Hammelburg
Kooperation

Abwasserzweckverband könnte Klärschlamm aus dem Raum Hammelburg sammeln

Das Ausbringen auf landwirtschaftlichen Flächen wird immer schwieriger. Deshalb bietet der Abwasserzweckverband Thulba-Saale den restlichen Kommunen der Kommunalen Allianz eine Lösung an. Eine Studie soll aber zunächst zeigen, ob das überhaupt möglich ist.
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Symbolbild: Philipp Schulze/dpa
Symbolbild: Philipp Schulze/dpa

Burkhard Oschmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Thulba-Saale, hat immer mehr Probleme, seinen Klärschlamm loszuwerden: "Die Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen geht immer mehr zurück", berichtete er in der Lenkungsgruppe der Allianz Fränkisches Saaletal. Deshalb müsse der Klärschlamm immer öfter für die Verbrennung entwässert werden. Dafür bestellt Oschmann regelmäßig eine mobile Entwässerungsanlage, aber: "Die sind immer stärker ausgelastet und immer teurer." Deshalb hat der Abwasserzweckverband den Bau einer eigenen, stationären Klärschlamm-Entwässerung beschlossen. "Wir wissen, was wir brauchen, und könnten schnell bauen, aber wir wollen das auch den anderen Allianz-Kommunen anbieten", berichtete Oschmann.

"Der Klärschlamm ist eine Riesen- Herausforderung für alle Kommunen", betont auch der Hammelburger Bürgermeister und Allianz-Vorsitzende Armin Warmuth (CSU). Selbst die bayerische Staatsregierung hat laut Oschmann als Ziel ausgegeben, dass Klärschlamm nicht mehr auf Äckern landet. "Wir merken einen restriktiveren Umgang der zuständigen Behörden." Außerdem werde zum 30. November das Bayerische Klärschlamm-Netz als Vetriebsstruktur abgeschaltet: "Wer etwas ausbringen will, muss also alle Formalitäten wieder auf Papier erledigen", berichtet Oschmann.

Immer höhere Auflagen

Bereits ausgeschlossen ist die Düngung mit Klärschlamm im Öko-Landbau: "Gerade im vergangenen Jahr sind uns da viele Landwirte komplett weggefallen", berichtet Oschmann. Außerdem würden die Auflagen immer strenger: Die Sperrzeiten für die Ausbringung wurden verlängert, der Schlamm muss statt zwei- nun viermal untersucht werden und es seien externe Gutachten vorgeschrieben.

Das alles trifft nicht nur den Abwasserzweckverband, sondern alle Kommunen. "Deshalb machen wir ein Angebot an die kommunale Familie im Allianz-Gebiet", betonte Warmuth. Der Zweckverband wolle keinen Gewinn mit der Anlage machen, allerdings müssten vor einer Abnahme des Klärschlamms alle Folge-Kosten untersucht werden. "Wir brauchen eine Machbarkeitsstudie", sagte Warmuth, und: "Die Kosten müssen natürlich die hinzukommenden Kommunen übernehmen - unabhängig vom Ergebnis."

Geschäftsführer Oschmann deutete den Bürgermeistern an, wie komplex das Thema ist: Bereits jetzt fallen in der Kläranlage Hammelburg im Jahr rund 15 000 Kubikmeter Nassschlamm an, der in den Faultürmen vorbehandelt wird. Dabei entsteht Klärgas, das ein Block-Heizkraftwerk antreibt. Klärschlamm besteht zu 90 Prozent aus Wasser, allerdings lässt sich das nicht alleine entziehen: Bei der Entwässerung entstehe ein stark belastetes "Zentrat", das vor allem viel Stickstoff enthält. "Das alleine benötigt 20 Prozent unserer Reinigungsleistung."

Würde der Zweckverband nun die Klärschlämme weiterer rund 18 000 Einwohner (siehe Info-Kasten) aufnehmen, müsse die komplette Anlage neu geplant werden. Zudem würden sich die Schlämme aus den Anlagen stark unterscheiden: "Bei Schlamm aus einer Teichanlage ohne Faulturm brauchen wir eine Vorbehandlung", nannte Oschmann als Beispiel. Das zusätzliche Zentrat müsste vermutlich geheizt sowie mit Sauerstoff und Bakterien angereichert werden. Eine so genannte Teilstrombehandlung wäre nötig. Das Gutachten müsse auch untersuchen, wie Kläranlagen in Zukunft mit dem Phosphat im Klärschlamm umgehen müssen. "Der Stoff ist endlich", wies Oschmann auf die Bedeutung von Phosphor als Dünger hin.

Oschmann drückte in der Sitzung der Lenkungsgruppe auch auf die Tube: "Das muss schnell gehen, wir wollen die Entwässerungsanlage 2020, spätestens 2021 in Betrieb nehmen", kündigte er an. Deshalb müssten sich die Gemeinderäte der Allianz-Kommunen, die nicht bereits Mitglied im Zweckverband sind, bis Ende Februar entscheiden. Das stellt vor allem die Mitgliedsgemeinden der VG Euerdorf vor eine große Herausforderung: Dort wird seit Jahren darüber diskutiert, wie es mit den Kläranlagen weitergeht und ob für alle zusammen eine Anlage in Euerdorf gebaut wird. "Wir könnten also langfristig keinen Vertrag für einzelne Kläranlagen abschließen, sondern müssten das anders regeln", sagt deshalb der Sulzthaler Bürgermeister August Weingart (CSU).

Verwertung Der Abwasserzweckverband hat im laufenden Jahr rund 400 Kubikmeter Klärschlamm an Landwirte aus der Region abgegeben. Der größere Teil, rund 1000 Tonnen entwässerter Schlamm ging zur Verbrennung ins Zementwerk Karlstadt. Der Preis dafür steigt stetig: 2018 lag er noch bei rund 62 Euro pro Tonne, heuer bei 68 Euro pro Tonne und für 2020 liegt das Angebot bei 82 Euro je Tonne entwässerten Schlamm.

Größe Die Kläranlage Hammelburg ist auf 28 000 Einwohner ausgelegt und aktuell voll ausgelastet: Angeschlossen sind 22 500 Einwohner, hinzu kommen so genannte Einwohnergleichwerte aus Gewerbe und Industrie. In den Allianz-Kommunen gäbe es folgende Kläranlagen, die ihren Klärschlamm nach Hammelburg liefern könnten: Wittershausen (ausgelegt auf 675 Einwohner), Aura (1150 EW), Euerdorf (2200), Ramsthal/Sulzthal/Wirmsthal (4800), Lager Hammelburg (6000), Bonnland (50), Waizenbach (2100), Windheim (300), Schwärzelbach (700) sowie Heiligkreuz und Heckmühle (jeweils 150 EW).rr

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