Oberthulba
Natur

Bienen schätzen einen naturnahen Garten

50 Zuhörer erfuhren einiges über das Leben der über 560 in Deutschland heimischen Bienenarten bei einem Vortrag von Biologin Simone Hepp.
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Gehörnte Mauerbiene im Anflug an eine Nisthilfe. Simone Hepp
Gehörnte Mauerbiene im Anflug an eine Nisthilfe. Simone Hepp
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Bis auf den letzten Platz besetzt war der Vortrag über Wildbienen von Biologin Simone Hepp im Gasthaus Zum Grünen Kranz in Oberthulba. Die rund 50 Zuhörer erfuhren dabei einiges über das Leben der über 560 in Deutschland heimischen Bienenarten. "Viele wissen gar nicht, wie vielfältig die heimische Bienenfauna ist," so die Biologin. "Wenn die Leute Wildbienen hören, denken die meisten an wilde Honigbienen und sind überrascht, wenn sie hören, dass es noch zahlreiche andere Bienenarten gibt."
So ist zum Beispiel nur ein kleiner Teil der Wildbienen an den immer beliebter werdenden Nisthilfen zu beobachten. Der größte Teil dieser nützlichen Insekten nistet im Boden, wie zum Beispiel die Hosenbienen, die sandige Untergründe bevorzugen. Dabei legt jedes Weibchen seine eigene Brutröhre an, in die es in hintereinander liegenden Kammern je ein Ei und etwas Proviant in Form von Blütenpollen für die schlüpfenden Larven legt.
Hepp zeigte anhand vieler Beispiele die Bedrohungslage auf, der die Bienen in den letzten Jahrzehnten verstärkt ausgesetzt sind. Einen großen Faktor stellt dabei die Intensivierung in der Landwirtschaft dar. Zu häufige und zu frühe Mahd, hoher Stickstoffeintrag und der daraus resultierende Rückgang der für die Bienen so wichtigen Blütenpflanzen, fehlende Ackerrandbereiche und Blühstreifen und nicht zuletzt der Pestizideinsatz, das alles macht den Bienen zu schaffen. Doch nicht nur die konventionelle landwirtschaftliche Praxis bedroht die Bienen, auch die Auswirkungen des Flächenverbrauchs sind nicht zu unterschätzen. "Wenn täglich über 60 Hektar zum Teil auch wertvolle landwirtschaftliche Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt werden, ist dieser Boden unwiederbringlich für die Natur verloren," so Simone Hepp. Denn nicht nur die Bienenvielfalt nimmt ab, auch alle anderen Insekten sind betroffen.

In einer kürzlich erschienen Studie wurde ein Rückgang der Insekten um 75 Prozent in den letzten 27 Jahren nachgewiesen. "Dieser Rückgang wurde nicht etwa in der freien Flur, sondern in unter Naturschutz stehenden Gebieten festgestellt." Die Biologin stellte eindrücklich einen Zusammenhang dar zwischen dem Artensterben bei den Insekten und einem Rückgang der Vogelpopulationen, der ebenfalls in den letzten 30 Jahren dramatische Ausmaße angenommen hat.

Doch nicht nur die Vogelwelt spürt die Auswirkungen des Artensterbens bei den Insekten. Da Wildbienen, zu denen auch die Hummeln zählen, äußerst effektive Bestäuber sind, können bei einem weiteren Rückgang der Bienen auch die landwirtschaftlichen Erträge bedroht sein, die auf diese Bestäuber angewiesen sind. Jeder Gartenbesitzer konnte vielleicht schon einmal verkrüppelte Himbeeren oder Erdbeeren an seinen Sträuchern finden. "Um eine volle, große Beere zu erhalten, braucht es mehr als nur eine Biene. Viele Blütenbesuche sind nötig, um alle Fruchtknoten zu bestäuben, aus denen am Ende die Beere heranreift," führt die Referentin aus.

Im weiteren Verlauf des Vortrags gab die Biologin zahlreiche Tipps, wie jeder bei sich zu Hause etwas zum Schutz der Wildbienen beitragen kann. Die einfachste Variante Brutplätze für in Hohlräumen brütende Wildbienenarten zu schaffen, ist zahlreiche möglichst tiefe Löcher von 2 bis 8 Millimeter Durchmesser seitlich in einen Hartholzklotz zu bohren und ihn an einer sonnigen, vor Witterungseinflüssen geschützten Stelle anzubringen. Da jedoch eine Bruthilfe ohne passendes Nahrungsangebot nutzlos ist, sollten in unmittelbarer Nähe auch Futterpflanzen zur Verfügung stehen. Für Hummeln sind zum Beispiel Glockenblumen sehr verlockend, aber auch zahlreiche Staudenpflanzen, wie Lavendel oder Thymian sind für Wildbienen attraktiv. "Am besten ist den Wildbienen aber mit einem naturnahen Garten geholfen, in dem nicht alle zwei Wochen gemäht wird," so die Biologin. Außerdem erinnerte sie daran, "dass jeder mit seinem Konsumverhalten selbst mit dafür verantwortlich ist, wie in Deutschland Landwirtschaft betrieben wird".
Zu begrüßen sind auch Initiativen wie das diesen Sommer im Landkreis anlaufende Projekt "Grüngitter", bei dem mit Hilfe von Blühflächen für mehr Artenvielfalt gesorgt werden soll. S. Hepp
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