Hammelburg
Wirtschaft

Auftrag bleibt erhalten

Seit Jahrzehnten gibt es eine Verbindung zwischen dem heutigen Schaeffler-Werk in Elfershausen und der Hammelburger Lebenshilfe.
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Mark Herrmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Schaeffler Elfershausen, Thomas Höhn, IG Metall, Thomas Porkristl (Lebenshilfe), Konrad Obermeder, Schwerbehindertenbeauftragter Schaeffler Elfershausen, und Dietmar Schreiner (Lebenshilfe) Foto: Arkadius Guzy
Mark Herrmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Schaeffler Elfershausen, Thomas Höhn, IG Metall, Thomas Porkristl (Lebenshilfe), Konrad Obermeder, Schwerbehindertenbeauftragter Schaeffler Elfershausen, und Dietmar Schreiner (Lebenshilfe) Foto: Arkadius Guzy
In der Anfangszeit der Hammelburger Lebenshilfe Werkstatt wurde das Essen von der Kantine des FAG-Werks in Elfershausen geliefert. Das Werk gehört seit Jahrzehnten auch zu den Auftraggebern der Lebenshilfe. Kein Wunder also, dass die Schließung des heute zu Schaeffler gehörenden Standorts in der Hammelburger Werkstatt verfolgt wird.

Er sei froh, dass die Produktion für Schaeffler weitergehen könne, sagt Thomas Porkristl. Laut dem Leiter der Lebenshilfe Werkstatt fand vor wenigen Tagen ein Gespräch statt mit dem Ergebnis, dass die Hammelburger Lebenshilfe nach Abzug der Produktion aus dem Schaeffler-Werk in Elfershausen für den Schweinfurter Konzernstandort arbeiten darf.

Die Lebenshilfe montiert ein Abschlussteil für Federbeinlager: Die behinderten Beschäftigten drücken mit mechanischen Tischhandpressen zwei ringförmige Teile gegeneinander, damit diese sich verbinden. Im vergangenen Jahr lieferte die Lebenshilfe 740 000 Stück dieser Elemente, wie der stellvertretende Werkstattleiter Dietmar Schreiner erklärt.

Die Lebenshilfe versucht eine breite Palette an Auftraggebern zu bedienen. "Wir sind glücklicherweise nicht von einem großen Kunden abhängig", sagt Porkristl. Dennoch zähle Schaeffler umsatzmäßig zu den zehn größten Kunden.

Würde dieser Auftrag wegfallen, wären die 15 Menschen mit Behinderung, die in dieser Lebenshilfe-Gruppe arbeiten, ohne Aufgabe. Eine adäquate Ersatzbeschäftigung zu finden, wäre nicht so einfach, schließlich müsste sie zu den Fähigkeiten passen.

Die Verbundenheit mit der Lebenshilfe haben die Schaeffler-Beschäftigten in Elfershausen wenige Monate vor der Werksschließung nun noch einmal bestätigt. Sie haben die Hammelburger Lebenshilfe als einen der Empfänger einer Spende der IG Metall ausgewählt. Die Gewerkschaft hatte deutschlandweit mehrseitige Fragebögen an die Beschäftigten ihrer Branche verteilt. Mit ihnen wollte die Arbeitnehmervertretung die Entwicklung bei den Arbeitszeiten erfassen. Für jeden ausgefüllt zurückgeschickten Fragebogen spendet die Gewerkschaft nun einen Euro.

Deutschlandweit schüttet sie insgesamt 681 000 Euro aus, wie Thomas Höhn von der IG Metall Schweinfurt erklärt. Für die Region Main-Rhön, den Zuständigkeitsbereich der Schweinfurter Gewerkschaft, sind es 9500 Euro (davon 125 Euro für die Hammelburger Lebenshilfe).

Laut Höhn zeigt die Umfrage, dass der Leistungsdruck zunimmt und die Planbarkeit abnimmt. Es gebe eine Verschiebung der Schichten ins Wochenende. Positiv sei in der Branche unter anderem, dass keine Arbeitszeit verfalle, sondern alles erfasst werde.

Im Schaeffler-Werk in Elfershausen selbst ist vor allem Überstundenabbau angesagt, beschreibt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Mark Herrmann, die aktuelle Situation. Ein Teil der Beschäftigten ist schon in Schweinfurt, einige leisten Fertigungsunterstützung in Portugal. Dorthin sind die Linien für Rillenkugellager bereits komplett verlagert. Die Schräglagerproduktion in Schweinfurt soll gerade anlaufen. Die Verlagerung der Federbeinlinien zieht sich noch etwas hin. Laut Herrmann muss zunächst genug Produktionsvorlauf als Puffer aufgebaut werden. Dafür müsse aber erst eine Maschine aus China geliefert werden.


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