Hammelburg
Verbandsversammlung

Abwasserzweckverband steht vor großen Aufgaben

Gleich mit mehreren teuren Investitionsvorhaben mussten sich die Bürgermeister der an den Abwasserzweckverband (AZV) Thulba-Saale angeschlossenen Kommunen beschäftigen.
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Nach vollständiger fernwirktechnischer Anbindung aller 31 Außenstationen kann sie AZV-Geschäftsführer Burkhard Oschmann (59) vom Schreibtisch aus kontrollieren und steuern. Sigismund von Dobschütz
Nach vollständiger fernwirktechnischer Anbindung aller 31 Außenstationen kann sie AZV-Geschäftsführer Burkhard Oschmann (59) vom Schreibtisch aus kontrollieren und steuern. Sigismund von Dobschütz

Hammelburg, Oberthulba, Elfershausen und Fuchsstadt gehören dazu. "Die Beratung war sehr haushaltslastig", meinte deshalb auch AZV-Geschäftsführer Burkhard Oschmann (59) im Pressegespräch nach der Verbandsversammlung.

Noch in diesem Jahr soll die fernwirktechnische Anbindung aller 31 Außenstationen mittels Internet an die Hammelburger Zentrale abgeschlossen sein. Diese Maßnahme ist im Haushaltsjahr mit 410 000 Euro veranschlagt. Während bisher die aktuellen Betriebszustände aller Außenstationen von AZV-Mitarbeitern vor Ort überprüft und reguliert werden mussten, kann dies nach Abschluss der EDV-Anbindung direkt vom Hammelburger Büro aus über Computer geschehen. Oschmann: "Künftig werden wir mit der neuen MSR-Technik unser Gesamtsystem viel effektiver und vor allem effizienter messen, steuern und regeln können."

Mit Investitionen von etwa zwei Millionen Euro muss der AZV in den beiden Haushaltsjahren 2021 und 2022 rechnen. Grund ist - nach Ablauf des 20 Jahre gültigen Wasserrechtsbescheids für die Kläranlage Hammelburg zum Jahresende - die für den neuen Bescheid notwendige Erfüllung aller inzwischen gestiegenen Anforderungen. Nach Vorlage aller Antragsunterlagen werden deren Prüfung und das Wasserrechtsverfahren etwa ein Jahr dauern, so dass mit einem neuen Bescheid erst Ende 2020 gerechnet wird. Welche bau- oder verfahrenstechnischen Änderungen an der Kläranlage erforderlich werden, wird maßgeblich von künftigen Einleitungsgrenzwerten abhängig sein.

Schon jetzt wies Oschmann die Bürgermeister darauf hin, dass einzelne Bauwerke oder technische Einrichtungen der Kläranlage, die in ihrer jetzigen Ausbaustufe für 28 000 Einwohner voll ausgelastet ist, nicht mehr den aktuellen Richtlinien entsprechen und deshalb zum Erhalt eines neuen Wasserrechtsbescheids zwingend angepasst werden müssen. Für einzelne Bereiche oder Anlagenteile gibt es zudem schon jetzt Empfehlungen für einen verbesserten Betriebsablauf wie zum Beispiel die Schaffung einer stationären Schlammentwässerung für künftige Anforderungen an die Klärschlammverwertung.

Allein die Kosten für die Klärschlammentsorgung verdoppelten sich von 2017 (92 000 Euro) auf 188 000 Euro im Jahr 2018 aufgrund von Änderungen im Düngemittelrecht und in der Abfallklärschlammverordnung. Bisher hatte der AZV seinen Klärschlamm in voller Menge landwirtschaftlich verwerten dürfen. Dies ist nur noch eingeschränkt möglich. Heute geht der Klärschlamm deshalb zur thermischen Verwertung an das Karlstadter Zementwerk, wo er als Sekundärbrennstoff verwertet wird. Oschmann: "Vorher müssen wir aber den Klärschlamm nach bestimmten Kriterien aufbereiten und dann nach Karlstadt transportieren."

Eine weitere für den Abwasserzweckverband unangenehme Überraschung ist der schon für 2020 geplante Ausbau des Kreuzungsbereichs zwischen der Hammelburger Anschlussstelle der A7, der B 287 und der KG 37 in einen Kreisverkehr. Im räumlichen Umfeld und teilweise im direkten Baufeld verläuft die Abwassersammelleitung zwischen Machtilshausen und Langendorf. Bei einer schon vor Jahren vorgenommenen Untersuchung wurden zahlreiche Mängel an der inzwischen 50 Jahre alten Leitung festgestellt. Nach ersten Überlegungen müsste die Leitung deshalb auf einer Strecke von 450 Metern erneuert werden. Dies wird allerdings durch die beiden Dammquerungen der KG 37 und der B 287 und durch die Aufrechterhaltung des Betriebs während der Baumaßnahme erschwert. Die Bürgermeister beauftragten die Geschäftsführung, alternative Kostenschätzungen für die Sanierung und den Neubau zu berechnen. "Im schlimmsten Fall können das 500 000 Euro plus Baunebenkosten werden", hatte Oschmann den Bürgermeistern schon in der Versammlung angedeutet.

Nach der Behandlung dieser kostenintensiven Investitionsvorhaben hatte AZV-Geschäftsführer Oschmann noch eine gute Nachricht: Statt der für 2017 eingeplanten 1,78 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser, für deren Einleitung in die Saale das AZV eine entsprechende Vorauszahlung von 58 400 Euro geleistet hatte, wurden tatsächlich nur 1,75 Millionen Kubikmeter eingeleitet (38 500 Euro). Oschmann: "Die Rückerstattung der knapp 20 000 Euro wirkt sich auf die nächste Gebührenrechnung aus und kommt dem Gebührenzahler zugute."

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