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Hammelburg
Musik

Am richtigen Tag am richtigen Ort

Die zweiten Kirchenmusiktage Hammelburg starten mit einem stimmungsvollen Gottesdienst am Franziskustag im Kloster Altstadt.
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Solist Bernhard Reußner und Kantor Dieter Blum bei den Kirchenmusiktagen in Hammelburg.  Foto: Werner Vogel
Solist Bernhard Reußner und Kantor Dieter Blum bei den Kirchenmusiktagen in Hammelburg. Foto: Werner Vogel
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"Barockmusik mit Orgel und Trompete in der Klosterkirche, da kriege ich Gänsehaut." Bürgermeister Armin Warmuth gibt gerne zu, dass die Atmosphäre in der Klosterkirche ihn ebenso beeindruckt hat wie der Gottesdienst und das Konzert. Auch Stadträtin Elisabeth Wende spricht von einem "stimmungsvollen Konzert", am richtigen Tag, mit dem richtigen Motto, am richtigen Ort.

Seit die Franziskaner das Kloster verlassen haben ist es still geworden in der Klosterkirche. Dass sie einen wunderbaren Rahmen für besondere Gottesdienste und Konzerte gibt, haben die Stadtväter in Hammelburg erkannt und 2016 in der Klosterkirche eine Veranstaltungsreihe mit Kirchenmusik begonnen. Das hat eine eigene Dynamik entwickelt, bestätigt Kantor Dieter Blum, und so hat man in diesem Jahr wieder eine Reihe von bemerkenswerten Konzerten und besonderen Gottesdiensten in den Hammelburger Kirchen gestartet, HAMULissimo heißt die Reihe und bewirbt die Konzerte unter passenden Titeln auf einem ansprechenden Flyer.

Geschlossener Klangraum

Henry Purcells "Trumpet Tune" zur Eröffnung des Gottesdienstes wird ein fröhlich mitreißender Hymnus an den Ort, an die Kirchengemeinde und ein Lobgesang an Franz von Assisi, den großen Veränderer seiner Zeit, dem dieser Gottesdienst gewidmet ist. Erstaunlich, was Kantor Dieter Blum aus der seit Langem nicht mehr gepflegten Orgel herauszuholen imstande ist. Er versteht die Schwächen des Instruments mit präzisem Anschlag und sicherer Registerauswahl auszugleichen, die Lage des Orgelprospekts hoch unter dem gotisch gewölbten Kirchendach hilft zu einer ausgewogenen Klangfülle. Dazu setzt die schlanke und präzise Tongebung der Trompete von Bernhard Reußner, die strahlenden Obertöne der Melodie, eindrucksvoll dazu. Kantor und Trompeter kennen sich aus Würzburger Zeiten, kurze Blicke der Verständigung genügen, es entsteht ein durchgängig harmonischer Gesamteindruck im Zusammenspiel. Dabei haben die beiden Protagonisten schon ein halsbrecherisches Abenteuer in der Kirche bestanden. Wegen einer Renovierung ist der Zugang zur Orgelempore nur über ein Gerüst mit vier Etagen und fünf Leitern zu erreichen. Zudem ist es in der Kirche recht kalt, was die Fingerfertigkeit des Organisten nicht gerade beflügelt und Bernhard Reußner ist durch eine kleine Verletzung an der Lippe gehandicapt. Für die Kirchenmusiktage ist den beiden Musikern das alles aber nicht zu viel. Sie schaffen das, ihre Musikleidenschaft lässt solche Unbill vergessen. Das Publikum weiß davon nichts, genießt ein stimmungsvolles Konzert und dankt mit warmem Beifall.

Auch der zweite Rückblick auf die Musik der Barockzeit unterstreicht des Bürgermeisters Einschätzung. Das "Ave Maria" von Guilio Caccini klingt auch mit Orgel und Trompete nach italienisch-barocker Melodienvielfalt, auch wenn das Werk heute teilweise Vladimir Vavilov zugeschrieben wird.

Raumfüllend

Die Begleitung zur Gabenbereitung gelingen Orgel und Trompete klangmächtig und raumfüllend. Aber auch zeitgenössische Orgelliteratur klingt in der Klosterkirche. Enrico Pasinis (geb.1935) "Cantabile" verlangt deutliche Diktion und klangliche Homogenität im Zusammenspiel. Blum und Reußner gelingen eindrucksvoll lange Bögen ohne Stillstand, die zu differenzierten Stimmungen führen. Der Konzertabend wird nachhaltig in Erinnerung bleiben, weil auch Pfarrer Thomas Eschenbacher in seiner Einführung und Predigt, die Aura der Klosterkirche mit der spirituellen Botschaft des "Il Poverello" des ärmsten der Armen, Franz von Assisi in Einklang bringt. Dass er dazu zur Gitarre greift und den Sonnengesang des Franziskus, erklärt, vorsingt und die Gemeinde dann die ausgeteilten Texte zur Hand nimmt und mitsingt, war nochmal ein stimmiges Gemeinschaftserlebnis. Dass die Musik zum Sonnengesang von "Donovan" stammt, passt in diese beeindruckende Eröffnung der Kirchenmusiktage.

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