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Sulzthal
Bergsteigen

Zwei Brüder aus Sulzthal wagen sich wieder in die Todeszone

Die beiden Brüder Stefan und Jürgen Diez wagen sich mit dem Manaslu in Nepal wieder auf einen 8000er-Berg. Im Gegensatz zu anderen Bergsteigern verzichten sie dabei auf zusätzlichen Sauerstoff.
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Stefan (links) und Jürgen Diez auf dem Gipfel des Manaslu.Foto: Gebrüder Diez
Stefan (links) und Jürgen Diez auf dem Gipfel des Manaslu.Foto: Gebrüder Diez
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Stefan und Jürgen Diez wollten es sich noch einmal beweisen. "Die weltweite Liste derer, die mehr als einen Achttausender ohne Zusatzsauerstoff bestiegen haben, ist klein und überschaubar", sagt Jürgen Diez. Daher wagten sich die beiden Brüder nach dem Cho Oyu Ende 2011 nun auf den 8163 Meter hohen Manaslu, ihren zweiten 8000er-Gipfel.

Wegen schneller Wetterumbrüche und der häufigeren Lawinen- und Eisschlaggefahr ist der Manaslu schwieriger als der Cho Oyu, wie Jürgen Diez erklärt. Regionen ab 7000 Meter Höhe werden allgemein als "Todeszone" bezeichnet. Ab da kommen in der Regel Sauerstoffflaschen zum Einsatz.

In Höhen jenseits von 8000 Meter ohne zusätzlichen Sauerstoff vorzustoßen, zählt also zu den extremen Herausforderungen. Jürgen Diez sagt: "Das Wichtigste ist, dass man den Willen dazu hat. Dort oben ist der Körper definitiv am Ende, nur der Kopf treibt einen noch voran - ähnlich wie beim Marathon."

Die beiden Brüder verzichten bei ihren Hochgebirgstouren ganz bewusst auf Zusatzsauerstoff. Das ist eine zentrale Entscheidung für sie. "Entweder wir kommen ohne Sauerstoff zum Gipfel hoch oder haben dort oben aus unserer Sicht nichts zu suchen", meint Jürgen Diez. Er spricht von einem "ehrlichen Bergsteigen" und einem halbwegs "selbstständigen Bergsteigen". Denn bei Touren mit Sauerstoff habe man einen Sherpa als persönlichen Begleiter dabei.


Erdbeben stört den Reiseplan

Auch wenn sich die Brüder Monate vor der Abreise nach Nepal mit viel Ausdauersport wie Joggen und Radfahren auf die fordernde Expedition vorbereitet hatten, stand der Start zunächst infrage. Das Erdbeben zerschlug die Planung: "Das Epizentrum lang nur 50 Kilometer vom Manaslu entfernt."

Nach einer Wartezeit stellte sich jedoch heraus, dass die Tour stattfinden kann. So traf sich eine kleine Gruppe von vier Teilnehmern und einem Bergführer in Kathmandu und machte sich von dort auf den Weg. Mit Kleinbus und Jeeps ging es zunächst "über spektakuläre Wege" bis Dharapani (1900 Meter). Ab der Station begann der Fußmarsch. "Die Anreise fiel noch in die Monsunzeit. Unsere Regenschirme hatten täglich ihren Einsatz", berichtet Jürgen Diez.

Am sechsten Tag erreichte die Gruppe das Basislager auf 4800 Meter Höhe. Im Basislager, Quartier für die folgenden fünf Wochen, sei mit 106 Bergsteigern und ihren Sherpas überraschend viel los gewesen. In mehreren Auf- und Abstiegen trugen die Bergsteiger die Ausrüstung in Lager 1 und 2. Der Weg war vorher von sogenannten Climbing-Sherpas mit Fixseilen versehen worden, an denen sich die Bergsteiger über die vielen Gletscherspalten ziehen konnte, erzählt Jürgen Diez. Alles habe sehr spektakulär gewirkt.

"Nachdem unsere kleine Gruppe sehr gut akklimatisiert war, konnten wir sogar als erste Gruppe in ungespurtem Schnee bis zum Pass auf 6800 Meter aufsteigen, wo sich dann eine 600 Meter hohe spektakuläre Eisflanke aufbaute, die weiter in das Lager 4 führt. Bis dahin hatten wir überraschend gutes Wetter, das nun allerdings umschlug und fortan an den Nerven zerrte."

Als die Akklimatisierung vollständig war, musste die Gruppe auf gutes Wetter warten und darauf, dass die Climbing-Sherpas den Weg über dem Lager 3 ausgekundschaftet und gesichert hatten. Im Lager 3 erfuhr die Gruppe jedoch, dass das Lager 4 und damit auch der Gipfel zunächst nicht erreichbar waren. "Also wieder Abstieg in das Basislager und Warten", fasst Jürgen Diez zusammen.

"Und dann ging es Schlag auf Schlag: Als Gipfeltag galt der 2. Oktober. So starteten wir am Nachmittag des 29. September vom Basiscamp." Im Lager 1 angekommen ging es schon um Mitternacht bis zum Lager 3 hoch, da der Gipfeltag wegen des angekündigten Schlechtwetters auf den 1. Oktober vorgezogen werden musste. Nach einigen Stunden Ruhepause stieg die Gruppe am Mittag gleich weiter zum Lager 4 auf 7450 Meter hinauf. "Dort dann wieder nur einige Stunden Schlaf, denn nachts um 1 Uhr begann schon der finale Aufstieg zum Gipfel.

Immerhin war es diesmal nicht so kalt wie damals am Cho Oyu, aber die Anstrengung ohne Zusatz-Sauerstoff schlug diesmal voll durch und die letzten Stunden bis zum Gipfel waren ein Kampf gegen die Muskeln, die bei dem wenigen Sauerstoff einfach nicht mehr funktionieren wollten", beschreibt Jürgen Diez den weiteren Verlauf.
Um 7 Uhr erreichte die Gruppe das Gipfelplateau und dann auch den Gipfel auf 8163 Meter Höhe. Jürgen Diez erklärt: "Es gab am luftigen Gipfel Rückstau, da an diesem Tag alle am Berg verbliebenen Expeditionsteams den Gipfel zu erreichen versuchten. So standen im Laufe des Tages fast 60 Personen inklusive den Sherpas oben - allerdings vorrangig von Bergsteigern mit Zusatz-Sauerstoff, die mich als Exoten ohne Maske mehrfach ablichteten."


Stefan Diez wohnt noch in Sulzthal

Für die zwei 49 und 46 Jahre alten Brüder sind Bergtouren eine Gelegenheit, sich zu treffen und etwas gemeinsam zu unternehmen, da nur Stefan Diez noch in Sulzthal wohnt. So haben die beiden schon einige Viertausender in den Alpen, aber zum Beispiel auch Gipfel wie den 6800er Ojos del Salado in Chile erklommen.

Ihre Liste mit alpinen 4000er-Bergen wollen die Brüder weiter vervollständigen. Bis zur nächsten großen Expedition werden sie dagegen wohl eine längere Pause einlegen. Denn Vorbereitung und Tour sind aufwendig und anstrengend, außerdem schluckt eine solche Expedition sechs bis acht Wochen am Stück, was beruflich nicht einfach zu organisieren ist. Dennoch ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass die Brüder sich irgendwann nochmal einen 8000er als Ziel wählen.



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