Hammelburg

Bevölkerungszahl in Hammelburg sinkt weiter

Auch im vergangenen Jahr hat Hammelburg Einwohner verloren - wegen der Flüchtlingszuzüge allerdings nicht so stark wie gewohnt. Dieser Effekt ist nicht die einzige Besonderheit, die in den Daten für die Stadt steckt.
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So viele Leute auf einmal tummeln sich in der Innenstadt nur bei Großveranstaltungen, wie hier beim Michaelsmarkt. Foto: Archiv/ Markus Reeh
So viele Leute auf einmal tummeln sich in der Innenstadt nur bei Großveranstaltungen, wie hier beim Michaelsmarkt. Foto: Archiv/ Markus Reeh
Im vergangenen Jahr hat Hammelburg zum dritten Mal in Folge deutlich weniger Einwohner verloren als es die langjährige Erfahrung erwarten ließ. Normalerweise liegt der jährliche Bevölkerungsrückgang bei knapp einem Prozent. Doch auch im vergangenen Jahr kompensierte der Zuzug von Asylbewerbern die Schrumpfung zu einem großen Teil.

Ende 2015 waren in Stadt und Stadtteilen 11 243 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Ende 2014 waren es noch 11 265 Personen. Mach also nur ein leichtes Minus von 22 Bewohnern. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnete im vergangenen Jahr Gauaschach mit einem Plus von 51 Einwohnern. In der Zahl spiegelt sich vor allem die Eröffnung der Asylbewerberunterkunft in der früheren Gastwirtschaft "Zum Schwarzen Adler" wider.
So bilden Syrer denn auch die größte Gruppe unter den in Hammelburg lebenden Ausländern. Mit 59 Personen sind Einwohner aus dem EU-Nachbarstaat Polen die mit Abstand zweitstärkste Ausländergruppe. Mittlerweile sind in Hammelburg 67 verschiedene Nationalitäten vertreten.

Dennoch oder gerade wegen des Sondereffekts durch den Flüchtlingsstrom bleibt festzustellen: "Der Abwärtstrend geht weiter." So fasst August Brendan, Leiter des Einwohnermeldeamts, die Entwicklung zusammen. Seit vielen Jahren schon beobachtet er die Zahlen. Brendan kennt die Eigenheiten der Hammelburger Einwohnerstatistik. Dazu gehört zum Beispiel die relativ hohe Wanderungsbewegung innerhalb des Hammelburger Gebiets selbst.

Die meisten Umzüge passieren innerhalb der Kernstadt. Die profitiert aber auch am meisten von Zuzügen aus den anderen Stadtteilen. Dort kann schon der Wegzug einer Familie den Saldo ins Minus rutschen lassen, wie Brendan erklärt.

Eine weitere Besonderheit ist die hohe Zahl der Sterbefälle in der Kernstadt. Die Altenheime bringen diesen Effekt mit sich. Wenn alte Menschen aus den Stadtteilen in die Betreuungseinrichtungen wechseln, schlägt ihr Tod statistisch bei der Kernstadt zu Buche.

Im vergangenen Jahr standen über das gesamte Stadtgebiet betrachtet 77 Geburten 158 Sterbefälle gegenüber. Die älteste gemeldete Person ist eine Frau, Jahrgang 1914.

Das an der Berliner Straße geplante Neubaugebiet könnte sich in den kommenden Jahren ebenfalls in der Statistik bemerkbar machen. Doch solch ein Neubaugebiet entfaltet heutzutage aber nur begrenzte Wirkung, wie Brendan sagt. "Es gibt heute keine großen Familien mehr."

Die aktuellen Flüchtlingszuzüge sind nicht die einzige Migrationswelle, die die Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg kennt. Es ist die dritte große Wanderungsbewegung. So berichtet die Statistik für das Jahr 1950 von mehr als 13 000 Einwohnern in Hammelburg. Damals gab es ein Flüchtlingslager.

In den Jahren 1989 und 1990 ließen die DDR-Flüchtlinge und dann die Aus- und Übersiedler - im Lager gab es ein spezielles Wohnheim - die Einwohnerzahl nach mehreren Jahren wieder steigen. Sie stieg im Jahr 1990 mit auf 12 489 Personen, einen in den folgenden Jahren nicht mehr erreichten Wert.
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