbeit geht den Botanikern nicht aus, vor allem weil es wichtig ist, regelmäßig, etwa mindestens alle fünf Jahre, erneut die Biotope zu kartieren. Die BN-Fachleute kartieren nicht nur, sie machen auch Exkursionen für Schulen und für interessierte Jugendliche und Erwachsene und machen sie so mit den Naturschätzen des Landkreises bekannt. Walter Hartmann ist beim Nachwuchs zuversichtlicher als beim Erhalt der Biodiversität: Es haben sich in den vergangenen Jahren einige jüngere botanisch Interessierte hinzugesellt. Wer einmal die Arbeit der Botaniker erleben möchte, wendet sich an Walter Hartmann, Tel.: 0971/99 122, w.u.e.hartmann@t-online.de.

Die nächste BN-Exkursion findet am Sonntag, 16. September, am Tag des Geotops, in den Lindenstumpf statt. Auch am Infostand beim Wildparkfest des Klaushofes stehen BN-Experten am 16. September für Fragen zur Verfügung.

Hintergrund

Diebacher Schilf Durch den Kauf des Diebacher Schilfs konnten Fischteiche verhindert und die mit zehn Hektar größte Schilffläche im Landkreis Bad Kissingen erhalten werden. Sie ist der Lebensraum vieler unterschiedlicher Arten von Fauna und Flora. Weiterhin ist der Wasserrückhalt, Quellenschutz und Trinkwasserschutz ein wichtiger Aspekt. Das Gebiet wird durch Hangquellen bewässert.

Helmersbacher Schilf bei Schondra Auch hier hat die BN-Kreisgruppe recht bald die schützenswerte Fläche mit insgesamt vier Hektar aufgekauft als sogenanntes Trittsteinbiotop. Denn im Umfeld findet intensiv Landwirtschaft statt. Das Schilf dient dem Wasserrückhalt und als Rückzugs- und Brutgebiet für Vögel. Die Fläche wird vom BN im Vertrags-Naturschutz-Programm (VNP) an Landwirte verpachtet. Das Schilf wird hierbei teilweise gemäht.



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